autofilou.at Zum Inhalt

V8 im Doppelpack, Teil 2: BMW M850i xDrive Gran Coupé

Autos mit V8 Motor sind dieser Tage eine Seltenheit geworden. „Zum Glück“, schreien die einen, „tragisch“ meinen die anderen. Wir wollen uns an dieser Diskussion gar nicht großartig beteiligen und stattdessen zwei aktuelle Exemplare zum Test ausführen. Im ersten von zwei Teilen durften wir den Ford Mustang Mach 1 zum Rendezvous bitten. In Teil 2 beleuchten wir das BMW M850i xDrive Gran Coupé.

Grande Finale? Das letzte BMW M850i Gran Coupé mit V8?

In Teil 1 habe ich die Geschichte des V8 kurz angerissen. Im zweiten und letzten Teil wäre es also sinnvoll und logisch, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Dass immer mehr Hersteller ihre V8 aus dem Programm nehmen, und vermehrt auf den Elektroantrieb setzen, ist allgemein bekannt. Die Gründe sind mannigfaltig: Flottenverbrauch, Emissionen und auch die Effizienz großer V8 Motoren sind nicht mehr zeitgemäß. Außerdem wiegen V8 Motoren wegen ihrer Größe gleich deutlich mehr. Ein kleiner Motor schafft dank Turbolader die gleiche Leistung und mithilfe eines Mildhybridsystems wird dann auch noch ein Turboloch gestopft.

Wie schwer sich dabei manche Ingenieure und Entwickler tun, zeigt das Dodge Charger Daytona SRT Concept. Statt blubberndem Hellcat-V8 mit 727 PS, gibt es im ersten E-Auto von Dodge maximal 680 PS, die sich über Lautsprecher und Audio Engineering Gehör verschaffen. Warum? Na damit halt irgendwas noch nach der guten, alten Zeit klingt. Ob das des Rätsels Lösung ist? Das wird uns nicht nur die Zeit sagen, sondern auch ob die Kundschaft darauf anspringt. Das werden uns die Zeit und die Verkaufszahlen dann zeigen. Mir persönlich gefällt der E-Dodge, ich sehe aber schon, wie sich ein paar Amis einen Hemi-Motor in die Kiste klopfen werden.

Zu vermuten ist, dass der V8 nach und nach aus dem Programm großer Automobilhersteller verschwinden und nur mehr für Luxusfahrzeuge und Kleinserienhersteller ein probates Mittel für flottes Vorankommen sein wird. Die haben nicht nur weniger gesetzliche Auflagen (zu CO₂-Emissionen beispielsweise), sondern vor allem auch die Kundschaft, die sich einen V8 leisten kann und will. Wir sollten also jetzt noch einmal die Gelegenheit nutzen und uns am V8 einfach nur erfreuen.

Stichwort: BMW M850i xDrive Gran Coupé

Den Schönheitswettbewerb im aktuellen BMW-Line-up gewinnt auf jeden Fall die 8er-Modellreihe. Mir taugt der konservative und einfach nur gute und fesche 5er zwar auch sehr, aber an so einem 8er Gran Coupé kann man sich eigentlich nie satt sehen. Ecken, Kanten und Kurven genau an den richtigen Stellen. So muss ein elegantes und sportliches Auto aussehen. Und was mir beim 8er auch nicht so an die Nieren geht, sind ebendiese: Statt protzig und pompös geht es maximal prollig zu. Das liegt aber nicht an der Größe, wie etwa beim i7, sondern an der Beleuchtung, die mehr nach ATU und Forstinger aussieht als nach deutscher Qualität aus Bayern. Doch nicht einmal Forstingers-Finest (oder eher Worst) kann dieser Schönheit etwas anhaben.

Auch auf die inneren Werte kommt es an!

Beim BMW M850i xDrive Gran Coupé gibt es sogar zwei verschiedene innere Werte. Zum einen wäre da der unglaublich feine Innenraum. Der besticht nicht nur durch gewohnt hohe Verarbeitungsqualität, sondern auch durch die typische BMW-Innenraumgestaltung. Knöpfe, wo Knöpfe sein sollten und ein i-Driveregler, der einem die Bedienung des übersichtlichen Infotainmentsystems erleichtert, ohne auf den Touchsdisplay tapsen zu müssen. Zusammengefasst: Man fühlt sich sehr schnell zu Hause im 8er BMW.

Einzig beim Raumkonzept könnten die Münchner nachbessern. Hinter mir mit meinen 1,94 Metern ist kaum Platz in der zweiten Sitzreihe. Selbst wenn sich wer hinten reinzwängen könnte, kommt die Kopffreiheit durch die herabfallende Dachlinie des Gran Coupés zu kurz. Es ist ohnehin davon auszugehen, dass das Gran Coupé trotz vier Türen und mehr Platz im Fond selten mehr als zwei Personen von A nach B bringen wird. Es ist mehr ein Prestigefahrzeug als ein Familienfahrzeug. Vor allem, wenn man sich die Preisliste ansieht. Aber dazu später mehr.

Das Herzstück: Der V8

Der andere innere Wert ist, wie kann’s anders sein, der V8. Im Falle des M850i handelt es sich dabei um den BMW N63 Motor, den die Bayern seit 2008 im Programm und im Laufe der Zeit immer wieder überarbeitet haben. Der Aluminiumblock mit Aluminiumzylinderköpfen hat einen Hubraum von 4.395 Kubikzentimeter und eine Bi-Turboaufladung. Damit hat der BMW zwar weniger Hubraum als der Mustang aus Teil 1, mit 530 PS aber um 70 PS mehr Leistung. Die Kraft wird über eine 8-Stufen-Automatik an alle vier Räder weitergegeben, die den 2.085 Kilogramm schweren BMW in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h wuchten. Fast eine ganze Sekunde schneller als im Mustang. Und die fühlt man auch. Während der wilde Mustang die Kraft kaum auf die Straße bringt, wirkt der BMW beim Beschleunigen so souverän, als würde sich Usain Boltdie nächste Goldmedaille im Nadelstreif ersprinten. Das Fahrwerk ist dabei nie zu hart oder unbequem, sondern gibt immer hervorragendes Feedback. Gleiches gilt für die präzise Lenkung, mit der sich das 5,1 Meter lange Schiff leicht um Kurven manövrieren lässt. Gut, das ist vermutlich mehr dem Fakt geschuldet, dass der 8er BMW bereits ab der Basisversion eine Allradlenkung verbaut hat.

Trotz all den sportlichen Zügen und Kräften cruist und gleitet man im M850i lieber durch die Gegend. Dann erreicht man auch einen Verbrauch von unter 10 Litern, was für einen 530 PS V8-Boliden mit zwei Tonnen kein schlechter Wert ist.

Das kostet der schöne BMW

Wer schön sein will, muss leiden, meint ein altes Sprichwort. Im Falle des BMW M850i xDrive Gran Coupé leidet man beim Blick aufs Konto. „Glücklicherweise“ ist das Gran Coupé die günstigste Art, einen 8er BMW zu fahren. Die Preise beginnen bei 117.000. Das zweitürige Coupe kostet bei gleicher Ausstattung 119.000 Euro, trotz oder wegen der geringeren Praktikabilität. Für das Gran Coupé mit Allrad und V8, also unser Testwagen, werden mindestens 161.750 Euro fällig. Mit Extras wie Skyscraper Grau metallic Lackierung (1.212 Euro Aufpreis), adaptivem M Fahrwerk Professional (2.225 Euro Aufpreis) oder dem formidablen Bowers & Wilkins Diamond Surround Sound System (satter Bass für satte 4.488 Euro) klettert der Preis am Ende auf über 196.000 Euro. Eine Stange Geld.

Fazit

Der BMW M850i xDrive Gran Coupé ist nicht nur unglaublich fesch, sondern dank V8 auch fahrdynamisch sicherlich eines der besten Fahrzeuge, die BMW derzeit im Portfolio hat. Da kann man auch über die eher beengten Platzverhältnisse in der zweiten Reihe hinwegsehen. Beim Preis fällt das dann aber schon schwerer.

Empfohlene Artikel

Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra im Test!

Der Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra zeigt im Test, wie Verzicht geht. Ein paar Verbesserungswünsche habe ich dennoch.

von Raphael Gürth

Die 2024 BMW i7 M70 xDrive Limousine im Test!

Selten wollte ich bei einem Auto so wenig hinter dem Lenkrad sitzen, wie in der 2024 BMW i7 M70 xDrive Limousine. Woran das liegt, lest ihr im Test.

von Raphael Gürth

Der 2024 Toyota Prius Plug-in-Hybrid Advanced im Test!

Der Toyota Prius hat einen unglaublichen Wandel vollzogen. Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan könnte man fast sagen. In der fünften Generation macht der Prius vieles richtig, aber nicht alles.

von Redaktion

Der 2023 KIA Niro EV Platin im Test!

Der KIA Niro EV zeigt sich im Test mit dem Komfort und der Praktikabilität des Vormodells – aber leider auch mit dessen Technik.

von Christoph Adamek
Maximal 5 Autos für den Vergleich möglich!
0 Fahrzeug(e) im Vergleich