Opel für künftige Emissionsvorschriften gut gerüstet!

Wie Opel auf die vielen zukommenden, nicht einfachen Emissions-Themen à la WLTP, RDE und Co. reagieren wird, präsentierten die Rüsselsheimer bei einem Workshop in Mainz. Als motorenverliebter Chef-Filou musste ich diesen Termin freilich selbst wahrnehmen.

WLTP, RDE, Euro 6d-TEMP: Opel ist bereit!

Mit WLTP, RDE oder auch Euro 6d-TEMP kommen keine einfachen Zeiten auf die Fahrzeughersteller zu, so Christopher Rux von der Opel Kommunikationsabteilung.

Rux spricht hier nicht bloß von der „Fittmachung“ der gesamten Antriebspalette an die neuesten Emissionsforderungen der EU, zum Beispiel durch Partikelfilter und Harnstoff-Einspritzungen, sondern auch vom Rattenschwanz den die neuen Normen und Gesetze mitsichziehen.

NEDC ist nicht mehr praxistauglich.

Opel Chefentwickler Thomas Vogel führt die mit den neuen Emissionsvorschriften zurecht aufkommenden Herausforderungen näher aus, denn NEFZ (im engl. NEDC) ist lange nicht mehr praxistauglich:

Zu niedrig sind die gefahrenen Geschwindigkeiten, zu begrenzt aber auch die Einschränkungen der EU den Herstellern gegenüber. So wurden bislang gut und gerne 28 oder 29 Grad Celsius im Labor als Raumtemperatur (RT) herangezogen – einfach weil dies erlaubt war und für bessere Rollenprüfstandsergebnisse sorgte. In Zukunft ist RT mit +25 °C +/- 2 °C enger beraumt. Zusätzlich müssen jedoch beim WLTP, der bereits ab diesen September bei Neufahrzeugen anzuwenden ist, auch bei +14 °C die Emissionen bestimmt werden. 14 Grad Celsius deshalb, weil dies laut der EU die im Mittel durchschnittliche Temperatur Europas ist. Allein durch solche Verschärfungen bzw. Erweiterungen müssen die OEMs mit viermal längeren Prüfzeiten unter WLTP rechnen als noch zu NEFZ-Zeiten.

Energetisch bestes & schlechtestes Modell wird geprüft

Zukünftig darf außerdem auch nicht einfach das Auto mit der geringsten Ausstattung – also das leichteste – für Tests herangezogen werden. Es muss sowohl das energetisch beste als auch schlechteste Modell vonseiten OEM ausgemacht werden – was schon alleine nicht so einfach ist – und beide die Typprüfung hinsichtlich der Emissionen bestehen. Für andere Modelle wird dazwischen interpoliert.

Nichtsdestotrotz müssen Hersteller künftig zu jedem individuell konfigurierten Fahrzeug die CO2-Emissionen auf das Gramm genau angeben (können). Keine leichte Aufgabe bei aktuell zum Beispiel 100 Ausstattungsoptionen für den Opel Insignia. So kann ein Schiebedach beispielsweise gleich 1 g CO2/km Unterschied ergeben.

Seit vier Jahren beschäftigt sich Herr Vogel bereits mit dem Thema der neuen Fahrzyklen. Auf sein Anraten hin, hat sich Opel dazu entschlossen die Euro 6c-Zeit zu überspringen und, mit Euro 6d-TEMP, direkt zu WLTP auch noch den Straßentest RDE hinzuzuziehen. Ein gängiger und positiv zu sehender Trend vieler OEMs. Ein RDE-Test, also eine tatsächlich in freier Wildbahn durchgeführte Fahrt, muss mindestens 1,5 Stunden andauern. Dabei werden per 200.000 Euro teurem, portablem Messequipment (PEMS) rund 50 Abgas-Parameter ausgewertet, die für ein positives oder negatives Ergebnis herangezogen werden.

Leider hat die EU NEDC noch nicht abgeschworen. Wann dieser veraltete Standard also endgültig aus den Showrooms und Fahrzeugbriefen verschwindet, steht noch nicht fest, denn alles nach 2021 gefordert wird, ist noch nicht endgültig definiert.

Neue Antriebskombinationen

Schon heute erfüllen 90 Opel Modelle die Euro 6d-TEMP. Ein paar davon sollte ich rund um die Opel Arena in Mainz antesten. Aus zeitlichen Gründen blieb es schließlich bloß beim Vorserien-Grandland X mit mehrfach ausgezeichnetem 1,2-Liter-Dreizylinder samt neuartiger Achtgang-Automatik. Mit 130 PS und 230 Nm maximalem Drehmoment ist der Turbobenziner gewiss kein Kraftmonster und schluckt bei sportlicherer Fahrweise wohl auch mal über acht Liter, im Alltag jedoch scheint er klanglich äußerst zurückhaltend und völlig ausreichend im Futter stehend. Wenn auch 10,4 Sekunden für den Standardsprint heutzutage kein Maß der Dinge mehr sind. Wichtiger ist hierbei, dass die in-house entwickelte Achtgang-Automatik das kleine Aggregat gut am Gas hält und die Gänge angenehm verschleift.

Auch beim Mokka X, dem Begründer der Opel-SUV-Geschichte, tut sich dieser Tage einiges bei den Antrieben. Ihn gibt es jetzt zu 100 Prozent turboaufgeladen und mit sechs Gängen. Der 1,6 Liter Saugbenziner mit 5-Gang-Schaltung wird durch einen neuen 1,4-Liter-Turbobenziner mit 6-Gang-Handschaltung ersetzt. Der leistet 120 PS und liefert 175 Nm Drehmoment, braucht 10,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und läuft maximal 185 Sachen.

Der Crossland X ist ebenfalls bereits mit Euro 6d-TEMP-zertifizierten Antrieben zu haben. Das Modell, das mich vom Flughafen zur Opel Arena beförderte, war mit einem 1,5-Liter-Turbodiesel und 6-Gang-Handschaltung ausgestattet. Bei 102 PS Leistung und 250 Nm maximalem Drehmoment, ist schon bei 178 km/h Schluss und bis 100 km/h dauert’s 11,7 Sekunden.

Dank dieser drei Modelle ist Opel in Deutschland Marktführer bei den SUV in allen Segmenten und in Europa immerhin noch im Segment der B-SUV (Mokka X, Crossland X).

2018 Opel x-Champs Grandland Crossland Mokka X Mainz Arena Euro 6d WLTP RDE

Abkürzungen

  • NEFZ              Neuer Europäischer Fahrzyklus (= NEDC)
  • NEDC             New European Driving Cycle (= NEFZ)
  • PEMS             Portable Emission Measurement System
  • RDE                Real Driving Emissions
  • WLTP             Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure