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Der KIA e-Niro Long Range im Test!

Mit 64 kWh Akku und 204 PS Leistung muss man beim KIA e-Niro im urbanen Alltag keine Kompromisse mehr eingehen. Und auf der Langstrecke?

Der KIA e-Niro: Elektrisch im Alltag

Als ich den KIA e-Niro abholte, war er voll aufgeladen. Auf dem Tacho wurden mir 430 Kilometer als Restreichweite prognostiziert. Wenn das stimmte, wäre das ganz beachtlich, aber auch nicht überraschend. Schließlich konnte der Hyundai KONA Elektro, der die gleiche Batterie verbaut hat, auch schon mit einer Reichweite von über 400 Kilometern punkten.

Ich musste für die Arbeit ein paar Besorgungen im Norden von Wien machen und dann weiter nach Mödling fahren. Nach 50 gefahrenen Kilometern in der Stadt und auf der Tangente, mit offenem Schiebedach und deaktivierter Klimaanlage waren laut Bordcomputer immer noch mehr als 400 Kilometer möglich und der durchschnittliche Verbrauch lag bei 12,4 kWh/100 km.
Rein rechnerisch wären mit der 64 kWh-Batterie und diesem Verbrauch sogar über 500 Kilometer mit einer Ladung möglich. Das würde sogar die angegebene Reichweite von 455 Kilometern überbieten, für die man einen durchschnittlichen Verbrauch von 14 kWh auf 100 Kilometer bräuchte.

Leistung auf Abruf

Auf energieraubende Beschleunigungen und Überholmanöver verzichtete ich, um diesen ausgezeichneten Verbrauchswert zu erreichen und fuhr auf der Autobahn hauptsächlich mit dem Tempomat. Dabei müsste sich der e-Niro wirklich nicht verstecken. 395 Nm bringt der 1,8-Tonner bereits bei Stillstand auf die Vorderachse, sobald man das Gangwahl-Drehrad auf Drive stelllt. Das reicht für einen leichten Reifenquietscher hier und da und für einen Sprint von null auf 100 km/h in 7,8 Sekunden. Abgeriegelt wird, wie auch beim KONA, bei 167 km/h.
Mit Paddles hinter dem Lenkrad lässt sich die Stärke der Rekuperation in drei Stufen einstellen. Auf der höchsten Stufe wird beim Loslassen des Gaspedals ordentlich verzögert – da braucht man die Bremse fast nicht mehr.

Vielleicht hätte mir die verhältnismäßig geringe Höchstgeschwindigkeit schon von Beginn an zu denken geben sollen, dass sich der KIA e-Niro auf Schnellstraßen nicht zu Hause fühlt. Wobei das so nicht ganz richtig ist. Denn der tiefe Schwerpunkt und das hohe Gewicht lassen den Koreaner satt auf der Straße stehen. Und mit Tempomat und Assistenten fährt der e-Niro wie von alleine gemütlich über die Autobahn. Aber wenn man sich nicht nur im Windschatten der LKWs bewegen will, fordert die Physik ihren Tribut.
Diesmal ging es aus dem nördlichen Oberösterreich zurück nach Wien. Anfangs zeigte der Bordcomputer bei vollen Akkus noch etwas über 350 Kilometer an. Tatsächlich waren es dann 290 km bei 135 km/h nach GPS, als ich mit nicht einmal mehr 10 übrigen Kilometern zur Ladestation in Wien rollte. Die Langstrecke ist also auch für den e-Niro sehr energieintensiv – und fordert im Nachhinein wiederum Ladezeit. Mit maximal 80 kW Aufnahme ist der e-Niro an einer Schnellladestation bestenfalls in einer knappen Stunde wieder zu 80 % aufgeladen. An der Wallbox sind es 9,5 Stunden bis 100 % und mit einer Haushaltssteckdose dauert eine Ladung ganze 29 Stunden.

Anschließend stellte sich mir die Frage, ob man für funktionierende Elektromobilität einfach neue Gewohnheiten an den Tag legen muss als mit Verbrennern: langsamer fahren, weniger Überholen oder Überland auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Manchmal erfordern alternative Technologien eben eine andere Anwendung. Schließlich kann man ein Keramikmesser auch nicht genau so benutzen wie eines aus Stahl, selbst wenn es letztendlich denselben Zweck erfüllt. Energieschonender wäre eine defensive Fahrweise jedenfalls – allerdings fühlt es sich manchmal wie eine Einschränkung an. Vielleicht löst sich dieses Problem aber durch neue Entwicklungen in ein paar Jahren von selbst.

Vollausstattung im Innenraum

Im Innenraum bietet der unser Testwagen jedenfalls fast alles, was man sich wünschen kann: elektrisch verstellbare, beheiz- und belüftbare Ledersitze, 2-Zonen-Klimaanlage, Induktionsladeschale und ein unaufgeregtes, dafür herrlich übersichtliches Cockpit. Dürfte ich mir noch etwas wünschen, wäre es ein richtiges Head-up-Display. Das wertet jedes Auto nochmal ein gutes Stück auf.

So viel kostet der KIA e-Niro

Wer einen elektrischen Niro fahren möchte, muss mit mindestens 37.990 Euro rechnen. Dafür gibt es den 136 PS starken e-Niro mit 39,2 kWh Akku in der Titan-Ausstattung. Für die stärkere „Long Range“-Version werden mindestens 42.390 Euro fällig.
Unser vollausgestatteter Testwagen in Platin beginnt bei 49.590 Euro. Allerdings ist bald darauf auch wieder Schluss. Metallic Lack und Schiebedach fügen noch 150 bzw. 500 Euro dazu, dann ist die Aufpreisliste ausgereizt. 50.240 Euro stehen dann am Ende der Addition.
Die 3.000 Euro Förderung für Fahrzeuge mit Brutto-Listenpreis unter 50.000 € geht sich damit aber noch aus.

Fazit

Der KIA e-Niro ist derzeit eines meiner liebsten Elektrofahrzeuge. Preislich liegt er deutlich unter Jaguar I-Pace, Audi E-Tron oder Tesla Model S und bietet zwar weniger Platz und Luxus, aber in weiten Teilen dieselben Vorteile. Nur bei Teslas Model 3 wird es knapp. Ohne das Paket für autonomes Fahren liegt der US-Stromer preislich sogar leicht unter dem e-Niro, bietet aber weniger Platz und Reichweite.