Polestar 3: Auf 800 Volt gehoben!
Volvo hat es getan und Polestar zieht nun ebenfalls nach. Sie stellen ihre Modelle von 400 auf 800 Volt Batteriearchitektur um. Mitten im Lebenszyklus. So geht Weiterentwicklung! Erstes Modell der Schwedisch-Chinesischen Marke: Der für Europa in Amerika produzierte Polestar 3.Polestar 3: Updates rein, Preis runter?
Vor ziemlich genau einem Jahr durfte ich in der Lüneburger Heide den Polestar Polestar 3 (ja, so die richtige Marken- und Modellbezeichnung) mit Heckantrieb fahren. Der kam da gerade neu ins Modellportfolio, drückte den Preis um gewaltige 7.000 Euro, weil er auf den Motor an der Vorderachse sowie das Luftfahrwerk und das Torque Vectoring an der Hinterachse verzichtete und wurde so für ein größeres Publikum attraktiver. Und weil dadurch auch fast 180 Kilogramm aus dem 4,9-Meter-SUV flogen, fuhr sich der Hecktriebler – meiner Aussage von Juli 2025 nach – deutlich agiler als der Allradler. Für 2027 verpasst die schwedische Marke mit der chinesischen Mutter (Geely) dem Polestar 3 nun die Updates, die ich mir schon damals gewünscht habe – 800 Volt und eine kleinere Batterie.
350 statt 250 kW max. DC-Ladeleistung!
Der Vorteil der höheren Batteriespannung: Bei gleicher Stromstärke, kann deutlich mehr Leistung übertragen werden. Statt der bisherigen 250 kW, sind nun bis zu 350 kW am entsprechenden Gleichstrom-Schnelllader möglich. Das führt zu kürzeren Ladezeiten. Im Falle des Polestar 3 verringert sich die Ladedauer für den Hub von 10 auf 80 Prozent von 30 auf 22 Minuten. Damit liegt er nun auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Apropos: Wer ist denn eigentlich die Konkurrenz des E-Segment-SUV:
- XPeng G9
- BMW iX
- BYD Tang
- KIA EV9
- Volvo EX90
- Lotus Eletre
- Mercedes-Benz EQS SUV
Um die maximale Ladeleistung zu erzielen, empfiehlt sich die Routenführung zu einer Ladestation. Denn dann wird die Batterie nun auch automatisch auf die optimale Temperatur gebracht. Ein manuelles Aktivieren der Vorkonditionierung wird zu einem späteren Zeitpunkt über die Smartphone-App möglich werden.
92 oder 106 kWh Batteriekapazität
Weil weniger Module verbaut werden und diese anders verschaltet sind, werden aus den bisherigen 111 kWh Bruttokapazität nun 106 kWh. Dadurch sinkt das Gewicht bei den Allradmodellen um fast 40 Kilogramm. Die prismatischen NMC-Batteriezellen liefert nach wie vor CATL zu. Noch drastischer fällt der Gewichtsverlust beim Hecktriebler aus. Weil dieser nun statt der großen Batterie mit einem 92-kWh-Akkumulator (90 kWh netto) bestückt wird, sind es hier sogar 70 Kilogramm Gewichtsvorteil des neuen gegenüber dem aktuellen Modell. Das hilft dabei den innerstädtischen Verbrauch zu senken und einen schlankeren Fuß hinsichtlich der Umwelt zu machen.
Auf dem Papier gehen beim Hecktriebler dennoch mehr als 100 Kilometer Reichweite flöten. Statt der maximalen 706 WLTP-Kilometer, stehen nun nur noch 603 Kilometer im Datenblatt. Auf der Autobahn dürften damit rund 350 Kilometer machbar sein. Dank eben jetzt schnellerer Ladezeiten kein allzu großer Einschnitt.
Bei den Allradlern sieht es hingegen anders aus. Denn, obwohl die nutzbare Batteriekapazität von 107 auf 103 kWh sinkt, steigen die Reichweiten wie folgt:
| Polestar Polestar 3 | Batteriekapazität (brutto/netto) in kWh (alt) | Batteriekapazität (brutto/netto) in kWh (neu) | WLTP-Reichweite in km (alt) | WLTP-Reichweite in km (neu) | WLTP-Verbrauch in kWh/100 km (alt) | WLTP-Verbrauch (neu) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Rear Motor | 111/107 | 92/90 | 706 | 603 | 17,6–20,3 | 17,7–21,6 |
| Dual Motor | 111/107 | 106/103 | 636 | 647 | 19,6–21,8 | 19,0–23,1 |
| Performance | 111/107 | 106/103 | 567 | 601 | 21,9–23,0 | 20,5–23,1 |
Der Grund: Es werden effizientere Motoren verbaut und an der Vorderachse überhaupt gleich eine andere Motortype. Statt der bisherigen permanenterregten Synchronmaschine, die fortwährend bestromt werden muss, um Schleppverluste zu vermeiden, kommt nun eine fremderregte Asynchronmaschine zum Einsatz. Diese hat den Vorteil, dass sie „leer“ mitlaufen kann und dabei nur geringe Verluste erzeugt. Wird sie benötigt – bei Schupf zum Beispiel oder starkem Beschleunigen sowie Rekuperieren – kann sie in Bruchteilen von Sekunden einfach hinzugeholt werden. Das spart Energie und ermöglich somit größere Reichweiten.
So fährt sich der Polestar 3
Damit fährt sich der Polestar 3 wie jedes andere Premium-SUV – ohne dies negativ zu bewerten. Bislang war das TVDC-System (Torque Vectoring Dual Clutch) von BorgWarner bei den Allradlern an Bord, das über zwei Kupplungen an der Hinterachse die Kraft verteilte und unerwartete Kurventempi möglich machte. Weil aber wohl die wenigsten mit einem 2,5-Tonnen-SUV auf die Landstraße heizen gehen, fliegt das System mit beim 2027er Polestar 3 raus. Sportlich ist er dennoch, keine Sorge. Ist jetzt generell hecklastiger ausgelegt und macht mit ESP-Sport nicht minder Spaß. Und ich bin bloß die „normale“ Dual Motor-Variante mit 544 PS gefahren. Es gäbe da auch noch die Performance-Variante mit 680 PS, die in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sprintet. Das muss ein völlig absurdes Gefühl sein.
| Polestar Polestar 3 | Leistung in kW/PS | Drehmoment in Nm | 0–100 km/h in s | Höchstgeschw. in km/h |
|---|---|---|---|---|
| Rear Motor | 245/333 | 480 | 6,5 | 210 |
| Dual Motor | 400/544 | 740 | 4,7 | 230 |
| Performance | 500/680 | 870 | 3,9 | 230 |
So viel kostete es Polestar 3 zu fahren!
Günstiger ist der Polestar Polestar 3 leider nicht geworden. Obwohl die Batterie das Teuerste am gesamten Elektrofahrzeug ist und davon nun 19 kWh weniger verbaut werden, kostet der Polestar 3 Rear Motor in Österreich weiterhin knapp unter 80.000 Euro. Unverständlich. Die beiden Allradvarianten starten bei 86.900 Euro respektive 103.400 Euro. Die motorbezogenen Versicherungssteuern belaufen sich auf folgende Werte:
| Polestar Polestar 3 | Leergewicht in kg | 30-min. Leistung in kW | Motorbezogene Versicherungssteuer in EUR/Jahr |
|---|---|---|---|
| Rear Motor | 2.315 | 140 | 857,10 |
| Dual Motor | 2.490 | 230 | 1.437,60 |
| Performance | 2.525 | 230 | 1.456,50 |
Fazit
Das Update tut dem Polestar Polestar 3 richtig gut. Schnellere Ladezeiten sind mittlerweile mehr Verkaufsargument denn große Reichweiten. Schade, dass er durch die kleinere Batterie nicht auch günstiger geworden ist. Immerhin wurde die Garantie von zwei auf drei Jahre (bis max. 100.000 km) angehoben. Zudem ist der Prozessor des Infotainmentsystems ums 8-fache schneller geworden (Chapeau: dieses Update gibt es auch kostenfrei für „alte“ Polestar 3-Modelle!) und nun ist auch Googles KI Gemini an Bord.
Wer ein sportlich ausgelegtes, großes Premium-SUV sucht, sollte eine Probefahrt mit dem schicken Schweden-Stromer aus Amerika jedenfalls nicht scheuen.
