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G wie Gelände, G wie Graz, G wie geil!

Ich durfte die Mercedes-Benz G-Klasse dort fahren, wo sie zu Hause ist: im G-Class Experience Center in Feldkirchen bei Graz. Auf 100.000 Quadratmetern Gelände, das von sanftem Asphalt bis zu felsigem Offroad-Terrain alles bietet, was ein echter G braucht. Hier, nur wenige Kilometer vom Werk entfernt, wo seit 1979 jeder G gebaut wird, konnte ich erleben, warum dieses Auto seit fast einem halben Jahrhundert Kultstatus hat. Onroad souverän, offroad unaufhaltbar – und immer mit dieser unerschütterlichen Aura aus Stahl, Leder und Legende.

Die Geschichte des G – Vom Arbeitstier zum Wüstenkönig zur Legende

46 Jahre ist es her. 1979 rollte die erste Mercedes-Benz G-Klasse, der „460er“, vom Band. Entwickelt und gebaut gemeinsam mit Steyr-Daimler-Puch in Graz. Ein Arbeitstier, robust, kantig, kompromisslos. Wer hätte damals gedacht, dass dieses Nutzfahrzeug einmal zum Statussymbol werden würde?

Der G, der Papst und Jacky Ickx

Schon früh bewies man Marketing-Gespür: Man schenkte dem Papst eine G-Klasse. Das erste „Papamobil“ war geboren. Zwischendurch musste er zwar kurz auf einen Dacia Duster umsteigen – ja, wirklich –, doch heute fährt der Heilige Vater wieder G. Amen dazu. 1983 dann das erstaunlicherweise einzige offizielle Motorsport-Abenteuer der G-Klasse: Jacky Ickx und die Rallye Paris-Dakar. Damals fuhr der Formel 1-Fahrer mit einem seriennahen G – lediglich anderes Fahrwerk, ausgeräumt, Schalensitze, Käfig. Und gewann. Heute wäre so etwas undenkbar – die Rallye wird längst von millionenteuren Prototypen bestritten.

Der Schöckl – die härteste Probe

Seit 1979 wird jeder G am Schöckl, dem Grazer Hausberg, getestet. Eine Natur-Teststrecke, ursprünglich für Haflinger und Pinzgauer. 3.500 Kilometer muss jeder G dort im Dauerlauf schaffen. Das felsige Terrain nutzt sich kaum ab – perfekt für reproduzierbare Ergebnisse.

Und weil das Gelände so einmalig ist, trägt jeder G stolz das kleine „Schöckl-Proven“-Emblem.

463 vs. 461 – Zwei Wege, ein Ziel

1989 kam die legendäre Baureihe 463 – die zivile Version. Mehr Komfort, mehr Alltag, weniger Schlamm. Parallel dazu lief die 461er für Militärs, Behörden und Feuerwehren weiter. Bis heute sind beide Varianten getrennt, mittlerweile sogar örtlich: Der zivile G blieb im Ur-Werk, der nicht-zivile zog in ein anderes Werk in der Nähe.

Heimat Graz: Wo der G geboren wurde

Die G-Klasse ist und bleibt Grazer Kulturgut. In Feldkirchen bei Graz steht heute das G-Class Experience Center – 100.000 m² Fahrspaß pur. Jeder kann sich dort einbuchen, auch ohne G-Besitz. Zwei Kundenauslieferungen täglich – mehr nicht. Exklusivität pur.

G-Klasse Fahrtraining Experience Center Graz buchen Preis schenken
Picture © Mercedes-Benz

Die Produktion erfolgt heute bei Magna Steyr Fahrzeugtechnik Graz, zugesichert von Mercedes-CEO Ola Källenius bis mindestens 2029.
Die Fertigung ist Handarbeit pur – sogar die Sitze werden vor Ort genäht. Ja, wirklich genäht. Nähmaschinen in einer Autoproduktion – das sieht man sonst nirgends.

Der AMG und der Weg zum Lifestyle

1999: Der erste AMG G. Der Beginn einer neuen Ära. Aus dem Offroader wurde ein Luxusgut, ein Statement. Und der Schritt war goldrichtig. Denn 2025, ein Vierteljahrhundert später, ist die leistungsstarke AMG-Variante immer noch die beliebteste.
Unter der Haube? Seit jeher ein V8. Laut, kraftvoll, emotional. Der G, vor allem der AM-G, war immer schon ein Auto fürs Herz – für Enthusiasten.

Das große Facelift, 6×6, 4×4² & Maybach

Das letzte „große“ Update im Jahr 2012 brachte mehr Luxus und mehr Komfort. Strenger werdende Vorschriften – Abgas, Crashtests, Fußgängerschutz – schienen das Ende der Legende. Zum Abschied zelebrierte man den G mit sündhaft teuren Sondermodellen: G 63 6×6, eigentlich als Studie gedacht, bekannt aus dem Film Beyond the Reach mit Michael Douglas. Intern seither liebevoll „Wüstenkönig“ genannt. Ein Jahr lang war er bestellbar – und ist heute Kult. Und nach wie vor im Einsatz, zum Beispiel bei der australischen Feuerwehr.

2015 kam der erste G 500 4×4² mit Portalachsen. Schon damals mit dem neuen 4-Liter-Biturbo-V8. 2017 folgte der G 650 Maybach Landaulet – länger, luxuriöser, mit Liegesitzen im Fond. Für alle, denen ein normaler G einfach zu gewöhnlich war.

2018: Die neue Mercedes-Benz G-Klasse

Dann 2018 der große Moment: die neue Mercedes-Benz G-Klasse. Die Fans rechneten mit dem Schlimmsten – SUV-Design, Softie-Gene, Verlust der Seele. Doch als Dr. Zetsche und Arnold Schwarzenegger den Neuen in Detroit präsentierten, wich die Panik der Erleichterung: Er sah aus wie immer. Kantig, ehrlich, G eben.

Chefdesigner Gorden Wagener sei Dank. Er bestand auf die aufgesetzten Blinker, obwohl die EU sie eigentlich verboten hatte. Trickreich gelöst: Sie „brechen“ im Ernstfall einfach weg – und schon war der Fußgängerschutz erfüllt. Chapeau!

Gorden Wagener Chef-Designer Mercedes-Benz PKW Cars IAA 2025 September
Gorden Wagener, Chef-Designer MB | Photo © Raphael Gürth/autofilou.at

2022–2024: Elektrisch, aber mit Seele

2022 kam der neue 4×4² auf AMG-Basis, 2023 das große Jubiläum: 500.000 gebaute G-Klassen bei Magna in Graz. 2024 dann die Modellpflege, die polarisiert. Denn: Der G 500 fährt nun mit einem Reihensechser, kein V8 mehr. Und mit dem G 580 kam die erste vollelektrische G-Klasse. Die Idee dazu? Ein Versprechen von Zetsche an Schwarzenegger aus dem Jahr 2018. Die Kundenresonanz? Verhaltener. Aber intern bleibt man entspannt – die Auftragsbücher sind voll. Ob ein G 63 oder G 580 vom Band rollt, ist Mercedes-Benz herzlich egal.

Und 2025? Die 600.000ste G-Klasse wurde produziert. Sie steht derzeit in Tirol zum Verkauf.

Technik & Gelände: G steht für Gelände

Der G bleibt sich treu: klassischer Leiterrahmen, hinten Starrachse, vorne mittlerweile Einzelradaufhängung – für mehr Komfort.
Dazu drei sperrbare Differenziale (vorne, Mitte, hinten). Geschlossen bekommen alle Räder gleich viel Kraft – kein Durchdrehen, kein Steckenbleiben.

Beim elektrischen G 580 übernehmen vier Motoren diese Aufgabe elektronisch. Ergebnis: Genaue Kraftverteilung – und der spektakuläre G-Turn, bei dem der G auf der Stelle rotiert.

Wie gut der G im Gelände wirklich ist, durfte ich schon vor etwas mehr als einem Jahr in Südfrankreich erfahren und jetzt am G-Class Experience Center in Feldkirchen bei Graz erneut erleben. 36 Grad Schräglage – offiziell darf er 35. Laut Instruktor wäre „ein Grad mehr“ auch noch gegangen. Mir hat’s gereicht. Und das sagt alles.

Fazit: Der Letzte seiner Art

Die Mercedes-Benz G-Klasse ist ein Auto für Enthusiasten. Manche besitzen gleich zehn Stück, wie mir erzählt wird. Kann ich verstehen, denn der G kann alles: sportlich, offroad, elegant, nützlich. Ein vielseitigeres Fahrzeug gibt’s wohl kaum. Nur die Preise – vor allem im NoVA-geplagten Österreich – bleiben jenseits von Gut und Böse. Ich freue mich jedenfalls schon aufs nächste Wiedersehen mit dem G.

Mercedes-Benz G-Klasse G-Class Experience Center Graz Magna Austria
Photo © Raphael Gürth/autofilou.at
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