Honda Civic Type R 2.0 GT: Der Hot Hatch-König im Test!

In der Kategorie der Kompakten drängt sich seit langem optisch keiner so auf wie der Honda Civic. Als scharfer Type R enthebt sich der Civic endgültig dem Einheitsbrei der Golf-Klasse. Doch bleibt der Langstrecken-Komfort dabei zu Recht auf der Strecke?

Reinweiße Fahrmaschine: Honda Civic Type R 2.0 GT

Keiner in der Hot Hatch-Klasse dreht so arg auf wie der Honda Civic Type R. Seit Generationen gibt er den Ton hinsichtlich Fahrdynamik an. Und das mit Frontantrieb. Selbst neu aufkeimende Konkurrenz à la Hyundai i30 N braucht er nicht zu fürchten. Und die schwereren Allrad-Kollegen sowieso nicht. Die Rechtfertigung für die dicke Hose liefert Honda derzeit mit einem Streckenrekord nach dem anderen ab. Der 1.300 Kilogramm leichte Störenfried tut also nicht nur so als ob er kann, er kann auch tatsächlich.

Optik und Antritt brutal

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der auffälligen Optik und fahrdynamischen Fähigkeiten, spart sich Honda beim Civic Type R akustische Aufdringlichkeiten. Kein Rotzen, Spucken oder Sprotzeln. Sein Sound wirkt maskuliner oder auch technoider. Einen ähnlichen Weg geht gefühlt nur der Nissan GT-R – in einer anderen Liga wohlgemerkt. Schade nur, dass mir der Auspuff des Type R auf Dauer innen eine Spur zu viel dröhnt. Für die Langstrecke – ich fuhr damit von Wien nach München – eignen sich andere Civic Modelle besser. Mitunter auch weil die schraubstockartigen Schalensitze über keine Lordosenstütze verfügen. Die Sitzheizung flog beim Type R ebenso raus.

Der Honda Civic Type R bleibt somit auch in der neuesten Generation ein Landstraßen- und Rennstrecken-Bezwinger. Da hilft auch nicht der hinzugekommene Fahrmodus Comfort. Dankenswerter Weise geht er jetzt dennoch in keinem Modi (Comfort, Sport, +R) mehr so hart zur Sache wie sein Vorgänger. Und dies, obwohl er rundum nun auf 245/30 ZR 20er-Gummis steht.

Der Antritt ist brutal, und dank mechanischer Quersperre an der Vorderachse fehlt es in keiner Situation an Grip – solange der Untergrund trocken ist. Die Lenkung bleibt dabei jederzeit frei von Antriebseinflüssen. 320 PS und 400 Nm an der Vorderachse sind 2018 offensichtlich gut machbar. Was sich die Entwickler allerdings beim Vollalu-Schaltknauf gedacht haben, verstand ich schon beim Peugeot 208 nicht. Im Sommer zu heiß, im Winter eiskalt.

Innen freue ich mich aufs Facelift

Den größten Aufholbedarf hat der Innenraum. Über die Legostein-artigen Lenkradtasten ziehen sowieso also Journalisten her. Aber auch die Lenkradverkleidung hat unschöne scharfkantige Stellen. Ich kann, ob des Fahrzeugpreises (ab 40.990 €, Testwagen: 46.690 €), über all das hinwegsehen. Spätestens mit dem Facelift wird Honda vermutlich im Innenraum an Qualität nachlegen. Mir persönlich geht lediglich ein Lautstärke-Drehregler für die Musikanlage ab. Ansonsten ist die Bedienung einwandfrei. Die Android-Auto-Integration funktioniert rasch und fein, ebenso wie das Keyless-Go-System. Hinkommen, am Griff ziehen und aufgesperrt wird. Kein Knöpferldrücken oder ähnliches.

Fazit

Zwar lassen das Platzangebot, die Android Auto-Integration und auch der moderate Durchschnittsverbrauch (8,3 l/100 km) auf Langstreckentauglichkeit schließen, der dröhnende Auspuff, die fehlende Lendenwirbelstützenverstellung und der kleine Tank (46 l) relativieren dies jedoch. Der Honda Civic Type R bleibt also auch in der neuesten Generation eine Waffe für Landstraßen und Rennstrecken. Käme er in meine Garage, er würde direkt neben dem Nissan GT-R stehen – so ich einen Japan-Fetisch hätte. Klar, die Optik des Civic bleibt auch mit dem aktuellen Type R Geschmackssache. Ich finde ihn einfach nur geil – selbst im weißen Kleid des Testwagens. Wenigstens einer enthebt sich dieser Tage dem Einheitsbrei der Automobilindustrie.

2018 Honda Civic Type R 2.0 GT Test Review white weiß