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Opel Werk Wien-Aspern: 100 Maßnahmen für Wiederanlauf!

Unter Einhaltung aller aktuellen Abstandsregeln und Vorschriften konnte ich mich bei einem geführten Rundgang durchs Opel Werk Wien-Aspern von den mehr als 100 zusätzlichen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen überzeugen, die für den Wiederanlauf der Produktion nach Covid-19 getroffen wurden.

Opel Werk Wien-Aspern: Leitwerk für PSA-Konzern!

Seit nunmehr 20. März 2020 stehen alle Bänder im Opel Werk Wien-Aspern still. 90 Prozent der 1.000 am Standort beschäftigten Mitarbeiter wurden von PSA-Austria HR-Direktorin Daniela Palmberger-Kals in Kurzarbeit entsandt. „So ruhig war es hier noch nie“, berichtet PSA-Austria PR-Manager Christoph Stummvoll. Denn selbst wenn sonst Werksferien angesagt sind, stehen Umbauarbeiten an. Derzeit jedoch sind nur vereinzelt Heinzelmännchen unterwegs, die das Werk für den Wiederanlauf nach Covid-19 vorbereiten.

Bei der, mit Mundschutz und Schutzbrillen geführten Tour übers 400.000 m² große Areal, fallen mir viele Klebe- und Absperrbänder sowie Hinweisschilder ins Auge. Selbst beim Raucherplatz vor der Produktionshalle sind Bodenmarkierungen aufgeklebt.

„Wo es nur geht, werden wir den Sicherheitsabstand vom berühmten Baby-Elefanten (Anm. 1 m) einhalten“, so Palmberger-Kals.

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Verringerte Produktion geplant

Deswegen werden nicht nur gezielt Wasserhähne abgeklebt und Duschkabinen versperrt, sondern an den Produktionsbändern zu Beginn auch nur die Hälfte an Personal ihre Arbeit verrichten. Die Bänder werden, sobald die Produktion von der Konzernleitung das Go bekommt, mit verringerter Geschwindigkeit laufen. 100 Prozent Produktion zu Anfang ausgeschlossen!

An „Tag 0“, also am ersten Tag nach Covid-19, wird keinesfalls produziert. Mitarbeiter werden in Kleingruppen von ihren Vorgesetzten über das umfangreiche Sicherheitsmaßnahmenpaket informiert, die wiederum tags zuvor von der Geschäftsführung in Kenntnis gesetzt werden.

Außerdem wird dafür gesorgt, dass die beiden Schichten (A & B) am Standort nicht aufeinander treffen. Während die A-Schicht frei hat, arbeitet die B-Schicht, und umgekehrt – je rund 400 Personen. Dadurch liegt, auch zur weiteren Sicherheit, immer eine Nacht dazwischen. Dasselbe gilt für die Warenanlieferung: Angelieferte Waren müssen mindestens drei Stunden im Werk liegen, bevor sie verarbeitet werden. Dank des speziellen Zweischichtmodells wird dies ebenfalls auf eine Nacht ausgedehnt.

Stündliches Reinigungsritual

Zudem schallt jede Stunde Musik durchs Werk – ein Zeichen dafür, dass alle Mitarbeiter, auch die im Büro, ihr Werkzeug, ihre Hände sowie ihren Arbeitsbereich reinigen (waschen bzw. desinfizieren) müssen. An den Türen zu Meeting- und Waschräumen ist genau aufgelistet, wie viele Personen sich darin aufhalten dürfen. Am Ende eines Meetings muss für mindestens 15 Minuten durchgelüftet werden. Deshalb stehen auch alle Türen, auch Brandschutztüren mit elektrischem Haltemagnet, offen – so werden zugleich weniger Türschnallen angegriffen. Dort wo es übrigens nicht möglich ist, einen Meter Abstand zu halten, wurden Trennwände aufgestellt.

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Für die Entsorgung getragener Handschuhe, Mundschutze sowie Sicherheitsbrillen stehen separate Mülleimer parat. Diese werden von der Stadt Wien nicht mehr geöffnet und direkt verbrannt. Weiters wurde das Reinigungsintervall am gesamten Gelände erhöht und verschärft.

Internes & externes Audit bestanden

Mehr als 100 dieser Maßnahmen hat sich die HR zusammen mit dem Betriebsrat und dem Management in Kooperation mit der Konzernzentrale überlegt. All diese wurden am 8. April 2020 von der lokalen Sicherheitsfachkraft intern und tags darauf extern auditiert – positiv auditiert! So will es der PSA-Konzern und nur deshalb hat man sowohl aus Paris als auch aus Rüsselsheim das OK für den Wiederanlauf bekommen. Doch wann dieser stattfindet, weiß in Wien-Aspern derzeit niemand.

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Maßnahmen begannen weit früher

Die HR und der Betriebsrat haben darüber hinaus weit mehr in petto: Seit Produktionsstopp bekommen sämtliche Mitarbeiter fortwährend upgedatete Sicherheitsprotokolle per Post nach Hause gesandt. Nur wer diese vollständig ausgefüllt und symptomfrei am Hauptportal des Werks vorweisen kann, wird von der Werksfeuerwehr aufs Gelände gelassen. Sollte wider Erwarten ein Corona-Verdacht bestehen, verfügt die Werksfeuerwehr über einen eigenen Schutzraum sowie Krankenwagen.

Für den sicheren Weg zur Arbeit wurde die Werksbus-Kapazität verdoppelt. Jede Schicht hat nun ihre eigenen Busse und genügend Sitzplätze, um sicher von Zuhause in die Arbeit zu gelangen. Mitarbeiter-Carsharing ist nur dann geduldet, wenn nicht mehr als zwei Personen im Fahrzeug sitzen – diagonal versetzt, Schutzmasken tragend und einer offenen Seitenscheibe.

Weiters sind die Mitarbeiter angehalten, ihre Verpflegung selbst mitzubringen, da die Werkskantine weiter geschlossen bleibt. Wem dies nicht möglich ist, dem stehen täglich frisch bestückte Snack-Automaten zur Verfügung. Aus hygienischen Gründen wurden auch alle Trinkbrunnen außer Kraft gesetzt. Mitarbeiter bekommen stattdessen Wasserflaschen ausgehändigt.

Fazit

Ich bin tatsächlich überrascht, wie weit hier vonseiten HR und Betriebsrat gedacht wurde. Damit setzt der Konzern ein ganz klares Statement hinsichtlich Mitarbeiterschutz. Leider fehlt mir die Erfahrung als Produktionsarbeiter, um ein gültiges Urteil abgeben zu können. Was mir im Opel Werk Wien-Aspern gezeigt wurde, scheint aber Hand und Fuß zu haben. Hier können sich andere Firmen sicherlich eine Scheibe abschneiden.

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