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Damals und heute: Peugeot 508 und 504 – mehr als Mittelklasse

Auf dieses Auto haben wir gewartet! Und mit „wir“ meine ich nicht nur Motorjournalisten oder eingefleischte Peugeot-Fans, sondern wirklich alle Leute, die auch nur ein bisschen was für Autos übrig haben! Der Peugeot 508 bringt frischen Wind in die Mittelklasse. Und „Wind“ ist noch untertrieben: der 508 ist ein Wirbelsturm und bringt modernes und spannendes Design auf die Straße. Genauso wie einst der 504, den wir gleich zum Vergleich herangezogen haben.

Der Peugeot 508 ist Automobilkunst!

„Boah! Was ist denn das?“, fragt mich der Herr, der seit kurzem um mein Auto schwirrt und ungläubig auf meinen weißen Mitteklassewagen starrt. „Der neue Peugeot 508“, entgegne ich ihm und wirke dabei wie ein Verkäufer, der ihm ein Auto andrehen will. Dieser Eindruck ändert sich auch nicht, als ich das Auto aufmache, ohne Schlüssel natürlich, und ihn bitte, auf dem schönen Ledergestühl Platz zu nehmen.

Als der Mann im mittleren Alter meiner Bitte nachkommt, klingt seine Stimme augenblicklich eine Oktave höher: „Ein Wahnsinn! Das ist ja wie in einem Raumschiff! Boah und das kleine Lenkrad. Ja Wahnsinn!“.

Ich beantworte noch kurz seine Fragen zur Leistung (180 Dieselpferdchen) und zum Preis (unser Testwagen in der GT-Line beginnt bei 45.050) und dann sprintet der Herr auch schon zu seinem ingolstädter Kombi, in dem Frau und Kind schon längere Zeit warten. Solche erstaunten Blicke und Erlebnisse hatte ich in der Testzeit mit dem 508 des Öfteren. 1968 dürfte das kaum anders gewesen sein. Hier wurde nämlich der spätere Millionenseller, die 504 Limousine, vorgestellt. Und ein Jahr später dann mit gleicher Technik aber noch schönerer Karosserie eine Cabriolet- und Coupé-Variante.

Das ist ein Peugeot Coupé?

1982 Peugeot 504 Coupé test review

In 14 Jahren Bauzeit rollten aber nur ca. 27.000 Coupés vom Band. So wie unser Fotomodell 1981 in Vert Metalise vom Band in Sochaux lief. Die Karosserie und Innenausstattung dafür wurden bei Pininfarina in Turin gefertigt und mit dem Zug angeliefert. Diese aufwändige Bauart machte das Coupé ca. 1/3 teurer als die Mittelklasse-Limousine. Dank bewährter französischer Ingenieurskunst hat das Coupé mehr als 200.000 Kilometer abgespult – inklusive einer Reise vom beschaulichen Vorarlberg in die Normandie. „Auf den bequemen Sitzen, kein Problem“, meint Besitzer Martin lächelnd. Unter der Haube, auf der in der dritten und letzten Serie keine dreistellige Modellbezeichnung mehr zu sehen ist, schlummern 106 PS, gekoppelt an eine 5-Gang-Schaltung. Das Peugeot Coupé war damals schon ein richtiger Grand Tourer und erfüllt diese Aufgabe auch heute noch. Von 0–100 geht es in ca. 12 Sekunden. Gefahren wird der 504-Zweitürer vom Besitzer nur bei südfranzösischen Temperaturen.

Und das soll auch ein Peugeot sein?

Der 508 zieht die Blicke auf sich. Auf dem Weg von Wien nach Vorarlberg drehten sich nicht nur die Köpfe nach ihm um, auch den ein oder anderen Daumen bekam ich hochgestreckt zu sehen. Für Peugeots der 00er Jahre wäre das fast undenkbar gewesen.

Auch von meinen Autotest-Kollegen gibt es einen erhobenen Daumen: Und zwar nicht nur für die bildschöne Hülle, sondern auch für das Interieur, das in dieser Klasse seinesgleichen sucht. Über das kleine Lenkrad und das i-Cockpit haben wir schon öfter berichtet und das Konzept mit dem darüber liegenden Tacho funktioniert. Egal ob im SUV 3008 oder hier im 508. Dazu erstrahlt der Innenraum in feinsten Materialien, wie sie sonst nur Premiummarken aus Deutschland verbauen. Persönliches Highlight: offenporiges Holz das sich richtig, richtig gut anfühlt. Man sitzt einfach gerne hinter dem Steuer dieses wundervollen Wagens.

Zum Reisen eignet sich der 508 hervorragend: im Kofferraum des schnittigen Viertürers verschwinden 487-1.537 Liter. Höchstens in der zweiten Reihe kann es manchmal eng werden. Der Platz im Fond ist nämlich nicht gerade üppig, zwei Erwachsene halten es auf langen Strecken dennoch bequem aus – auf jeden Fall haben sie mehr Platz als im Urahn.

Der fährt sich allerdings auch nach 38 Jahren noch richtig fein. Das Fahrwerk schluckt alle Unebenheiten und lädt zum Cruisen ein. Da könnte der 508 sogar noch etwas abschauen. Natürlich fährt der auch sehr komfortabel, aber bei weitem nicht so butterweich wie das Coupé aus den 80ern.

Dafür hat der mit seinen 180 PS deutlich mehr Kraft. In 8,3 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, eine 8-Gang-Automatik sorgt dabei für halbwegs rasche Gangwechsel. Topspeed: 235 km/h. Die Lenkung ist direkt und erlaubt schnelle Kurvenfahrten. Fahrspaß ist garantiert.

Welchen soll man nehmen?

Vergleichen kann man die beiden Löwen natürlich nicht. Der eine ist das neue Flaggschiff der Marke, der mit unzähligen Komfortfeatures, Connectivity und Assistenten auftrumpft. Der andere ist ein gediegener alter Herr, der schon 1968 als Limousine das Licht der Welt erblickte, 1969 als Coupé und Cabrio kam und dann 14 Jahre lang fast unverändert vom Band lief. Die einzig richtige Lösung: den 508 für den Alltag, den 504 für Wochenendausfahrten. In diesem Rythmus verbrauchen die beiden jede Woche gleich viel Sprit. Der 508 trinkt knapp unter sieben Liter Diesel auf 100 Kilometer, der 504 etwa 11 Liter Super.

Und wenn wir schon vom Geld reden: der 508 beginnt bei 34.150 Euro, unser Testwagen in der GT-Line beginnt mit dem 180 PS Diesel bei 45.050 und kommt mit Extras auf über 50.000. Und der Klassiker von damals? Für Besitzer Martin einfach unbezahlbar.

Fazit

Der 508 ist ein wahres Meisterwerk geworden. Das Design ist modern und futuristisch, die Fahrwerte stimmen und der Verbrauch geht in Ordnung. Die coupehafte Form schadet dem Platzangebot ein wenig. Trotzdem stellt der 508 etwas ganz neues in der Mittelklasse dar. So wie einst der 504. Wir finden: der 508 ist ein würdiger Nachfolger.

1982 Peugeot 504 Coupé 2018 Peugeot 508 test review