Hot-Hatch-Test: Peugeot 308 GTi

Kaum ein anderes Segment lässt die Herzen der Autofreaks so hoch schlagen, wie das der Hot Hatches, der flotten Fahrzeuge der Golfklasse. Und der Namensgeber hat schon lange keine Monopolstellung mehr. Einen GTi gibt es auch aus Frankreich, nämlich den von Peugeot.

Déjà-vu ohne mémoire

Von allen Kompakt-Sportlern war er mir immer der liebste, der 308 GTi. Optisch nicht so aufdringlich wie ein Type-R, dennoch sportlich und agil, mit tollem Klang und dabei auch langstreckentauglich . Vor ein paar Monaten gab es dann ein Facelift. Normalerweise werden hier und da ein paar Sachen geändert. Beim 308 GTi waren es zwar „nur“ Front- und Heckschürze und Teile des Innenraums.  Aber dabei ging irgendwie die Leidenschaft  verloren. Aber liegt das wirklich am Auto oder an mir?

Unterscheiden kann man den GTi von einem normalen 308 nur an ein paar Kleinigkeiten. Die Frontlippe in einem anderen Farbton, Zweirohrabgasanlage und ein bisschen tiefer ist er. In der Zweifarben-Lackierung Coupe Franche (880 Euro Aufpreis) fällt er schon etwas mehr auf. „Schaut irgendwie so Prolo aus“, meinte meine Freundin. Über ihren Geschmack lässt sich nicht streiten – sie liest mit. Tatsächlich kommt er in einem einfarbigen Blechkleid deutlich cooler daher, mehr in Richtung Understatement. Aber wie fährt sich der GTi überhaupt?

Fahreindruck

272 PS werden aus einem 1,6 Liter Motor gequetscht. Eine ordentliche Leistung,  mit der sich der 308 GTinicht vor der Konkurrenz verstecken muss, die leider aber erst bei 6.000 Umdrehungen anliegt. Von 0 auf 100 in 6 Sekunden, das passt. Genau wie auch beim Prefacelift mit an Bord: ein Torsen-Sperrdifferenzial für die angetriebene Vorderachse. Dort schreien die Räder nach Halt, bekommen den aber nicht immer. So schiebt die Fuhre in Kurven gerne nach außen. Aber das verkraftet man. Mir persönlich hat die Schaltung mehr Kopfzerbrechen beschert. Die wirkt als käme sie direkt aus dem Traveller. Die Schaltwege sind lang, viel zu lang. Das schaffen andere Hersteller deutlich knackiger. Alles in allem schreit der GTi nicht so nach Sportlichkeit, wie es ein Type-R oder ein AMG A45 tun. Und ja, die haben zwar noch mehr Leistung, der Benz hat gleich 109 PS mehr, aber auch bei den 272 Pferdchen im Peugeot könnte sich mehr abspielen.

Kurvige Berg- und Landstraßen machen zwar Spaß, aber es könnte noch witziger sein. Ich weiß das, denn in den letzten zwei Jahren, die zwischen den beiden 308 GTi Tests liegen, habe ich Autos in dieser Klasse gefahren, die das eben besser konnten. Die Jungs und Mädels von Peugeot Sport haben ihr bestes versucht, aber es würde noch mehr gehen. Oder anders gesagt: der 308 GTi ist sportlich, aber nicht der sportlichste. Zumindest fühlt er sich nicht so an.

Ist der 308 GTi trotzdem der Beste?

In gewissen Bereichen schon. Etwa im Innenraum. Das ist jetzt der 8. Bericht in dem ich vom i-Cockpit schwärme. Zusammengefasst: kaum Knöpfe weil alles über den Touchscreen gesteuert wird, kleines Lenkrad mit darüber liegendem Tacho. Und es passt einfach. Beim GTi gibt es noch Sportsitze, die nicht nur tollen Halt geben, sondern dabei noch bequem sind. Beim Innenraum macht man den Franzosen nichts vor.

Beim Verbrauch zeigt sich der stärkste Löwe im Programm von der sparsamen Seite. Ein Hot Hatch mit knapp über 7 Litern Verbrauch, da erblassen Hyundai i30N mit 10 Litern oder auch Type-R mit, bestenfalls, 8,3 vor Neid. Und auch der Sound ist nicht zu verachten.

Und wie ist das  Gesamturteil?

Obwohl man sich die Finger am Aluschaltknauf fast verbrennt (im Sommer wirklich sehr heiß), ist er zwar nicht der hotteste Hatch im Angebot, aber ein guter Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort. Schnelle Runden auf Rennstrecken meistert er genauso gut wie  den alltäglichen Stadtverkehr. Doch für einen Preis von 38.450 stellt sich die Frage, ob die 47 PS weniger im GT zum Preis von 36.150 den  Job nicht genauso gut machen.

Fazit:

Die Liebe zum Peugeot 308 GTi blieb ein bisschen auf der Strecke, mein persönlicher Liebling bleibt er aber trotzdem. Ich will nicht immer nur heizen. Es reicht zu wissen, dass man es kann. Der Underdog mit Kampfbemalung ist mehr der sportliche Allrounder als krasse Rennsemmel. Und das ist auch besser so.