Der Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+ im Test!
Er ist groß, er ist laut und er ist stark. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber auffallen tut er. Die Rede ist vom Mercedes-AMG GLE 53 4MATIC+. Was er alles kann, zeigt der Kurztest auf autofilou.atSe Dschermans in se USA: Mercedes ist nicht gleich Mercedes
Das Schwobaländle: Heimat der Spätzle und fleißiger Häuslebauer. Und natürlich deutscher Wertarbeit im Bereich des „heiligen Blechles“. Wo ein Stern auf der Motorhaube oder im Kühlergrill steckt, steckt auch deutsche Perfektion dahinter und drunter. Blöd nur, wenn nahezu alle SUV von Benz gar nicht in Stuttgart, Sindelfingen oder Bremen vom Band läuft. Auch nicht in Ungarn oder Spanien. Ja sogar nicht einmal in Europa.
Alles begann 1993, als die Daimler-Benz AG beschloss, ein Werk in den USA zu bauen. 1996 war es fertig und seit 1997 rollen die großen SUVs in Tuscaloosa vom Band. Zuerst der ML W163, dann dessen Nachfolger und die R-Klasse, später auch der GL. Aktuell produziert das Werk EQE SUV, EQS SUV, GLS und auch den GLE. Das macht Sinn. Nicht nur ökonomisch, weil die Amis noch mehr auf große Kisten stehen als wir Europäer und so näher an der Quelle sitzen.
AMG: American Muscle Glory… oder so
Die geneigten Geografen wissen natürlich längst, in welchem Bundesstaat sich Tuscaloosa befindet. Alabama. Woran denkt ihr, wenn ihr an Alabama denkt? Hillbillys, Cowboyhüte und nennen wir es mal „Rustikalität“. Alles nicht gerade sehr schmeichelhaft. Aber irgendwie passt das auch zu unserem Dickschiff. Er ist laut und aufdringlich wie ein Hillbilly mit Cowboyhut und rustikal… naja.
Zurück zu meinem Test-GLE. Der wird seit 2018 produziert und hat 2023 eine Modellpflege (kurz Mopf) erfahren. Das macht den Kollegen also nicht mehr zum frischesten aller Premium-SUV. Demnächst steht die nächste Modellpflege an. Dann bekommt der GLE die Scheinwerfer mit Tagfahrlicht im Stern-Design, wie wir es schon vom GLC, CLA, GLB und sogar der S-Klasse kennen, sowie neue Antriebe und ein neues Infotainmentsystem. Aber viel wichtiger als die Optik ist bei einem AMG schließlich die Power. Und die holt sich der Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+ aus gleich zwei Motoren: Einem aufgeladenen 3,0 Liter Reihensechser mit 449 PS und einem Elektromotor mit 170 PS. Zusammen bringen sie es auf eine Systemleistung von 544 PS und satte 750 Nm Drehmoment. Kein Wunder, dass die 2,8 Tonnen schwere Fuhre die 100 km/h aus dem Stand in nur 4,7 Sekunden knackt. Generell geht der GLE wie die Hölle. Man spürt, dass er Kraft hat.
Sportlich. Kann er. Will man aber nicht. Denn bei aller AMG-Gewalt darf man eines nicht vergessen: Man bewegt sich mit fast drei Tonnen hart an der Grenze des B-Führerscheins. Und das Gewicht spürt man halt ebenso wie die Power. Leichtfüßig sind ein Mazda MX-5 oder eine Alpine A110, ein Mercedes-Benz GLE wird das auch als AMG nicht. Er fährt sich eher wie ein klassisches amerikanisches Muscle-Car: beeindruckend auf der Geraden und dem Dragstrip, nicht wirklich was für Kurven. Zwar kann er die besser als andere Kaliber in seiner Gewichtsklasse, aber viel Freude macht das mir zumindest nicht.
Am besten gefällt mir der GLE genau dann, wenn die 31,2 kWh große Batterie (24,84 kWh netto) vollgeladen ist und man knapp 90 Kilometer rein elektrisch unterwegs sein kann. In diesem Modus wird aus dem lauten Kraftprotz plötzlich ein angenehmer (Be-)Gleiter. Auch wenn das der Zielgruppe widerspricht.
An der DC-Schnellladestation lässt sich der Akku in 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. In der Praxis dürfte das aber eher die Ausnahme sein. Die meisten Kunden werden den AMG entweder zu Hause laden oder wohl eher gar nicht.
Die gute alte Stube
Man merkt dem GLE an, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Das aktuelle Modell läuft seit fast zehn Jahren vom Band, das letzte größere Facelift liegt ein paar Jahre zurück. Und das sieht und spürt man.
Zum einem beim Infotainment. Die Displays sind zwar nach wie vor gestochen scharf, gut ablesbar und die Menüs logisch aufgebaut. Aber optisch wirkt das Cockpit einfach… bekannt. Zu bekannt. Man kennt diese Menüführung und die Optik. Aber wenn man sieht, was bei EQE und S-Klasse geboten wird, feiert man das im GLE nicht mehr so ab. Aber wie gesagt, man kennt sich aus und als Gewohnheitstier, ist das per se nichts Schlechtes.
Irgendwann kann man sich auch mit dem Mehrspeichen-Lenkrad anfreunden. Ab und an kommt es vor, dass man beim Rangieren irgendwo streift und das nächste Lied weiterdrückt. Halb so wild.
Wichtig ist: Der Innenraum ist wohnlich. Ich sitze bequem und fühle mich gut aufgehoben. Alles ist dort zu finden, wo ich es erwarte. Einziger Störfaktor: An manchen Stellen meldet sich auch mal Hartplastik mit leisem Knarzen.
Platz? In bester amerikanischer Manier. Vorne großzügig und hinten selbst für großgewachsene Passagiere eine Flughafenlounge. Der Einstieg ist hoch, aber dank Trittbrettern gut machbar. Der Kofferraum fasst mindestens 490 Liter. Das klingt ordentlich, sieht aber bei einem Auto dieser Größe überraschend klein aus. Schuld daran ist die untergebrachte Batterie, die auch einen doppelten Boden unmöglich macht.
Unterm Strich ist der Innenraum eine feine Stube, in der man es gut aushalten kann.


So viel kostet der Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+
Preislich beginnt der Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+ bereits auf sehr hohem Niveau: 101.825 Euro kostet das Fahrzeug in der Grundausstattung. Mein Testwagen zeigte allerdings sehr deutlich, wie schick ein AMG mit Vollausstattung aussieht. Extras wie Nappa-Leder (2.300 Euro), AMG Carbon-Zierelemente (1.750 Euro), 22-Zoll AMG Schmiederäder (2.450 Euro), das Premium-Plus-Paket (6.475 Euro), das AMG Night-Paket (560 Euro) oder der DC-On-Board-Lader (500 Euro) summieren sich rasch. Am Ende steht ein Testwagenpreis von 144.504 Euro brutto auf der Rechnung. Ein Betrag, bei dem man sich kurz fragt, ob man gerade ein Auto konfiguriert hat oder bereits eine kleine Eigentumswohnung.
BMW X5 M, Audi RS Q8, Porsche Cayenne oder auch ein Range Rover Sport spielen in derselben Liga der großen, starken Performance-SUV, allerdings meist mit noch mehr Leistung und deutlich höheren Einstiegspreisen von rund 160.000 bis über 200.000 Euro. Dagegen wirkt der GLE 53 mit rund 102.000 Euro Basispreis fast schon wie die vernünftigere Variante: weniger Extrem, dafür mehr Cruiser.
Fazit
Ja, der Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+ ist ein feines Auto. Ja, er geht gut vom Fleck. Ja, die Verarbeitung ist gut. Und ja, er kostet sehr viel. Günstiger und auch praktischer im Alltag, ist da eine ziviler Variante des GLE.
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