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Rallye Dakar: Die härteste Dakar seit Jahren!

Das sagt nicht irgendwer – das sagen alle. Ein Zwischenfazit vom Ruhetag in La Paz.

Die Brutalität der Rallye Dakar!

Marc Coma war einer der erfolgreichsten und schnellsten Motorradfahrer, die die Rallye Dakar jemals gesehen hat. Fünf Mal hat er die Gesamtwertung gewonnen, und wäre nicht ausgerechnet der findige Franzose Cyril Despres jahrelang sein großer Gegner gewesen, der mit einer Mischung aus genialem Navigationsgefühl und Material schonender Fahrweise dagegenhielt, es wären noch viel mehr Titel gewesen.

Seit diesem Jahr ist Coma Streckenchef, und er sucht die Strecken nach seinem Geschmack. Hart muss es sein, sandig, mit Dünengebirgen bis zum Horizont. Das taugt auch den TV-Sendern, die mit bis zu 10 Hubschraubern alle Dramen festhalten, die sich da abspielen und sie abends in feine Häppchen verpackt ans heimatliche Sofa liefern.

Überblick bewahren

Draußen, vor Ort in Südamerika, in Sandsturm, Staub und Erschöpfung, ist gar nichts mehr verpackt. Da sind alle bloß noch geliefert, und trotz des massiven Medienaufgebots ist es schwer, die Übersicht zu behalten.

Der Veranstalter spricht von 1.400 akkreditierten Journalisten, aber da sind wohl die einheimischen Blätter, die nur zu einer einzigen Etappe kommen, mitsamt ihren Familien mitgezählt.

Das Gebiet ist zu groß, der Tag zu lang, das Biwak – meist auf einem Flugfeld – zu riesig, als dass man da tatsächlich den Überblick behalten könnte. Dazu kommt das gute alte Spiel „Stille Post“ wo der eine etwas hört, der nächste etwas gehört hat und von Station zu Station weiter entfernt ist von dem was wirklich passiert ist.

Fake News abwehren

Irgendwer schreibt das dann, und dann ist es auch schon im Internet und wird zur Wahrheit – die allerdings mit der Wahrheit nichts mehr zu tun hat. Fake News scheinen allenthalben zu genügen, manchmal selbst Profis.

Die Pressedame eines mit gar nicht so wenigen Fahrzeugen angetretenen Teams verlautbarte nach dem Überschlag ihres Spitzenfahrers, dass er okay sei, allerdings sei der Beifahrer eventuell angeschlagen. Wahr war hingegen, dass der Beifahrer das Auto aus der Special Stage rausgefahren hatte, der Pilot hingegen mit dem Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung mit dem Helikopter geborgen worden war.

Oder der Fall Sunderland: Der Titelverteidiger bei den Motorrädern war nicht gestürzt, bevor er ausgeschieden ist. Er hatte bloß ein Loch so heftig getroffen, dass die Bandscheiben so schlimm gestaucht wurden, dass er kein Gefühl in den Beinen mehr hatte und aufgeben musste. Menschen, die einen ernsten Bandscheibenvorfall hatten, kennen das Gefühl.

Sandschlacht

Es waren diese unvorhersehbaren Löcher, diese Abbrüche in den Dünen und der extrem weiche Sand, die die erste Woche der Rallye Dakar 2018 zum Horror für Amateure, aber auch Profis werden ließ. Weicher Sand heißt: Du musst volle Mutti raufbrettern, sonst bleibst du stecken. Blöd nur, wenn auf der anderen Seite dann ein Abbruch ist – oder aber ein Konkurrent, der aus der Gegenrichtung auf der Suche nach demselben Wegpunkt ist wie du. Ohne den nämlich getroffen zu haben, kannst du nicht weiterfahren ohne disqualifiziert zu werden.

Prominente Ausfälle

Wer heute noch gut war, ist morgen schon am Sand. Nasser Al-Attiyah, Wüstenfuchs und mit seinem Toyota Hilux haushoher Favorit in den Dünen: Stundenlang verschüttet. Cyril Despres im Werks-Peugeot, Geheimfavorit: Einen Stein übersehen, rechte Hinterachse ausgerissen, nach Stunden vom Servicetruck gerettet. Um 1 Uhr morgens strandete das Auto im Biwak, um 4 Uhr erfolgte der Start zur nächsten Etappe – mit repariertem Auto. Viel geschlafen werden die Mechaniker in dieser Nacht nicht haben. Oder Sébastien Loeb: Einen Tag nach einem gloriosen Etappensieg übersieht auch er ein Loch und schlägt so hart ein, dass Beifahrer Daniel Elena vor Schmerzen nicht mehr kann.

Vom Bauchnabel bis auf 4.000 Meter

Und das sind nur die prominenten Missgeschicke, jene der absolut besten Piloten. Wie es hinten zugeht, das kann sich nur Dante ausgedacht haben. Zusammenstöße, ausgebrannte Autos, eingegraben bis zum Bauchnabel, und bei den Motorrädern Stürze en masse zusätzlich zur ganz normalen Erschöpfung. Der Versuch eines Vergleichs: Du fährst das Erzberg-Rodeo, aber nicht nur den Prolog sondern auch das Hare Scramble, und wenn du endlich am Ziel bist, fix und fertig und nur noch sterben willst, musst du noch schnell vom Erzberg nach Bregenz fahren, weil da das nächste Biwak steht. Weniger als 500 Kilometer fährst du eigentlich an kaum einem Tag.

Und damit die Sache nicht zu einfach wird, turnst du innerhalb von zwei Tagen von Meeresniveau auf 4.000 Meter Seehöhe rauf. Der Dienstag war noch heiß, trocken und staubig, am Freitag beschlägt die Innenwand des Zeltes bei einer Nacht-Temperatur von einem Grad.

Keiner hatte gesagt, dass es leicht werden würde. Doch wie schwer es werden würde, das haben nur die wenigsten geahnt.

Sainz in Führung

Es führt Carlos Sainz auf Peugeot – mit 55 Jahren hat der doppelte Rallye-WM-Sieger und Vater des aktuellen Formel-1-Piloten genügend Erfahrung, um es gerade so schnell anzugehen, um Fehler zu vermeiden und trotzdem schneller zu sein als der Rest.

Copyright: Werner Jessner.