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Der Mercedes-Benz CLA 200 d Shooting Brake im Test!

Voll auf Lifestyle getrimmt, geringer Verbrauch, aber ebenso wenig Platz im Innenraum. Ist er trotzdem der beste Kleinwagen am Markt?

Mercedes-Benz CLA 200 d Shooting Brake: Kleiner Benz ganz groß!

Bereits im März 2019 konnte sich Raphael in Genf eine erste Meinung zum letzten verbliebenen Shooting Brake von Mercedes-Benz bilden. Denn seit der neuen CLS-Generation gibt es den Coupé-Kombi nur noch beim CLA. Das Alleinstellungsmerkmal der schönen Dachlinie muss sich der CLA Shooting Brake also nur mehr mit dem KIA ProCeed teilen. Allerdings kommt das schöne Aussehen nicht ganz ohne Kosten. In diesem Fall kostet es Platz. Denn obwohl der Shooting Brake mit 4,69 Metern ganze 27 Zentimeter länger ist als die normale A-Klasse, sind die Platzverhältnisse sehr ähnlich. In der ersten Reihe könnte man es noch als sportlich bezeichnen. Man sitzt schließlich auch eher tief. Im Fond fühlt man sich als durchschnittlich großer Mensch eher beengt. Das Grundvolumen des breit öffnenden Kofferraums ist mit 505 Litern noch recht ansehnlich, das Maximalvolumen bei stufenlos umgelegten Sitzen mit 1.360 Litern aber – der eleganten Dachlinie geschuldet – unterdurchschnittlich. Zum Vergleich: Die A-Klasse bietet 370–1.210 Liter und das 4,7 Meter lange C-Klasse T-Modell 490–1.510 Liter Kofferraumvolumen.

Innenraum und Infotainment im CLA

Abgesehen vom knappen Platz hat der Innenraum aber einiges zu bieten. In der AMG-Line zum Beispiel sportlich geschnittene, mit Leder und Alcantara bezogene Sitze und roten Ziernähten. Das aktuelle Cockpit mit zwei 10,25-Zoll großen Displays und MBUX (Mercedes-Benz User Experience), die über die Touch-Flächen am Lenkrad, über das Touchpad mit haptischem Feedback in der Mittelkonsole oder per Sprachsteuerung bedient werden können. Während ich der aktuellen Bedienung am Lenkrad nicht so viel abgewinnen kann, überzeugt mich die Sprachsteuerung immer mehr. So wird beispielsweise nach „Hey Mercedes! Ambiente-Licht.“, sofort das korrekte Menü angezeigt. Das erspart ablenkendes Suchen im Menü.
Wie schon in der B-Klasse, wird auch hier die Lüftung schwächer gedreht, sobald man ein Telefonat startet. Eine andere Möglichkeit, um mehr zu hören, ist die sehr gute Burmester Soundanlage einfach ordentlich aufzudrehen. Und wenn man es lieber still hat, bietet der CLA mit seiner ausgezeichneten Dämmung einen der leisesten Innenräume seiner Klasse.

Nur 4,6 Liter Diesel auf 100 km

Das liegt vielleicht auch am sehr kultivierten, 150 PS starken 2-Liter-Vollalu-Vierzylinder, dessen maximales Drehmoment von 320 Nm schon bei 1.400 Umdrehungen anliegt. Das angenehm schaltende 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe hält daher die Touren gering, was wieder dem Verbrauch zugutekommt. 4,6 Liter Diesel waren es im Schnitt pro 100 Kilometer bei ein bisschen urbanem Verkehr und viel flott gefahrener Autobahn. Also nur wenig mehr als die 4,3 Liter laut WLTP.
Auf der Autobahn merkt man die sportliche Auslegung des CLA. Das straffe Fahrwerk in Kombination mit den harten Sitzen lässt Querfugen deutlich in den Innenraum dringen. Aber für seine sportliche Abstimmung ist der CLA bei uns schon bekannt. Dafür gibt es wenig Neigung in den Kurven und generell ein dynamisches Fahrverhalten. In Zahlen sind das 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 221 km/h Spitze.



Das Gefühl (fast) alles zu haben

Eigentlich hatte ich im getesteten CLA Shooting Brake alles, was ich brauche – aber leider nicht alles, was ich wollte. Seitdem die Cockpits und Features der Oberklasse auch in Kleinwagen verfügbar sind, steigen die Ansprüche. Dann stößt man sich am ruppigen Lane-Assist von Mercedes-Benz, der beim Berühren einer Linie nicht nur zurücklenkt, sondern recht abrupt bremst. Ich vermisse ein Abstandsradar für den Tempomat (768 €) und ein Head-up-Display (1.273 €), damit ich den Blick nicht mehr von der Straße nehmen muss. Das LED-Fernlicht ist super, aber wieso kann es noch keine entgegenkommenden Fahrzeuge ausblenden (Multibeam 541 €). Und wieso sind ausschließlich USB-C Steckdosen im Fahrzeug verbaut? Die meisten Kabel laufen doch über USB-A.
Das ist aber Nörgeln auf hohem Niveau. Auch ohne diese Extras ist der CLA Shooting Brake ein äußerst feines Auto…

Der Preis

… das natürlich seinen Preis hat. Genauer gesagt kostet der 200 d mindestens 37.070 Euro. Die Farbe Mountaingrau Metallic fügt noch einmal 959 Euro hinzu, die AMG Line 5.504 Euro und das Premiumpaket 4.268 Euro. Mit ein paar weiteren Extras wie Schiebedach, Totwinkel-Assistent oder Night-Paket kommt man insgesamt auf 54.158 Euro. Da würde sich auch schon eine gut ausgestattete C-Klasse als T-Modell ausgehen.

Fazit

Was das Fahrgefühl angeht, macht dem CLA Shooting Brake so schnell kein Kombi was vor. Das Paket aus sparsamem und kräftigem Triebwerk, satter Straßenlage und perfekt gedämmtem Innenraum mit modernem Infotainment sucht seinesgleichen. Da kann auch der ähnlich schöne und etwas günstigere KIA ProCeed nicht ganz mithalten. Aber ein Kleinwagen ist er mit knapp 4,7 Metern Länge wohl nicht mehr.

Christoph Adamek
Christoph Adamek Auto, Motorrad, Fotografie und Technik - und nirgends volle Punktezahl
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