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Luxustest: Ausfahrt mit dem Mercedes-Benz S 500

Sie strotzt nur so von Innovation und Luxus und alle Oberklasselimousinen werden an ihr gemessen. Die Rede ist von der Mercedes S-Klasse. Seit 1972 ist sie die Königin der Luxusklasse. Und schon seit damals ist die Lieblingsausführung aller Chefitäten und coolen Jungs der 500er. In der neuesten Generation ist aus dem V8 aber ein R6 geworden. Ist der S 500 nun gar nicht mehr so cool? Wir klären auf.

Limousine statt Pickup: der Testbeginn mit dem S 500

„Tizian, macht es dir was aus, wenn ich den Ceed nehme und du Morgen die X-Klasse abholst“, fragt mich Kollege Christoph. Weil ich weiß, wie es um seine beengte Garagensituation steht und die X-Klasse dort kaum Platz hat, helfe ich gerne aus. Beim Abholen des Benz kommt aber eine Überraschung: aus der X- wird eine S-Klasse. Ein Mercedes-Benz S 500 um genau zu sein. Der Autotestergott meint es gut mit mir.

Und beim Anstarten des Fahrzeugs folgt gleich eine weitere Überraschung: Statt blubberndem V8 höre ich zunächst nur ein leises summen, dann erst einen gut gedämmten Reihensechser. Dank Mildhybrid ist für die ersten paar Meter ein 22 PS starker E-Motor zuständig, erst dann übernimmt der 435 PS starke 3,0 Liter Benziner. Eingefleischte Mercedes-Fans schütteln jetzt vielleicht den Kopf: Ein 500er muss mit V8 vorfahren. Doch den gibt es nur noch im 560er und den AMG-Modellen.
Ich hingegen habe am Antrieb des diamant-weißen Riesen nichts auszusetzen. Die S-Klasse hängt gut am Gas, beschleunigt aus dem Stand in 4,8 Sekunden auf 100 und riegelt erst bei 250 ab. Zu keiner Zeit denke ich mir: „Mensch, ein bisschen V8 Power würd dem Ding gut stehen“. Was ich aber vermisse, ist der V8 Sound. Der Sound des Reihensechsers ist mir zu brav.

So muss sich eine S-Klasse fahren

Das Fahrgefühl im 5,1 Meter langen Mercedes ist unglaublich komfortabel. Die Federung ist beinahe sänftenartig , im Sportmodus aber trotzdem straff und mit einer Prise Sportlichkeit versehen. Ein agiles Leichtgewicht ist der 2 Tonnen Koloss natürlich trotzdem nicht, aber sein tiefer Schwerpunkt und der lange Radstand sorgen für eine gute Kurvenlage.

Wie man eine S-Klasse nicht ausstatten sollte

Den Großteil aller S-Klassen verkauft Mercedes mit langem Radstand. Und nachdem ich nun beide Versionen gefahren bin, kann ich die verlängerte Version wirklich empfehlen. Denn sitze ich mit meinen 1, 95 am Fahrersitz, wird es für den Passagier hinter mir richtig eng. Den fehlenden Platz versucht man in unserem Testauto aber mit Onboard-Entertainment zu ersetzen. Mit je einer Fernbedienung können die zwei Bildschirme hinter den Vordersitzen gesteuert werden. Radio, Navigation, Sitzheizung und zahlreiche andere Funktionen werden über diese Displays geregelt. Dieser Entertainment-Schnick-Schnack passt hervorragend in eine verlängerte S-Klasse, nicht aber in einen S 500, bei dem nicht genug Platz im Fond ist.
Was in einer S-Klasse auch nicht fehlen darf, ist ein Head-up Display, kurz HUD. In unserem Testwagen tut es das aber. Das, und viele weitere Funktionen, sollten serienmäßig verbaut sein. Sogar die 230 Volt Steckdose im Fond kostet 125 Euro Aufpreis. Das bringt mich zum nächsten Thema.

Das kostet der Mercedes-Benz S 500

Ein guter Mercedes muss teuer sein. Das hat sicher schon Carl Benz so festgelegt. Die S-Klasse beginnt bei 103.850 Euro für einen 350 d mit 286 Diesel-PS. Einen S 500 gibt es ab 124.900. Mit Extras wie dem AMG-Line Paket (6.822 Euro), Keyless-Go-Funktion (kostet 1.872 Euro und ist nicht serienmäßig) oder Entertainment im Fond (3.378,00 Euro) kostet unser designo diamantweißer Testwagen 164.807 Euro.

Ist der Mercedes-Benz S 500 jetzt noch cool?

Wenn ich an den typischen S 500er Fahrer denke, habe ich zwei Bilder im Kopf. Das eine zeigt einen ergrauten Herren mit leichtem Bauchansatz und einer Golfausrüstung im Kofferraum. Von Beruf Geschäftsführer oder Manager, möglicherweise mittlerweile in Rente. Das andere Bild zeigt einen jungen Mann in den späten 20ern oder den 30ern, mit vielen Tattoos und noch mehr Muckis. Ebenfalls im Auto sitzen einige seiner Homies und sein blondes Babe. Wie er zum S 500 kam, weiß keiner. Ein langes Wirtschafts- oder Jusstudium waren es auf jeden Fall nicht. Letztere werden sich über den Verlust des V8 Sounds mokieren (nachdem sie mokieren im Wörterbuch nachgeschlagen haben).
Unser Businessman wird sich darüber kaum beschweren. Warum auch: die S-Klasse fährt sich ausgezeichnet, sieht phänomenal aus, ist ein blechgewordenes Statement und lässt sich dank neuem Reihensechszylinder sogar sparsam bewegen. 9 Liter genehmigt sie sich im Test, in dem wir die meiste Zeit nur auf Autobahnen unterwegs waren. Aber dort ist sie zuhause und frisst unbeeindruckt Kilometer um Kilometer. Denn in kaum einem anderen Auto lässt es sich besser reisen.
Also ja: auch mit dem Reihensechser ist der S 500 ein richtig cooles und feines Auto.

Fazit:

Statt V8 arbeitet nun also ein 6-Zylinder im S 500. Na und? Wen interessiert’s? Der Motor hat ausreichend Power und ist obendrein noch recht sparsam. Dahingleiten lässt es sich so oder so formidabel. Der Preis ist saftig, muss er bei so einem Auto aber auch sein. Der Mercedes-Benz S 500 war, ist und bleibt DER Mercedes. Aber bitte als Langversion.