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Das Brennstoffzellen-SUV Hyundai NEXO im Test!

Es muss nicht immer Diesel sein. Hyundai verbaut im NEXO einen Wasserstoffantrieb, der das starke Drehmoment eines Stromers mit der Reichweite eines Verbrenners kombinieren soll. Aber funktioniert das auch?

Hyundai NEXO: Der Retter des Wasserstoffs?

SUVs erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit – oftmals gerne mit einem drehmomentstarken Diesel unter der Motorhaube. Aber der steht momentan unter dem Verdacht „dreckig“ und nicht besonders umweltfreundlich zu sein. Hyundai möchte dieses Problem schon seit einigen Jahren mit Wasserstoff lösen.

Doch nach den ersten Medienberichten vor ein paar Jahren ist es um Wasserstofffahrzeuge wieder ruhiger geworden – nachdem sie für ihre doch nicht so saubere Energiebilanz in Verruf gekommen waren. Im Gegensatz zur Schweiz wird Wasserstoff in Österreich nämlich nicht durch erneuerbare Energien wie Windkraft hergestellt, sondern über Erdgas. Das stellt Wasserstoff-Fahrzeuge à la Hyundai NEXO freilich in Frage – falls dies nicht eh schon der enorm hohe Anschaffungspreis von hierzulande 78.000 Euro tut. Dabei fällt für den NEXO nicht einmal NoVA an. Die Preise in Deutschland (69.000 Euro) und der Schweiz (85.000 Euro) ähneln daher. Ein Glück, dass er zumindest Vorsteuerabzugsbefähigt ist, kein KFZ-Sachbezug bei der Privatnutzung aufkommt und auch keine motorbezogene Versicherungssteuer für die 120 kW, respektive 163 PS des Elektromotors an den Staat abgegeben werden muss.

Die E-Maschine, die aus dem Stand weg 395 Nm Drehmoment liefert und das 1,8 Tonnen schwere SUV damit in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt, bezieht ihre Leistung aus einer Brennstoffzelle. Die wird von Hyundai mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent angegeben. Kleine Randnotiz: Moderne Diesel sind davon nicht weit entfernt. In der Brennstoffzelle reagiert der Wasserstoff mit Sauerstoff und setzt elektrische Energie frei. Als einziges Abfallprodukt fällt Wasserdampf an.

Der Wasserstoff wird übrigens in drei je 52,2 Liter großen Hochdruck-Tanks – bei 700 bar – gespeichert. Zwei davon sind vor der Hinterachse, einer dahinter untergebracht. Die Betankung geht übrigens Ruckzuck vonstatten. Keine fünf Minuten braucht man bei der rund 100.000 Euro teuren Tankstelle. Von denen gibt es aber, Stand Dezember 2019, nur fünf in ganz Österreich. Ein Vorarlberger findet die nächste Tankstelle in Tirol, womit bei einmal kurz zur Tanke fahren der halbe Tank drauf geht. Wie das mit dem Tanken so läuft, erklärt euch Raphael ausführlich in diesem Video:

Fahren mit dem Hyundai NEXO

Das Fahren mit dem Hyundai NEXO unterscheidet sich nicht wirklich von einem Elektroauto. Was man zuerst merkt, ist die Stille. Man hört absolut nichts und rauscht recht flott von dannen. Dank komfortablem Innenraum und hoher Reichweite bis zu 600 km nach WLTP auch gern auf der Autobahn. Das Fahrwerk steckt Unebenheiten souverän weg und wirkt zu keiner Zeit aufgeregt. Dennoch hat man guten Kontakt zur Straße und fühlt sich hinter dem Steuer wohl. Die Rundumsicht ist dank der hohen Sitzposition wunderbar.

Innenraumcheck im Hyundai NEXO

Und was hat der Red Dot Design Award 2018-Gewinner sonst noch zu bieten? Schließlich kann man bei knapp 80.000 Euro doch einiges erwarten. Kurzum: vieles. Das fängt bei belüft- und beheizbaren Ledersitzen an, geht über die beiden großen Monitore bis zu allen aktuellen Assistenzsystemen. Doch hier hört der NEXO nicht auf. Er kann mehr als die meisten anderen Fahrzeuge. Einzigartig ist zum Beispiel die Einblendung des toten Winkels im sieben Zoll großen Fahrerinformationsdisplay bei Betätigung des Blinkers. Ein Feature, das ich wirklich zu schätzen lernte und man eher in Luxuskarossen erwarten würde. Ein weiteres, im Alltag vielleicht nicht so oft eingesetztes Feature: Der automatische Einparkassistent. Das funktioniert recht einfach mit dem Schlüssel, der dann als Fernbedienung funktioniert.

Der Innenraum ist hell und freundlich gestaltet. Was im Vergleich zu anderen modernen Fahrzeugen sofort auffällt: Die hohe Mittelkonsole mit unzähligen Knöpfen (wir haben sie gezählt, es sind 42). Die meisten anderen Hersteller versuchen so wenig Schalter und Knöpfe wie möglich zu verbauen. Im NEXO fällt uns das große Schaltpult aber nicht unangenehm auf. Im Gegenteil. Man weiß sofort, wo alles ist und muss nicht lange in unübersichtlichen Menüs im Touchscreen suchen.

Stellt sich eine Frage:

Sind die subjektiven 40.000 Euro mehr gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner auch nur in irgendeiner Weise gerechtfertigt? Nein. Darüber können nicht einmal die fünf Jahre Fahrzeuggarantie ohne Kilometer-Begrenzung sowie die acht Jahre bzw. 200.000 Kilometer Garantie auf die Hochvoltbatterie hinwegtrösten.
 Aber so einfach mal beim Händler seines Vertrauens kauft man den NEXO sowieso nicht. Hyundai Österreich bietet ihn nur über die Hyundai Import GmbH an. Probefahrten sind also ausschließlich über den Importeur mit Sitz in Wien möglich. Und auch nur für Unternehmen, die einen Hang zur Wasserstofftechnologie oder Energie im Allgemeinen haben.

Fazit

Die Anschaffung ist teuer und das Tanken bei weitem nicht so easy wie bei einem Verbrenner. Doch der Hyundai NEXO hat in unserem Test einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wasserstoff wäre in meinen Augen eine gute Alternative, wenn die Infrastruktur besser ausgebaut wäre. Das stimmige Design und der wohnliche Innenraum überzeugen auf jeden Fall.