Der Volvo EX60 schmeckt wie Kanelbulle!
Die technischen Daten des vollelektrischen Volvo EX60 sind so verführerisch wie Kanelbullar, die schwedische Zimtschnecke. Erstkontakt mit dem schicken, 4,8 Meter langen D-SUV in der Wiener Seestadt.Volvo EX60: Schwedischer Selbstläufer!
Seit vergangenem Juni ist der Volvo XC60 der meistverkaufte Volvo aller Zeiten. Mehr als 2,7 Millionen Einheiten wurden vom 2008 eingeführten Verbrenner-SUV bislang verkauft. Damit löst er den legendären Volvo 240 ab. Kein Wunder: Hierzulande ist das D-SUV-Segment das am stärksten wachsende Segment (2025: +39 %). Die Zeit könnte somit reif sein für ein Elektro-SUV. Deshalb führen die Schweden im Sommer 2026 den vollelektrischen Ableger des XC60 (der vorerst weiterhin im Programm bleibt), den EX60, ein.
EX60 nutzt völlig neue Plattform!
Als erstes Modell nutzt der Volvo EX60 die neue SPA3 (Scalable Product Architecture) genannte Architektur. Mit dieser rein für E-Autos ausgelegten Plattform können Fahrzeuge jeder Größenordnung – auch Modelle, die größer als der Volvo EX90 und kleiner als der Volvo EX30 wären – bedient werden.
Vorteil: niedrigere Investitionskosten, höherer Umsatz. Denn mit der skalierbaren Plattform werden produktions- und effizienzoptimierende Maßnahmen wie das Megacasting (die Heckpartie besteht aus einem Gussteil statt aus 100 Einzelteilen und ist dadurch zugleich leichter und steifer), die „Cell-to-Body“-Batterie oder auch das Core Computing mit erhöhter Kernrechenleistung eingeführt.
So effizient ist der Volvo EX60 unterwegs!
Die effizienzsteigernden Maßnahmen machen sich beim genaueren Hinsehen bereits auf dem Papier bemerkbar. Denn wenn der WLTP-Verbrauch des 4,8 Meter langen EX60 je nach Motorisierung zwischen 14,7 und 16,0 kWh/100 km liegt, jener des fast 60 Zentimeter kürzeren EX30 jedoch zwischen 17,0 und 18,0 kWh/100 km, dann ist klar, warum hier von „Best-in-Class“-Reichweiten gesprochen wird.
| Leistung in PS | max. Drehmoment in Nm | 0–100 km/h in s | WLTP-Reichweite in km | Batterie-Kapazität (netto) in kWh | km/kWh (mehr = besser) | kWh/km (weniger = besser) | WLTP-kWh/100 km (mit Ladeverlusten) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| P6 RWD | 374 | 480 | 5,9 | 620 | 80 | 7,75 | 0,129 | 14,7 |
| P10 AWD | 510 | 710 | 4,6 | 660 | 91 | 7,25 | 0,138 | 15,7 |
| P12 AWD | 680 | 790 | 3,9 | 810 | 112 | 7,23 | 0,138 | 16,0 |
810 Kilometer. Auf diesen Laborwert ist man bei Volvo besonders stolz. Zu Recht. Denn damit bügelt der EX60 die aktuelle Konkurrenz in Sachen Reichweite faltenfrei glatt. Möglich wird dies durch eine gigantische Batteriekapazität von 117 kWh, wovon 112 kWh nutzbar sind. Zum Vergleich: Der deutlich größere EX90 (5,04 m lang) packt maximal 106 kWh zwischen seine Achsen (2,99 m Radstand).
| Länge in m | Radstand in m | EU-Leergewicht in kg | VDA-Kofferraumvol. in l | Frunkvol. in l | Batteriekapazität (brutto/netto) in kWh | max. WLTP-Reichweite in km | min. WLTP-Verbrauch in kWh/100 km | cW-Wert | max. DC-Ladeleistung in kW | DC-Ladedauer (10–80 %) in min. | ab-Brutto-Listenpreis in EUR | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Audi Q6 e-tron quattro | 4,771 | 2,896 | 2.400 | 526 | 64 | 100/94,9 | 626 | 16,8 | 0,28 | 270 | 21 | 69.950 |
| BMW iX3 50 xDrive | 4,782 | 2,897 | 2.360 | 520 | 58 | -/108,7 | 805 | 15,1 | 0,24 | 400 | 21 | 69.950 |
| Porsche Macan 4 Electric | 4,784 | 2,893 | 2.405 | 540 | 84 | 100/94 | 611 | 17,8 | 0,25 | 270 | 21 | 87.266 |
| Volvo EX60 P12 AWD | 4,803 | 2,970 | 2.405 | 523 | 58 | 117/112 | 810 | 16 | 0,265 | 370 | 19 | 72.490 |
| Lexus RZ 500e DIRECT4 Executive | 4,805 | 2,850 | 2.100 | 522 | 0 | 77/72 | 500 | 16,8 | 0,263 | 150 | 30 | 63.530 |
| Mercedes-Benz GLC 400 4MATIC | 4,845 | 2,972 | 2.535 | 570 | 128 | -/94 | 715 | 14,9 | 0,26 | 330 | 22 | 75.318 |
| XPeng G9 AWD Performance | 4,891 | 2,998 | 2.395 | 660 | 71 | 93,1/92,2 | 540 | 20,1 | 0,272 | 525 | 12 | 72.600 |
| Polestar Polestar 3 Long Range Dual Motor | 4,900 | 2,985 | 2.579 | 484 | 32 | 106/- | 636 | 19,1 | 0,29 | 350 | 22 | 86.800 |
Die Praxisreichweite des EX60?
Zu guten Praxisreichweiten verhelfen der hervorragende cW-Wert von 0,265 (EX60 Cross Country: 0,27) sowie rollwiderstandsarme Reifen zwischen 20 und 22 Zoll Größe. 450 Autobahnkilometer sollten meiner Erfahrung nach mit dem Top-Modell P12 AWD in jedem Fall, ja vielleicht sogar 500 Kilometer, möglich sein.
Schade, dass der P12 jedoch erst in KW 46, also Anfang November 2026, in Produktion geht. Die Produktion der beiden anderen Varianten – P10 AWD (95/91 kWh; 660 km) und P6 RWD (83/80 kWh; 620 km) – startet hingegen schon Mitte April. Erste Händlerautos soll es Ende Juni geben, erste Kundenauslieferungen dann im September.
Bis zu 370 kW Ladeleistung!
Weil alle Varianten auf ein 800-Volt-Batteriesystem setzen, geht das Nachladen an der entsprechenden Gleichstrom-Schnellladesäule ruckzuck vonstatten. Dank bis zu 370 kW Ladeleistung werden lediglich 19 Minuten für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent beim P12 angegeben. P6 und P10 benötigen sogar nur 18 Minuten. Top-Werte. Da die WLTP-Verbräuche – also inklusive der Ladeverluste – wie erwähnt bei 14,7 bis 16,0 kWh/100 km liegen, spricht Volvo je nach Modell von 305 bis 340 nachgeladenen Kilometern innerhalb von zehn Minuten. Ebenfalls erfreulich: Ein 22-kW-AC-Lader ist serienmäßig. Somit dauert es auch am Supermarkt- oder Innenstadtparkplatz im besten Fall nur vier (P6) bis sechs (P12) Stunden, bis die leere Batterie wieder vollständig geladen ist.
So praktisch wird der Volvo EX60!
OK, bislang alles sehr nerdiges E-Auto-Fahrer-Zeug. Doch wie sieht es mit der Praxistauglichkeit im Alltag aus? Beginnen möchte ich mit den Türgriffen, die die Türen von außen ausschließlich elektrisch entriegeln. Von innen gibt es eine mechanische „Fallback“-Lösung – einfach fester am Türgriff ziehen. Somit muss der EX60 vor 2027 in China in Verkehr gebracht werden, denn ab dann sind dort nur noch Fahrzeuge mit mechanischer Entriegelungsmöglichkeit zulässig. Bereits genehmigte Fahrzeuge müssen spätestens 2029 umgerüstet werden. Das Facelift des EX60 könnte also wieder mit klassischen Bügelgriffen auf den Markt kommen. Doch zurück zum aktuellen Modell. Die Griffe im Stil eines kompakten Winglets (zu Deutsch: Flügelchen) funktionieren in der Praxis tadellos. Ob sie für Rollstuhlfahrer unerreichbar sind, will ich noch klären. Ist die Türe erst einmal offen, fallen die rahmenlosen Scheiben auf – eine Premiere für einen Volvo mit fixem Dach. Die Akustikverglasung sollte daher unbedingt angekreuzt werden (Serie bei Ultra; +660 € bei Plus).


Eingestiegen wirkt alles typisch skandinavisch – sehr heimelig. Die vier zur Auswahl stehenden Innenraumfarben, sechs Ambientefarben und das Blätterwald-Innenraumlicht schmeicheln den Augen, Echtholzapplikationen den Fingern und bis zu 28 Lautsprecher von Bowers & Wilkins® (BOSE® ist Serie) den Ohren.
Volvo hat den Sicherheitsgurt neu erfunden!
Weil Volvo vor allem für Sicherheit bekannt ist, haben sie sich für den EX60 etwas Besonderes einfallen lassen: Sie haben den Sicherheitsgurt neu gedacht. Der sogenannte „Multi-Adaptive Safety Belt“ steuert seine Rückhaltekraft anhand verschiedener Parameter – etwa Größe, Gewicht oder Sitzposition der Person.


Bislang hatten Sicherheitsgurte nur drei Lastprofile, nun sind es elf verschiedene. Zudem ist das System jederzeit Over-the-Air verbesser- bzw. erweiterbar. Ich stelle mir die glücklichen Ingenieure vor, die daran hauptberuflich arbeiten durften – es muss ein gutes Gefühl sein, etwas für die Sicherheit zu entwickeln, das dann auch in Serie geht.
Leidet die Bedienbarkeit?
Zurück zur Bedienbarkeit des EX60. Sie ist keine große Sache – es ist aufgeräumt wie in einem Tesla. Bis auf Tasten am Lenkrad, an der Dachbedieneinheit und eine Lautstärke-Drehwalze in der Mittelkonsole gibt es keine „echten“ Schalter. Das Gros aller Funktionen wird über den zum Innenraum hin konvex gebogenen, schnell reagierenden 15,04 Zoll großen OLED-Infotainment-Screen gesteuert. Der Fahrer erhält ein nahe der Windschutzscheibe platziertes 11,4 Zoll großes Infodisplay. Das soll beim Hin- und Herfokussieren zwischen Straße und Display helfen. Damit ist aber auch klar, dass es kein Head-up-Display für den Volvo EX60 geben wird, weil schlichtweg zu wenig Platz vorhanden ist.



Und weil ohne KI nichts mehr geht, ist Gemini, der KI-Assistent von Google, an Bord. Dieser greift – sofern vom Fahrer erlaubt – beispielsweise auf Kamerabilder zurück und entschlüsselt auf Sprachbefehl komplexe Parkschilder, nennt Restaurants, an denen man vorbeigefahren ist, oder liefert Infos zu gesichteten Oldtimern. Cybersecurity- und datenschutzrechtlich finde ich das alles durchaus bedenklich. Polen plant aus diesen Gründen, die Nutzung chinesischer Autos – etwa in der Nähe von Militärbasen oder anderer strategisch wichtiger Objekte – einzuschränken. Und auch wenn der EX60 im schwedischen Torslanda bei Göteborg gebaut wird, sei angemerkt, dass Volvo mehrheitlich der chinesischen Zhejiang Geely Holding gehört.
Viel Platz in Reihe 2 und im Kofferraum!
Zurück zu Erfreulicherem: der Rücksitzbank. Hier gibt es auch für Großgewachsene ausreichend Platz. Das serienmäßige Panorama-Glasdach (ohne mechanisches Rollo) erhellt den Innenraum, die Lehnenneigung lässt sich elektrisch verstellen und auch die Bedieneinheit der dritten Klimazone (Serie) befindet sich hier.



Der Kofferraum überzeugt mit einem Volumen von 523 VDA-Litern. Wer mehr Ladevolumen benötigt, legt die serienmäßig dreigeteilte Rücksitzlehne vom Kofferraum aus elektrisch um. Dann passen bis zu 1.647 Liter in das Schweden-SUV. Praktisch: Der Kofferraumboden ist im Verhältnis 40:60 geteilt. So können links beispielsweise hohe Pflanzen transportiert werden, während rechts der normale Alltagseinkauf rückenschonend etwas höher abgelegt wird. Von hier aus lässt sich zudem die optionale (+1.190 €) vollelektrische Anhängerkupplung ein- und ausfahren. Die Anhängelast liegt beim P6 bei zwei Tonnen, beim P10 und P12 bei 2,4 Tonnen. Einen vorderen Kofferraum, auch Frunk genannt, gibt es ebenfalls. Er fasst brauchbare 58 Liter.



Preise des Volvo EX60 in Österreich (2026)
Produktionsstart ist Mitte April mit den EX60-Modellen P6 RWD und P10 AWD in den Linien Plus (BOSE®-Sound, elektr. verstellbares Lenkrad, Wärmepumpe, …) und Ultra (360°-Kamerasystem, Akustikverglasung, Bowers & Wilkins®-Soundsystem, elektrochromatisches Panorama-Glasdach, Pixel-LED-Scheinwerfer, …). Der P12 AWD ist zwar ebenso bereits seit ein paar Wochen bestellbar, geht aber erst gegen Jahresende in die Produktion. Hier die Preisaufstellung inkl. Markteinführung:
| Plus | Ultra | Produktionsstart | Vorführfahrzeuge in Ö. | Kundenfahrzeuge in Ö. | |
|---|---|---|---|---|---|
| P6 electric | 63.490 € | 70.290 € | Mitte April 2026 | Juli 2026 | September 2026 |
| P10 AWD electric | 66.490 € | 73.290 € | Mitte April 2026 | Juli 2026 | September 2026 |
| P12 AWD electric | 72.490 | 79.290 € | Anfang November 2026 | Februar 2027 | Q1 2027 |
Zum Marktstart hat Volvo Österreich eine First Edition für Privatkunden im Angebot. Sie basiert auf dem P10 AWD electric Plus inklusive Winter Paket, Pilot Assist-Paket mit 360°-Kamerasystem, abgedunkelten Seitenscheiben sowie 21 Zöllern und kostet ab 68.990 Euro (Preisvorteil: 3.370 €). Im Leasing ist die First Edition ab 349 Euro pro Monat zu haben.
Eine „Core“ genannte Einstiegsvariante für unter 60.000 Euro folgt leider erst in Q2/2027.
Den Preis für das optionale Luftfahrwerk konnte ich weder in der Preisliste noch dem Konfigurator finden. Der EX60 Cross Country hat dieses jedenfalls serienmäßig an Bord. Dessen Preise werden in KW12/2026 (Mitte März) bekanntgegeben.
Fazit
Der Volvo EX60 trifft sicherlich den Sweet Spot vieler. Er ist nicht zu groß, kommt im beliebten SUV-Format daher und ist auf dem neuesten Stand der Technik. Drei Jahre Garantie und Premium-Preise sprechen – wie bei der Konkurrenz aus Deutschland – eher Businesskunden an. Die Erwartung liegt bei 80 Prozent Business- und 20 Prozent Privatkunden, und damit etwas über dem Markenschnitt (75:25). Wie sagt Volvo Österreich so schön salopp: „Unsere liebsten Kunden sind Architekten, Anwälte und Ärzte.“ Mehr als 200 EX60 wurden bereits in den ersten fünf Wochen seit Bestellöffnung verkauft. Absetzen möchte man hierzulande heuer 900, 2027 dann 1.200 Einheiten. Wie er sich fährt, wird sich mir wohl nicht vor Juli offenbaren. Ich bin gespannt.





