Der 2025 BMW iX M70 xDrive im Test!
Wie sinnvoll ist die Neuanschaffung eines BMW iX, wenn der eine Spur kleinere iX3 mit weit neuerer Technik vorfährt? Dennoch hat sich das 659 PS starke Topmodell BMW iX M70 xDrive einen ausführlichen Testbericht verdient, ist er doch in fünf, sechs Jahren als Gebrauchter vermutlich für die Hälfte des aktuellen Neuwerts erhältlich.BMW iX M70 xDrive: Ist neu wirklich immer besser?
„Neu ist immer besser!“, wusste Barney Stinson aus How I Met Your Mother schon vor mehr als zehn Jahren zu proklamieren. Doch im Falle des im letzten Jahr einem „Life Cycle Impulse“, also einer Modellpflege, unterzogenen iX, ganz besonders des BMW iX M70 xDrive, stimmt das wohl nur für sich allein betrachtet. Denn weil die Bajuwaren parallel gerade den iX3 launchen, sieht der iX daneben richtig alt aus. Neu ist eben immer besser.
Der neue BMW iX3 kostet zig Tausender weniger, fährt am Prüfstand mit ähnlich großer Batterie 100 Kilometer weiter, lädt fast doppelt so schnell nach (21 zu 35 min./10–80 %) und hat auch noch den größeren Kofferraum (520 zu 500 l; +58 l Frunk zu keinem Frunk im iX) obwohl 18,3 Zentimeter kürzer, und darf ebenfalls bis zu 2.500 kg schwere Anhänger ziehen. Was also spricht dann noch für das Elektro-Flaggschiff? Zugegeben: recht wenig. Zumindest vorerst. In ein paar Jahren könnte dies anders aussehen. Denn wenn der iX dann als Gebrauchter gehandelt wird, dann sicherlich mit größerem Abschlag als der technisch neuere iX3. Dieser Testbericht wird also wohl mit der Zeit relevanter.
Die Eckdaten
Es sind oftmals genau die Dinge, die am meisten Spaß machen, die leider wenig sinnvoll sind. Während andere Varianten mit hervorragenden WLTP-Reichweiten von bis zu 701 km (iX xDrive60) um die Ecke fahren, glänzt iX M70 xDrive mit 659 PS, 1.100 Nm Drehmoment und flinken 3,8 s/0–100 km/h. Brutal für ein 2,6 Tonnen SAV (Sports Activity Vehicle) mit 4,97 Meter Außenlänge und 1,97 Meter Breite.
Erstaunlich, dass er im Winter mit 255er Bereifung rundherum auskommt – für 5.500 Euro extra (21 Zoll Winterkomplettradsatz). Im Sommer sind’s beim M70 dann serienmäßig 22-Zöller mit 275er Bereifung. Die aufgezogenen Goodyear UltraGrip Performance+ Winterreifen versprechen jedenfalls eine Kraftstoffeffizienzklasse B.
Für die dynamische Reichweitenberechnung im Konfigurator werden diese nicht miteinbezogen. 600 Kilometer sind es jedenfalls, die der BMW iX M70 xDrive auf dem Rollenprüfstand im genormten Zyklus (WLTP) zurücklegen kann. Mehr geht beim stärksten iX nicht. 20,6 kWh/100 km sind der zertifizierte Verbrauch, also inkl. Ladeverluste bei AC-Ladung. AC kann er mit maximal 32 Ampere aka 22 kW nachladen. Bis seine 108,9 kWh Nettokapazität aufgefüllt sind, dauert es also etwa 5,5 Stunden. An der 11 kW-Wallbox dementsprechend etwa doppelt so lange. Am DC-Schnelllader sind es laut Datenblatt 35 Minuten von 10 auf 80 Prozent und somit leider kein Vorzeigewert für ein 2025er Auto. Im Test hält er die maximalen 194 kW (195 kW stehen im Datenblatt) über weite Strecken und schafft das Nachladen schlussendlich in 34 Minuten.


Reale Reichweite des BMW iX M70 xDrive?
Weil der gemittelte Autobahnverbrauch bei 130 km/h nach GPS bei 29 kWh auf 100 Kilometer liegt, sind immerhin etwa 370 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung möglich. Wohlgemerkt mit Winterreifen bei Temperaturen von um oder unter dem Gefrierpunkt. Das mag einen nicht sonderlich vom Hocker reißen, doch im Vergleich zum 2022 BMW iX xDrive40, der, ebenfalls auf 21-Zöllern, bei +10 °C Außentemperatur, 28 kWh/100 km verbraucht hat, oder einem ähnlich großen KIA EV9, der auf der Autobahn mehr als 30 kWh/100 km braucht, ein vertretbarer Wert. Wobei ich hier dazusagen muss, dass, während der EV9 in der Stadt mit etwas über 20 kWh/100 km zu bewegen ist, der BMW iX M70 xDrive hier nur mit Zurückhaltung unter 30 kWh/100 km bleibt. Unterm Strich lässt sich sagen, dass der iX im Betrieb ordentlich Geld schluckt – eine Firmenladekarte oder günstiger Heimstrom sind hier klar von Vorteil.
OK, also alles schlecht am BMW iX?
Bei Weitem nicht, sogar im Gegenteil. Als Auto betrachtet, ist er BMW-typisch eine Fahrmaschine. Kann vor Kraft kaum laufen, kaschiert seine Pfunde (2.580 kg nach DIN) dank Allradlenkung gekonnt, beherrscht aber auch das gemütliche Dahingleiten. Zwar wäre der Abrollkomofort mit 20 Zöllern sicherlich nochmal eine Spur sanfter, doch das Luftfahrwerk ist schon ein willkommenes Zuckerl. Bis zum heimischen Autobahntempolimit hält sich auch der Geräuschpegel zurück. Darüber würden doppelt verglaste Seitenscheiben guttun, auf die wohl des Gewichts wegen verzichtet wurde. Apropos Gewicht: Die Motorbezogene Versicherungssteuer beläuft sich auf 1054,20 Euro jährlich.
Das Raumgefühl – mit dem geschwungenen Armaturenbrett und der schieren Innenraumgröße – lädt zum Verweilen ein. Wenngleich mir das mit Stoff ausstaffierte Interieur des iX xDrive40-Testwagens von 2022 noch mehr zusagt. Dazu das grandios klingende Bowers & Wilkins BMW Diamond Surround Sound System mit 30 Lautsprechern und Excitern in den Vordersitzen.
Kosten und Konkurrenz
Los geht’s beim iX grundsätzlich schon ab 82.950 Euro für den xDrive45 – Stand: 02/2026. Dafür gibt’s 408 PS und eine Reichweite von bis zu 602 Kilometern. Die größere Batterie – 109,1 statt 94,8 kWh – gibt’s im xDrive60 für 99.950 Euro und dann, wie eingangs schon erwähnt, bis zu 701 km Reichweite nach WLTP. Das hier getestete Topmodell, der BMW iX M70 xDrive, startet bei 124.950 Euro, und bietet bis zu 600 Kilometer Reichweite aus 108,9 kWh Batteriekapazität. Der ähnlich große KIA EV9 – ein Siebensitzer-SUV – startet mit Heckantrieb bei 69.990 Euro (99,8 kWh; 563 km nach WLTP), mit Allradantrieb und 521 km Reichweite nach WLTP bei 81.490 Euro. Das sportlichste Modell, den KIA EV9 GT, gibt’s derzeit ab 93.490 Euro (4,6 s/0–100 km/h; 24 min./10–80 %; 510 km). Das noch größere Mercedes-Benz EQS SUV startet als 450+ mit Heckantrieb und 692 km Reichweite bei 123.960 Euro und das Sechssitzer-SUV Volvo EX90 gibt’s mit 573 Kilometer Reichweite ab 84.700 Euro.
Mein Fazit zum BMW iX M70 xDrive
Der BMW iX M70 xDrive mag angesichts der raschen E-Auto-Entwicklung vielleicht aus der Mode gefallen sein. Doch Trends kommen zurück und so bin ich fest davon überzeugt, dass der iX in ein paar Jahren zum Gebrauchtwagenschnäppchen wird. Denn ein schlechtes Auto ist und war der iX nie.


