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Tomorrow XX: Mercedes-Benz zeigt eine neue Dimension der Nachhaltigkeit!

Nachhaltigkeit im Auto endet nicht beim Elektroantrieb. Mit Tomorrow XX stellt Mercedes-Benz ein Technologieprogramm vor, das jedes Bauteil eines Fahrzeugs neu denkt – von kreislauffähigen Scheinwerfern bis zu CO₂-armen Batterien. Ein Blick auf die spannendsten Innovationen.

Tomorrow XX: Über 40 neue Bauteil- und Materialkonzepte zur Dekarbonisierung!

Mercedes-Benz meint es ernst mit der Nachhaltigkeit – und zwar nicht nur beim Antrieb. Mit dem neuen Technologieprogramm Tomorrow XX geht der Stuttgarter Premiumhersteller einen bemerkenswert konsequenten Schritt: Jedes einzelne Bauteil eines Fahrzeugs wird auf CO₂-Reduktion, Recyclingfähigkeit und Ressourcenschonung überprüft. Vom Scheinwerfer bis zur Batterie, vom Teppichboden bis zur Karosseriestruktur. Nachhaltigkeit bleibt damit keine Vision, sondern wird zum festen Bestandteil der Fahrzeugentwicklung.

Mehr als ein Konzept: Tomorrow XX ein ganzheitlicher Ansatz!

Während Konzepte wie der VISION EQXX bereits gezeigt haben, was technisch möglich ist (z. B. bionische Gussbauteile), hebt Tomorrow XX die Sache nun auf eine neue Ebene. Erstmals wird ein XX-Technologieprogramm modell- und antriebsübergreifend gedacht. Ziel ist es, Nachhaltigkeit tief in die Entwicklung zu integrieren – von der ersten Designskizze bis zum Recycling am Ende des Lebenszyklus. Stichwort: „Design for Circularity“, kurz DfC.

Über 40 neue Bauteil- und Materialkonzepte befinden sich bereits in Entwicklung oder stehen kurz vor der Serie. Gemeinsam haben sie enormes Potenzial: weniger CO₂, mehr Sekundärmaterialien und eine deutlich bessere Kreislauffähigkeit.

Kreislauffähige Bauteile: Reparieren statt Wegwerfen

Ein besonders greifbares Beispiel ist zum Beispiel der kreislauffähige Scheinwerfer, an dem Mercedes-Benz unter anderem mit Scheinwerfer-Spezialist ZKW aus dem niederösterreichischen Wieselburg zusammenarbeitet. Statt verklebter Einweg-Konstruktionen wird auf verschraubte Module aus Monomaterialien gesetzt. Das Ergebnis: bessere Reparierbarkeit, längere Lebensdauer und nahezu halbierte CO₂-Emissionen. Ein Steinschlag bedeutet künftig nicht mehr den Austausch des kompletten Scheinwerfers – ein echtes Plus für Kunden und Umwelt. Der Serieneinsatz ist hier zwar noch Jahre entfernt, wie ich auf Rückfrage erfahre, doch am Ende sollen die Werkstätten Abdeckscheiben und Co. tauschen können und dürfen.

Auch im Interieur wird umgedacht. Neue lösbare Verbindungstechnologien ersetzen dauerhaft verschweißte Kunststoffverbunde. Das erleichtert Reparaturen und ermöglicht sortenreines Recycling – ein bislang unterschätzter Hebel in der Nachhaltigkeitsdebatte.

Monomaterialien und Rezyklate statt Kunststoff-Mix

Rund 250 Kilogramm Kunststoff stecken im Durchschnitt in einem modernen Mercedes. Tomorrow XX setzt hier gezielt auf Monomaterialien und Rezyklate. Besonders spannend: ein PET-Monosandwich für Türtaschen, das über 40 Prozent leichter ist, den CO₂-Fußabdruck halbiert und vollständig recyclingfähig ist – bei gleichbleibender Performance. Dieses Konzept wurde bereits 2024 mit dem Materialica Award ausgezeichnet und steht kurz vor der Serie.

Auch Stoßfänger, Wischwasserbehälter oder Unterbodenverkleidungen entstehen zunehmend aus Post-Consumer-Rezyklaten – teils direkt aus Altfahrzeugen. Der Gedanke dahinter ist klar: Der Mercedes von heute wird zur Rohstoffquelle für den Mercedes von morgen.

Mercedes-Benz Technologieprogramm Tomorrow XX - Das Automobil von heute als Rohstoffquelle von morgen
Picture © Mercedes-Benz AG

Aluminium, Stahl und Batterien mit deutlich weniger CO₂

Besonders CO₂-intensiv sind klassische Werkstoffe wie Aluminium, Stahl und Batteriezellen. Mercedes-Benz begegnet dem Problem mit erneuerbaren Energien, hohem Schrottanteil und neuen Produktionsverfahren. Beim neuen CLA stammen bereits bis zu 40 Prozent des Aluminiums aus emissionsreduzierter Herstellung, was im Vergleich zum nicht elektrifizierten Vorgängermodell rund 400 Kilogramm CO₂ pro Fahrzeug einspart.

Mercedes-Benz Technologieprogramm Tomorrow XX - Das Automobil von heute als Rohstoffquelle von morgen
Picture © Mercedes-Benz AG

Auch bei Stahl geht der Weg Richtung wasserstoffbasierter Direktreduktion und Elektrolichtbogenöfen – mit dem Ziel nahezu CO₂-freier Produktion. Parallel dazu arbeitet Mercedes-Benz an einer eigenen Batterierecyclinganlage in Kuppenheim, Baden-Württemberg, um wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel oder Kobalt im Kreislauf zu halten.

Urban Mining: Der alte Mercedes als Rohstoffquelle

Ein weiteres zentrales Thema ist Urban Mining. In einem Pilotprojekt entsteht seit Sommer 2025 gemeinsam mit der TSR Group GmbH & Co. KG im Nordwesten Deutschlands ein Rücknahmestandort für Altfahrzeuge, um Post-Consumer-Materialien gezielt zurückzugewinnen. Ob Kunststoffe aus Airbags, Gummi aus Altreifen oder Mischkunststoffe aus der Schredderleichtfraktion – was früher Abfall war, wird heute zur wertvollen Ressource.

Was viele nicht wissen: Seit Jahrzehnten betreibt Mercedes-Benz ein eigenes Rücknahmesystem für Verschleißbauteile (MeRSy) – zum Beispiel alten Bremsbelägen. In Zusammenarbeit mit Lieferanten wurde jetzt ein Bremsbelag-Konzept entwickelt, das Abfälle aus alten Bremsbelägen – bis zu 40 % – wieder in neuwertigen Bremsbelägen zum Einsatz bringt. Von einem Serieneinsatz ist man hier leider noch Jahre entfernt, da dieses sicherheitskritische Bauteil erst auf Herz und Nieren geprüft werden muss. Die CO₂-Einsparung für diese hochkomplexe Materialmischung ist mit bis zu 85 Prozent jedoch besonders interessant. Ergänzt wird die Komponente durch eine Bremsbelagsrückenplatte aus CO₂-reduziertem Stahl.

Tomorrow XX Mercedes-Benz Nachhaltigkeit Entwicklung Pilotprojekt Bremsen Leder Unterboden
Photo © Raphael Gürth/autofilou.at

Weitere Ideen:

  • Mittelkonsolenhalter aus Kunststoff statt Magnesium
  • Lederalternative und Absorber aus recycelten Altreifen
  • Türmodulträger mit biobasierten Werkstoffen
  • Aluminium-Seitenwände aus alten Felgen, Fensterrahmen und Altfahrzeugen
  • Motorlager und Ventilgehäuse aus recycelten Airbags

Fazit: Tomorrow XX keine Vision

Tomorrow XX zeigt eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit im Automobilbau weit über Elektromobilität hinausgeht. Mercedes-Benz denkt das Fahrzeug als Ganzes neu – technisch ambitioniert, industrieübergreifend und erstaunlich praxisnah. Noch ist nicht alles serienreif, aber eines ist klar: Viele dieser Lösungen werden schneller Realität, als man denkt.

Und genau hier liegt die eigentliche Stärke von Tomorrow XX: Nicht als Vision für die ferne Zukunft, sondern als konkreter Werkzeugkasten für die nächsten Fahrzeuggenerationen.

Tomorrow XX Mercedes-Benz Nachhaltigkeit Entwicklung Pilotprojekt Bremsen Leder Unterboden
Photo © Raphael Gürth/autofilou.at
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