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Der tropical orange Ford Focus ST Turnier im Test!

Nicht immer müssen Familienautos bieder sein. Das man auch mit einem Kombi der Golfklasse Spaß haben kann, beweist der Ford Focus ST Turnier.

Blechgewordener Sonnenschein: Der Ford Focus ST Turnier!

In leuchtendem Tropical Orange Metallic (+1.260 €) steht der Ford Focus ST Turnier bei der Fahrzeugabholung vor mir. An diesem kühlen und grau-bewölkten Mittwochnachmittag im Februar fühle ich mich bei dieser Farbe auch wirklich an tropisches Klima erinnert. Möglicherweise liegt das aber auch daran, dass ich in meinem dicken Wintermantel bei der falschen Bim-Station ausgestiegen bin und jetzt ein ordentliches Stück zum Ford-Händler zurückhatschen musste.
Man sieht Fords Beitrag zur Golfklasse mittlerweile häufig auf Österreichs Straßen. Im Jahr 2019 lag er mit 5.056 Stück auf Platz 10 unter den Neuzulassungen. Neben dem Fiat 500 das einzige weitere Fahrzeug, dass nicht vom Volkswagenkonzern stammt.

Auf geht’s!

Ich nehme im Focus Platz und verstehe sofort, warum sich viele Leute diesen Ford kaufen. Das Cockpit ist übersichtlich, alle Knöpfe und Schalter lassen sich intuitiv finden und sind obendrein gut verarbeitet. Das Infotainmentsystem erinnert ein bisschen an das von Hyundai/KIA: Es ist intuitiv und wirkt nicht überladen. Allerdings sieht es ein wenig altmodisch aus und könnte eine Auffrischung vertragen.
Der Rest des Interieurs weiß zu überzeugen. Die Materialien wirken wertig und robust. Hier und da ertaste ich Hartkunststoff, was mich aber nicht weiter stört. Am meisten Gefallen finde ich an den Sportsitzen von Recaro. Nun ist es so, dass ich nicht gerade der schmälste bin – eher ein Mann von Großformat. Sportsitze mag ich, ob meiner Ausmaße, deshalb eher weniger. Doch auf diesem feinen Gestühl lässt es sich aushalten. Auf dem Weg von Wien nach Vorarlberg hatte ich nie ein unbequemes Gefühl. Aussteigen musste ich nur aufgrund eines Boxenstopps menschlicher Natur.
Das einzige, was mich etwas störte: der Tacho. Bei vielen Mitbewerbern leuchtet hinter dem Lenkrad ein volldigitaler Tacho. Zwar hat der Focus ebenfalls ein Display, das ist aber kaum mehr als ein Bordcomputer. Nachdem ich für AUTOaktuell schon den neuen Ford Puma testen durfte, weiß ich, dass Ford nette Displays ins Instrumentenfeld bauen kann. Vermutlich fährt das Facelift des Focus später dann auch volldigital vor. Das soll die Freude über den orangen Kombi jetzt freilich keineswegs schmälern.

Orange Rakete im Anmarsch

Mein Test-Focus mag zwar ein Turnier und somit die Kombiversion sein, doch darf man aufgrund der Lackierung und des ST-Kürzels am Grill trotzdem nette Fahrwerte erwarten. Unter der gewölbten Haube schlummert jedoch nicht der 2,3 Liter EcoBoost mit 280 PS. Stattdessen nagelt bei meinem Tester der vierzylindrige 2,0 Liter EcoBlue mit 190 Diesel-PS. Wobei von nageln nicht die Rede sein kann. Zumindest im Inneren klingt der Diesel recht kernig und gar nicht nach Selbstzünder. Viel mehr klingt das, was da aus den Bang & Olufsen Boxen dröhnt nach dem, was beim Peugeot 308 SW GT beim Drücken auf den Sportknopf passiert. Aus den Boxen dröhnt dann nämlich ein bassiges Motorengeräusch, dass überhaupt nicht nach dem Motor klingt, der unter der Haube werkelt. So einfach und kostengünstig kann sich ein Diesel nach Sportler anhören. Manche belächeln das vielleicht, ich find‘ das irgendwie witzig.

Wenn wir schon beim Sportknopf sind: Den gibt es im Focus ST natürlich auch. Sogar gleich zwei Mal. Am Lenkrad befinden sich auf der rechten Seite zwei Knöpfe. Auf dem Rechten der beiden steht in Rot „Mode“ auf dem Linken, ebenfalls in Rot gehalten, ein „S“. Während mich das „S“ sofort in den Sportmodus katapultiert, kann über den „Mode“-Schalter zwischen allen Fahrmodi gewählt werden, die der Focus ST für einen bereithält. Zur Auswahl stehen „Rutschig“, „Normal“ und „Sport“ und bei meinem orangen ST Kombi dank optionalem Performance-Paket (472,31 Euro Aufpreis) auch noch „Rennstrecke“. Dass der Focus ST sich im Sport- und natürlich ebenso im Rennstecken-Modus anders verhält, merkt man an der noch direkteren Lenkung und der Gasannahme. Beim Renn-Mode wird zusätzlich das ESC ausgeschaltet.

Wie fährt sich der Ford Focus ST Turnier?

In 7,7 Sekunden beschleunigt der Focus ST Turnier von 0 auf 100 km/h. Mit Benzinmotor schafft es der ST Kombi in 5,8 Sekunden. Das Drehmoment von 400 Nm liegt bereits schon ab 2.000 Touren an. Die Topgeschwindigkeit beim ST Diesel Kombi liegt bei 220 km/h. Hört sich alles gut an, fährt sich noch besser. Die Lenkung ist sehr direkt, genauso wie die 6-Gang-Schaltung. Die Federung ist sportlich straff, auf der Autobahn gleitet man trotzdem äußerst komfortabel dahin. Ein bisschen mehr Knackigkeit, bei Lenkung, Schaltung und Fahrwerk vermisse ich schon. Der Focus RS würde diese Erwartungen wahrscheinlich erfüllen. Laut Insidern wird es aber in dieser Focus Generation keinen RS geben. Es bleibt also nur, den ST als das hinzunehmen, was er ist: Eine feine Spaßmaschine, die sowohl entspannt als auch rasant kann. Als Kombi zudem noch mit praktischem Stauraum. Apropos Stauraum: Bei fünf Passagieren fasst der Kofferraum 608 Liter, legt man die Rückbank um, sind es 1.653 Liter.

Einer der besten Werte beim Focus ST Turnier ist aber der Verbrauch. 6,2 Liter Diesel hat sich der orange Kombi auf 100 Kilometer durchschnittlich gegönnt. Bei 80 Prozent Autobahn, die dafür recht flott, ein guter Wert.

Was kostet der Ford Focus ST Turnier?

Den normalen, 5-türigen Focus bekommt man ab 22.100 Euro. Den Kombi Turnier gibt es ab 23.600,-. Die rassige ST-Version kostet als Fünftürer mindestens 35.850 (mit Diesel wohlgemerkt) und als Kombi 37.350 (ebenfalls als Diesel). Mein Testwagen bringt es mit Extras wie Head-up-Display (503,80 Euro), Performance Paket (472,31 Euro) und mehr, auf 45.124 Euro. Ein Škoda Octavia RS kostet in etwa gleich viel.

Fazit

Der Ford Focus ST Turnier ist ein Kombi, der wirklich perfekt kombiniert. Und zwar Praktikabilität mit einer ordentlichen Prise Sportlichkeit. Der Innenraum ist solide und hübsch anzusehen und auch die Karosserie weiß zu gefallen. Die direkte Schaltung und Lenkung machen auf schnellen Kurven Spaß, die Federung ist ausgewogen straff.