Lada Vesta SW Cross Luxus AMT im Test

Einen Lada sieht man auf unseren Straßen ja recht selten. Ob sich das mit dem neuen Lada Vesta ändern wird? Ich wage es zu bezweifeln. Denn auch wenn der Vesta kein schlechtes Auto ist, gibt es einige Gründe, die nicht gerade für ihn sprechen:

Baby, leih mir deinen Lada

Das hat in den 2 Testwochen mit dem Vesta leider niemand zu mir gesagt. Vielleicht auch, weil der Großteil der Bilderbuch-Fans noch nie was von der russischen Marke mit dem Wikinger-Langschiff im Logo gehört hat. Aber möglicherweise ändert sich das jetzt, nachdem die Groupe Renault ihren Anteil an AvtoVAZ, der Dachmarke, die Lada produziert, aufgestockt hat und jetzt den europäischen Markt stärker bedienen will.
Aber sehen wir uns mal das Auto an, mit dem das gelingen soll.

Der Lada Vesta sieht von außen nicht schlecht aus. Am ehesten ist er mit einem Dacia Logan MCV zu vergleichen. Er bietet vorne und hinten mehr als genug Platz und obendrein noch einen großen Kofferraum mit 480 Litern Fassungsvermögen. Das Volumen bei umgeklappten Sitzen gibt der Hersteller leider nicht an. Bis zur Fensterkante sind es bei umgeklappten Sitzen, laut Autobild, etwa 825 Liter. Einen Maximalwert gibt Lada nicht an.
Der Innenraum wird von jeder Menge Hartplastik mit verschiedenen Veredelungen dominiert. Die Zierelemente sind nicht besonders hübsch und die Sitze vom Komfort her eher untere Mittelklasse. Für kurze Strecken fährt man aber sogar zu fünft recht komfortabel. Auch auf der Autobahn, wo der Lada Vesta ein ausgeglichenes Fahrverhalten an den Tag legt.

Im Lada Vesta arbeitet ein 1,6 Liter Benziner mit 106 PS

Angetrieben wird der Lada Vesta SW Cross von einem 1,6 Liter Benziner mit 106 PS und 148 Nm maximalem Drehmoment. Die Leistungsentfaltung ist linear und hat ihren Peak bei 5.800 Touren. Das merkt man auch beim Fahren, denn der Motor im Vesta will auf Drehzahl gehalten werden, sonst schaltet das automatisierte Schaltgetriebe einfach mal einen Gang zurück. Der Verbrauch hat sich bei 8,3 Litern Super auf 100 Kilometer eingependelt. Was für die gebotene Leistung einfach zu viel ist.
Funfact: Der Lada Vesta könnte auch mit ROZ 92 betrieben werden. Wohl ein Erkennungszeichen seiner russischen Herkunft.

Nochmal zurück zum Getriebe: An diesem Herzstück des Lada haben wohl Lord Voldemort, Sauron, Darth Vader und noch andere böse Superhelden gebastelt. Es ist ein auffallend träges, automatisiertes 5-Gang-Schaltgetriebe, mit unendlich langen Schaltvorgängen. Besonders schlimm wird es beim Zurückschalten auf der Autobahn. Hier verliert man spürbar an Geschwindigkeit bevor der Lada Vesta wieder beschleunigt. Überhaupt hat man das Gefühl, dass der Einfluss auf den Motor durch das Getriebe deutlich einschränkt wird. Irgendwann lernt man zwar damit umzugehen und den Gasfuß richtig zu dosieren, Spaß macht es dennoch nicht. Einen offiziellen Wert für den Sprint auf 100 km/h gibt es für das Modell mit „Automatik“ nicht. Der Handschalter braucht 12,6 Sekunden – unser Testfahrzeug war bestimmt nicht schneller.
Dazu kommt noch, dass er Automatikhebel nirgends arretieren kann. Leichtes Ankommen reicht schon, um den Hebel auf N zu schieben und das Getriebe vom Motor zu Trennen.

Infotainment mit kyrilischer Tastatur

Der Lada Vesta hatte aber noch weitere Überraschungen parat. Zum Beispiel das (im Nachtmodus und auf schwächster Stufe) unglaublich helle Display des Infotainmentsystems, über das man mit viel Geduld wahlweise über eine kyrillische oder lateinische Tastatur einen Zielort eingeben konnte. Immerhin, denn die Uhr konnten wir gar nicht verstellen. Überraschen konnte dafür die Rückfahrkamera. Sie lieferte beinahe ohne Verzögerung ein scharfes Bild, selbst bei schlechtem Licht.

Und der Preis?

Das ist nämlich der Knackpunkt. Unser Testwagen mit automatisiertem Schaltgetriebe in der höchsten Ausstattung „Luxus“ kostet 19.250 Euro. Da bekommt man anderswo bereits Fahrzeuge, die weniger Ecken und Kanten haben, bei denen man einfach weniger Kompromisse eingehen muss. Die 12 % NoVa sind da auch nicht gerade hilfreich. Ohne die Vollausstattung und die Automatik beginnt der Vesta bei 16.990 Euro.

Fazit:

Der Lada Vesta ist kein schlechtes Auto. Aber eines, das dem Fahrer bei Bedienung, Komfort und Verbrauch Kompromisse abverlangt. Für knapp 20.000 Euro wird man mit anderen Autos in den meisten Fällen mehr Freude haben. Immerhin: Wenn man auf die infernale Automatik verzichtet, kostet der Vesta SW Cross maximal 18.490 Euro.