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Der 2020 Mercedes-Benz B 200 im Test!

„Hallo Mercedes“ öffnet nun auch bei der B-Klasse die Tür zu einer ziemlich brauchbaren Sprachsteuerung. Aber auch abseits der Elektronik weiß der kleine Van, pardon: Sports Tourer, mit guten Manieren zu überzeugen.

Mercedes-Benz B 200: Gute Manieren!

Gute Manieren sind ein Dauerbrenner. Egal, ob bei Knigge im 18. oder bei Mercedes im 21. Jahrhundert. Das zeigt sich bei der neuen B-Klasse in einigen raffinierten Details, auf die ich weiter untern noch eingehen werde. Aber auch sonst haben sich die Ingenieure aus Stuttgart beim kleinen Benz einiges überlegt. Zum Beispiel um die Gemütlichkeit und Variabilität des kleinen Vans beizubehalten und gleichzeitig bei Design und Infotainment so nachzuschärfen, dass das Auto auch für die Generation unter 50 interessant wird.

Außen sieht man das an der abgesenkten Dachlinie, schlankeren Fenstersäulen, flacheren Rückleuchten und dem sportlichen Doppelrohr. Klar, man sitzt immer noch neun Zentimeter höher als in der A-Klasse, aber das kommt dafür der Rundumsicht zugute. So sportlich wie der kleine Bruder will die 4,53 Meter lange B-Klasse auch nicht sein.

Stattdessen bietet sie innen in beiden Reihen ausgezeichnete Kopf- und Beinfreiheit. Der Kofferraum ist mit 455 Litern Fassungsvermögen zwar knapp 50 Liter kleiner als beim Vormodell. Legt man die Rücksitze, die sich im Verhältnis 2:1:2 umlegen lassen, jedoch um, erhält man 1.540 Liter Stauraum. Und damit fast 90 Liter mehr als bisher. Damit liegt die B-Klasse in bisschen über BMWs kleinerem Active Tourer (400–1.510 Liter) und deutlich unter dem etwa gleich langen, aber höheren Gran Tourer (645–1.905 Liter).

Zuvorkommende Bordelektronik

Ihre echten Vorzüge kann die B-Klasse aber vor allem bei der Fahrt ausspielen. Während man auf dem recht sportlich geschnittenen – und in diesem Fall manuell verstellbaren – Ledergestühl sitzt, kümmert sich die Bordelektronik um das Wohlbefinden. Zumindest in der ersten Reihe. „Hallo Mercedes: mir ist kalt“, reicht aus, damit das System die Klimaanlage ein paar Grad wärmer dreht. Durch den Verbau von mehreren Mikrofonen im Fahrzeug wird sogar erkannt, woher dieser Befehl stammt und die Temperatur nur einseitig gesteigert. Aber gut, dass kennen wir schon von BMW. Um besonders zuvorkommend zu sein, dreht der Stuttgarter auch noch die Lüftung schwächer, wenn ein Anruf reinkommt. Das fühlt sich an, als hätte man einen Butler, der sich nur um den eigenen Komfort bemüht. Und bei der Navigation wird auf Augmented Reality gesetzt, damit man wirklich bei der richtigen Abzweigung abfährt.

Und wer gerade keine Navigation braucht, kann sich auf den beiden 10,25 Zoll Displays (+470 €) und dem optionalen Head-up-Display (+1.035 €) viele weitere Informationen in unterschiedlichen Designs anzeigen lassen. Oder beim Einparken die Umgebung, dank verzögerungsfrei wiedergebender Rückfahrkamera.

Allerdings gibt es auch ein paar Minuspunkte.

Ich fand das Ambiente-Licht ab 50 % der Leistung viel zu hell. Zwar ist es eine nette Spielerei, dass man aus 64 Farben und noch ein paar abgestimmten Kombinationen und Effekten wählen kann. Nachts spiegeln sich die Lichter aber so stark in den Fensterscheiben, dass man nichts mehr in den Seitenspiegeln erkennen kann. 30 Prozent der Leuchtkraft als maximale Einstellung (während der Fahrt) wäre hier genug.
Kein Abstands-Assistent beim Tempomat. Auch wenn mein Kollege Raphael bei jedem Auto versucht diesen Assistenten zu deaktivieren, weiß ich ihn beim Fahren auf der Autobahn sehr zu schätzen. Die getestete B-Klasse konnte jedoch vorausfahrende Fahrzeuge erkennen und auf dem Display anzeigen. Ohne Aufpreis von 625 Euro muss man dennoch selbstständig bremsen.
Apropos bremsen: Der aktive Spurhalte-Assistent im Mercedes-Benz B 200 arbeitet nicht per Lenkeingriff, sondern über eine einseitige Bremsung. Das fühlt sich mitunter sehr unangenehm an.
Letzter Punkt: Die Soundanlage. Das optionale Advanced Soundsystem mit zehn Lautsprechern und 225 Watt Systemleistung (+260 €) enttäuschte mich mit überbetonten Höhen und wenig Bass. Ohne es getestet zu haben, würde ich jedenfalls das Burmester Surround-System (+435 €) empfehlen. Das gibt es zwar immer noch keine Steuerungselemente, um direkt Lieder weiterzuschalten, aber vielleicht so feinen Klang wie damals in der E- oder S-Klasse.

Wie fährt sich die B-Klasse?

Wie schon gesagt, wurde uns zum Test ein B 200 mit optionalem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (+1.835 €) zur Verfügung gestellt. Unter der Haube arbeitet ein gemeinsam mit Renault entwickelter 1,33-Liter Vierzylinder Benziner mit Abgasturbolader und Zylinderabschaltung. Er leistet 163 PS und leitet maximal 250 Nm Drehmoment an die Vorderachse. So wird mit der B-Klasse ein zügiger Sprint von 8,2 Sekunden auf 100 km/h möglich. Schluss ist bei 223 km/h. Den angegebenen Verbrauch von 6–6,9 Litern verpasste ich um knapp zwei Liter. 7,5–8,5 Liter sind jedoch realistisch.
Beim Beschleunigen zeigt der Motor seine Muskeln bzw. hört man den Motor auch mal. Er hängt gut am Gas und beschleunigt kraftvoll von unten raus. Sonst bleibt es bei der Fahrt im B 200 stets angenehm leise. Das Fahrwerk ist ganz klar auf der weichen Seite – schließlich will man ja höflich bleiben – dennoch wankt die B-Klasse in Kurven erstaunlich wenig.

2020 Mercedes-Benz B200

Und der Preis?

Mindestens 31.390 Euro müssen für den B 200, laut Liste, bezahlt werden. 48.450 Euro sind es für den Testwagen. Die zwei größten Kostenpunkte sind dabei die AMG Line (+4.030 €), das Premium Plus Paket (+4.910 €) und das oben bereits erwähnte 7-Gang-DCT (+1.835 €).
Die richtige Konfiguration für ein Fahrzeug zu finden, ist nie ganz einfach. Für mich wären jedenfalls Head-up-Display, Abstandsradar und Burmester-Anlage noch ein Muss bei diesem Fahrzeug. Dennoch zeigt dieser Testwagen gut, dass man nicht immer jedes Kreuz auf der Aufpreisliste machen muss, um ein gut ausgestattetes Fahrzeug zu bekommen, das bereits so einiges an Luxus mitbringt.

Fazit

Der Mercedes-Benz B 200 ist ein Fahrzeug, mit dem ich sofort in den Alltag starten möchte. Praktikabilität, Fahrleistungen, Connectivity und Luxus-Feeling sind auf einem sehr hohen Level. Ein bisschen mehr Fahrassistenz wäre zeitgemäß. Größter Minuspunkt ist die Performance des Advanced Sound Systems. In der Vergangenheit haben Mercedes-Benz und Burmester doch gezeigt, dass sie das können.

Christoph Adamek
Christoph Adamek Auto, Motorrad, Fotografie und Technik - und nirgends volle Punktezahl
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