Jaecoo 7 Plug-in Hybrid Test – Der China-Rover zum Schnäppchenpreis?
Kantig, selbstbewusst und verdammt viel Auto fürs Geld: Mit dem JAECOO Jaecoo 7 Plug-in Hybrid rollt das nächste China-SUV nach Österreich. Optisch schielt das Kompakt-SUV ungeniert nach Großbritannien, preislich bleibt es am Teppich. Kann der Neuling der etablierten Konkurrenz um VW Tiguan und KIA Sportage gefährlich werden? Ich habe den Plug-in-Hybriden getestet.JAECOO Jaecoo 7 Plug-in Hybrid: Im Test ohne Schwächen?
Man muss gar nicht lange um den heißen Brei herumreden: Wer den JAECOO Jaecoo 7 Plug-in Hybrid zum ersten Mal sieht, denkt sofort an den Land Rover Range Rover Evoque. Die steile Front, der mächtige Kühlergrill und das kantige Profil schreien förmlich nach britischem Hochadel. Doch im Pass dieses 4,50 Meter kurzen SUVs steht China. JAECOO gehört zum Chery-Konzern und will mit großem Premium-Anspruch die europäische Kompaktklasse aufmischen. Das Beste daran: Optisch wirkt er riesig, parkplatztechnisch bleibt er absolut großstadttauglich.

Innenraum: Viel Bling-Bling und ein Riesen-Screen
Das Selbstbewusstsein der Optik setzt sich im Interieur nahtlos fort. Das Cockpit präsentiert sich aufgeräumt und modern. Blickfang ist der massive 14,8-Zoll-Zentralbildschirm, der mit scharfer Grafik und flotten Reaktionszeiten punktet. Materialtechnisch greift JAECOO tief in die Trickkiste: Schicke Kunstleder-Applikationen und eine feine Verarbeitung lassen rasch vergessen, dass man in einem absoluten Newcomer sitzt. Platztechnisch ist es vorne gemütlich, wenn auch subjektiv etwas intim geschnitten. In der zweiten Reihe reist es sich zu zweit sehr bequem, zu dritt wird es kuschelig. Der Kofferraum schluckt vollkommen ausreichende 500 Liter, die sich durch Umlegen der zweigeteilten Rücksitzlehne auf eine ebene Ladefläche mit 1.265 Litern erweitern lassen. Die Heckklappe öffnet standesgemäß elektrisch.



347 PS auf dem Papier – Gemütlichkeit auf der Straße
Unter der Haube des getesteten Jaecoo 7 Plug-in Hybrid steckt das „Super Hybrid System“, eine Kombination aus einem 1,5-Liter-Turbo-Benziner mit 143 PS und einer 204 PS starken E-Maschine. Klingt nach Sportwagen-Schreck, fährt sich in der Realität aber sehr unaufgeregt. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h vergehen 8,5 Sekunden – völlig ausreichend, aber ohne das ganz große Drama. Seine wahren Stärken spielt der Antrieb beim Sparen aus. Im Alltag sind rein elektrisch bis zu 90 Kilometer drin. Dank cleverer Rekuperation wird der 18,4 kWh Akku nie gänzlich leer, im Stadtverkehr surrt das SUV meist lautlos und geschmeidig dahin. Wer Allrad braucht, muss zur Topversion greifen, mein frontgetriebener Testwagen zeigte sich aber selbst auf feuchtem Asphalt absolut gutmütig und traktionsstark.

Jaecoo 7 PHEV: Fahrkomfort schlägt Fahrdynamik
Wer allerdings einen Kurvenräuber sucht, wird mit dem Jaecoo 7 Plug-in Hybrid eher nicht glücklich. Das Fahrwerk ist ganz klar auf Komfort gebürstet. Er bügelt Bodenwellen sauber weg und glänzt als extrem leiser Cruiser auf der Langstrecke. In flotten Kurven spürt man allerdings eine deutliche Seitenneigung, und die Lenkung hält sich mit Feedback dezent zurück. Auch das Bremspedal fordert anfangs etwas Eingewöhnung, denn der Übergang von der elektrischen Rekuperation zur echten mechanischen Bremse könnte im Stadtverkehr einen Hauch feinfühliger dosiert sein.
Überhaupt zeigt der Chinese beim Rangieren und der Bedienung im Alltag ein paar ganz eigene Charakterzüge, an die man sich erst herantasten muss. Wer in engen Gassen schnell mal wenden oder ein flottes Parkmanöver hinlegen will, braucht etwas Geduld. Das System verlangt einen sehr bewussten Tritt auf die Bremse und ein etwas längeres, fast schon entschleunigtes Drücken des Wahlhebels für den gewünschten Gang. Da der Kraftschluss nicht sofort spürbar einsetzt, wandert der Blick anfangs oft zur Kontrolle aufs Display, ob die Fahrstufe auch wirklich sitzt – bei Hektik im Alltag verlangt das etwas Gelassenheit.
Der Rückspiegel im Innenraum meint es zudem besonders gut mit dem Sichtfeld und vergrößert das Bild über eine spürbare Weitfunktion. Das ist zwar nett für das Panorama nach hinten, verzerrt die Abstände zu anderen Fahrzeugen jedoch ein wenig und schmälert die Übersichtlichkeit. Zu guter Letzt wurde auch die elektronische Parkbremse tief im Untermenü des Infotainments versteckt und wird erst aktiv, wenn der Gurt eingerastet ist. Eine kleine, physische Taste auf der Mittelkonsole hätte dem Komfort hier sicher gutgetan. Für diese digitalen Eigenheiten entschädigt das SUV immerhin mit einer Armada an Assistenzsystemen ab Werk – inklusive einer wirklich großartigen 360-Grad-Kamera samt Offroad-Blick, die die Rückspiegel-Optik beim Einparken spielend leicht ausgleicht.
Kampfansage: Volle Hütte im Jaecoo 7 Plug-in Hybrid für unter 40.000 Euro!
Der eigentliche Hammer folgt beim Blick in die Preisliste. Der Jaecoo 7 Plug-in Hybrid startet in Österreich bereits bei 35.990 Euro (zzgl. 240 € Auslieferungspauschale). Meine getestete Vollausstattung „Premium“ knackt mit 39.490 Euro gerade so nicht die 40.000-Euro-Marke. Dafür gibt es Features, für die man bei der europäischen Konkurrenz tief in die Tasche greifen muss: Klimatisierte Sitze, Head-up-Display, Panoramadach, Sony-Soundsystem, 19-Zöller und LED-Licht sind Serie. Dazu packen die Chinesen satte sieben Jahre Garantie.
Fazit
Der JAECOO Jaecoo 7 Plug-in Hybrid erfindet das Rad nicht neu, aber er bespielt die SUV-Klasse verdammt geschickt. Er sieht nach deutlich mehr Geld aus, als er kostet, glänzt mit Komfort, einer Top-Reichweite und einer Ausstattung, die sprachlos macht. Die kleinen Schwächen bei der Raumökonomie und der Bedienung verzeiht man ihm angesichts des Preises und der langen Garantie gerne. Ein absolut gelungener Einstand für die neue Marke auf dem österreichischen Markt!
