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BMW 218i Gran Coupé im Test!

Mit dem 2er Gran Coupé füllt BMW nun auch noch die Lücke der viertürigen Kleinwagen-Coupés – und macht dabei viel richtig, aber nicht alles perfekt.

BMW 218i Gran Coupé: Großer Auftritt, wenig Platz

Begonnen hat alles 2004, mit dem Mercedes-Benz CLS. Das erste viertürige Coupé in den 2000ern ebnete den Weg für eine komplette Fahrzeuggattung. Und während es vor 10 Jahren noch hauptsächlich Luxusfahrzeuge waren, gibt es die viertürigen Coupés mittlerweile auch in der Golfklasse: Hyundai i30 Fastback, Mercedes-Benz CLA und nun auch das BMW 2er Gran Coupé. Das Ziel: Mehr Sportlichkeit, ohne dabei unpraktisch oder zu groß zu werden. Aber das hat Raphael bereits bei der Fahrvorstellung im Februar 2020 berichtet.

Die auffällige Form des 2ers mit Pürzel und coupéhafter Dachlinie weiß Köpfe zu verdrehen. Waren die Meinungen im Bekanntenkreis zum Aussehen des Gran Coupés zu Beginn noch eher negativ, besserten sich die Kommentare gefühlt mit jedem Tag. Für 4,53 Meter kommt der 2er jedenfalls verdammt bullig rüber. Das liegt insbesondere an den großen Nieren und der dreidimensional wirkenden Frontschürze.

Die inneren Werte

Im Innenraum geht es nicht ganz so großzügig zu. In der ersten Reihe nimmt man auf den (wie immer) ausgezeichneten Sportsitzen Platz und hat mehr Freiraum als zum Beispiel im kürzlich getesteten Mercedes-Benz CLA. Jedoch gibt es im Fußraum einige Schrägen, die ein angenehmes Abstellen der Füße abseits der Pedale beinahe unmöglich machen.
Im Fond hat man deutlich weniger Platz. Dabei liegt das Problem weniger bei der Bein- als bei der Kopffreiheit. Ab etwa 1,80 Meter Körpergröße berührt man den Dachhimmel mit dem Kopf. Das ist nur für sehr kurze Strecken akzeptabel.
Der nur durch eine Feder automatisch öffnende Kofferraum (immer wieder schön zu sehen, dass das auch ohne einen Elektromotor möglich ist) bietet 430 Liter Volumen. Für längeres Ladegut kann man per Hebel die Rücksitze umlegen und erhält eine Durchlademöglichkeit.

Let me infotain you

Das aktuelle BMW Cockpit kennen wir bereits aus dem 1er (und allen anderen neuen BMWs). Über die geringen Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen könnte man sich ärgern, über die ausgezeichnete Bedienung jedenfalls nicht. Auf zwei großen Displays findet man schnell alle Informationen, die man sucht. Die Bedienung des iDrive wird immer leicht verbessert und die Knöpfe für das Radio, die auf Berührung den gespeicherten Sender zeigen und erst auf Druck wechseln ist überhaupt großartig.
Die Sprachsteuerung funktioniert Großteils gut, hat jedoch manchmal Schwierigkeiten direkt in Untermenüs zu navigieren. Das Aufrufen des Menüs für das Head-up-Display ist mir nicht gelungen.
Auch die induktive Ladeschale mit neuer Halterung verdient eine Erwähnung. Hier bleibt das Handy in Griffweite, ohne in Kurven herumzurutschen.

Bei so viel Lob auf die durchdachte Elektronik im 2er schmerzt mich ein Punkt aber umso mehr: Die Soundanlage. Standardmäßig ist im 2er Gran Coupé das „Soundsystem Stereo“ mit sechs (ich vermute koaxial) Lautsprechern und 100 Watt Leistung verbaut. Das klingt so gar nicht nach Lifestyle und Premium und wertet für mich das Fahrzeug spürbar ab. Immerhin kostet das 205 Watt starke HIFI-System nur 295 Euro und bietet 10 Lautsprecher und eigene Hochtöner. Dennoch, so ein schwaches Standardsystem sollte es, meiner Meinung nach, in dieser Preisklasse gar nicht geben.

Mittlerweile kann man mit dem Fahrzeug auch seine Mails oder seinen Kalender synchronisieren. Dafür wird allerdings ein Microsoft 365 Account benötigt.

Der Motor

Im Einstiegsmodell 218i werkt ein 1,5 Liter großer Dreizylinder Benziner mit 140 PS und maximal 220 Nm Drehmoment. Geschaltet wird per optionaler 7-Gang Steptronic mit Doppelkupplung. Das fühlt sich gut und unauffällig an – fast ein bisschen zu komfortabel, wenn man sich das aggressive Exterieur des Fahrzeugs vor Augen führt. Das liegt auch am ausgezeichnet abgestimmten Fahrwerk, das den Spagat zwischen Dynamik und Komfort sehr gut bewältigt. Trotzdem bringt der BMW damit eine anständige Leistung aufs Papier – und auf die Straße. 8,7 Sekunden dauert die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, Schluss ist bei 215 km/h.
Der Verbrauch des Fahrzeugs ist dabei mit mindestens 7,2 Litern, im Alltag aber eher acht, auf 100 Kilometer für meinen Geschmack etwas zu hoch.

So viel kostet das 218i Gran Coupé

Wer sich ein 2er Gran Coupé kaufen möchte, muss mit mindestens 32.700 Euro rechnen. Denn so viel kostet unser 218i ohne Extras. Mit Extras wie Metallic Lackierung (1.010 € netto), Leder (1.175 € netto), M-Paket (3.850 € netto), Österreich Paket (860 € netto), Business Paket Plus (2.020 € netto), Innovations-Paket (1.340 € netto) und weiteren Extras wie Panorama-Glasdach (925 € netto) oder 7-Gang Steptronic (1.680 € netto) kommt man auf den Gesamtpreis von 54.596 Euro.

Fazit

Mit dem 2er Gran Coupé erregt man auf der Straße Aufsehen. Technik und Fahrkomfort sind auf sehr hohem Niveau und Extras wie das Head-up-Display oder die Sportsitze sind Bestleistung in dieser Klasse. Dafür ist die Standard-Soundanlage eher ein Scherz.
Ich persönlich wünsche mir bei diesem Fahrzeug mehr Power und würde mindestens zum 2.300 Euro teureren 218d mit 150 PS Leistung greifen.

Christoph Adamek
Christoph Adamek Auto, Motorrad, Fotografie und Technik - und nirgends volle Punktezahl
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