Tag ein, Tag aus begegne ich – und ihr vermutlich ebenso – zig Skoda Octavia RS auf den heimischen Straßen. Wie’s kommt und warum der Test-RS doch noch die Kurve hin zum Besonderen kratzt, klärt mein Rendezvous.
Eine kurze Rücksprache mit Justus Klug, Skoda Österreich-Pressesprecher, bestätigte meinen Verdacht: der Octavia RS verkauft sich hierzulande hervorragend. Doch wie kann das sein, bei einem Fahrzeug welches 230 PS leistet?
Ganz einfach: Im Wolfspelz verbirgt sich ab und zu auch ein Schaf. Das RS-Logo trägt nämlich nicht nur der flotte Benziner, sondern auch die 184 PS „schwache“ Dieselkutsche. Wie aber ist der potentere der beiden denn dann auszumachen? Im Grunde genommen gar nicht.
Den Kopf verdreht sich keiner wegen des Corrida-roten Tschechen. Allerhöchsten spitzt einer die Ohren wenn er den tief grummelnden Motorsound oder gar einen Auspufffurz vernimmt.
Und dann kann ihn der Kenner – lest weiter, dann könnt ihr auch einer werden – doch vom Dieselbruder unterscheiden. Nein, nicht ausschließlich am Klang. Wer genau hinsieht, erkennt, dass hinter den eckigen Auspuffblenden beim Benziner links und rechts ein Endtopf verbaut ist. Der Diesel hingegen ist ein reiner Linksträger.
Was aber rechtfertigt dann das „Besondere“ des Titels? Ganz einfach: Mein Testwagen ist nicht bloß der „normale“ 220 PS starke Benziner-RS, sondern das 2.600 Euro teurere Top-Top-Modell mit 230 PS. Gut, die 10 PS mehr machen das Kraut auch nicht mehr fett, und die schwarze Lackierung von Kühlergrill-Einfassung und Außenspiegeln wohl auch nicht.
Das „Besondere“ verbirgt sich beim RS 230 hinter den feschen 19-Zöllern XTREME, nämlich das elektrohydraulische Sperrdifferential XDS+. Damit wird der Pampersbomber endgültig zur Waffe, denn es unterbindet das Durchdrehen der Vorderräder bei zu frühem Gasbefehl in engen Kehren. Die Kraftverteilung hilft dabei die ab 1.500 Umdrehungen pro Minute anstehenden 350 Nm Drehmoment auf den Asphalt zu befördern.
Die Sperrwirkung kann dabei über den vRS-Schalter in der Mittelkonsole verstellt werden, ebenso wie Lenkung, Gaspedal oder Innenraum-Klang. Mit dem Modelljahr 2017 sind erstmals auch die Stoßdämpfer regelbar. Darüber habe ich bereits nach der ersten Ausfahrt mit den 2017er Modellen vor einem Monat in Prag berichtet. Dynamic Chassis Control (DCC) ist das Zauberwort hierfür.
Eine Woche lang bewegte ich den RS 230 rund 800 Kilometer weit über Stadt, Land und Autobahn. Stets im Sportmodus, stets auf Zug. Fast hätte ich in dieser Testwoche zweimal die ROZ-Tränke ansteuern müssen. Glatte zwölf Liter Durchschnittsverbrauch legte der Tscheche an den Tag. Vermutlich reichen auch neun, wenn man die Beherrschung nicht verliert.
Fazit: Der Octavia RS 230 ist sicherlich kein reinrassiger Sportwagen, sondern eher ein Gefährt für jeden Tag. Die Dämpfer sind nicht zu hart, die Sitze nicht zu eng und der Sound nicht zu laut. Als einziges Manko sehe ich sein Trinkverhalten. Im Test waren gerade so 450 Kilometer mit einer Tankfüllung machbar. Ein Glück, dass sich der 2-Liter-TSI mit 95 Oktan zufrieden gibt.
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