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Der Volvo S60 T8 Twin Engine Inscription im Test!

Die Mittelklasse bleibt auch in Zeiten des SUVs gefragt. Neben den altbekannten dreien aus Deutschland wollen auch Großbritannien und Königreich Schweden den Markt aufmischen. Aus dem Land von Köttbullar und Billy Regalen fährt der Volvo S60 vor, den wir uns als T8 Twin Engine – also als Plug-in Hybrid – in der höchsten Ausstattungsstufe Inscription vorknöpfen.

Premium-Mittelklasse auf Schwedisch: Volvo S60

BMW 3er, Mercedes-Benz C-Klasse und Audi A4. An diesen Mittelklassewagen des Premiumsegments kommt man vor allem als Außendienstler kaum vorbei. Wobei oft auf die Kombiversionen zurückgegriffen wird. Doch der Blick über den Tellerrand lohnt sich. Sehr sogar. Neben dem feschen Jaguar XE gibt es da nämlich den noch viel fescheren Volvo S60. Kühles, elegantes Design, „Made by Sweden“, wie der Slogan lautet. Außen klare Linienführung, knackiges Heck und noble Front in Blech und Kunststoff geformt.
Innen umgibt mich feinstes Leder, offenporiges Echtholz und vor mir ein übersichtliches Cockpit. Also alles ganz weit weg von Pressspanplatten à la Ikea. Dass das Leder hellbeige ist, freut das Auge, doch tut der Seele schon der Gedanke daran weh, wenn’s dann mal nicht mehr ganz so hell ist.

Doch egal für welche Sitzbezüge man sich schlussendlich entscheidet, darunter steckt ein sehr bequemes Gestühl. Auch Sportsitze, die wir in anderen Volvos testen durften, sind sehr auf Komfort ausgelegt. Auf langen Fahrten waren die Sitze eine echte Wohltat für den Allerwertesten.
Die Sitzposition ist sehr gut, die Rundumsicht ebenso. Blickt man durch das Lenkrad hindurch, fällt das große Display auf. Am linken Rand wird immer der Tacho angezeigt, am rechten die Drehzahl bzw. die für Plug-in Hybride von Volvo typische „Leistungsanzeige“. Für die Mitte des Displays darf sich der Fahrer aussuchen, ob er die Navigationskarte, den Radiosender oder nichts anzeigen lassen möchte.
Einen weiteren Bildschirm gibt es in der Mittelkonsole. Über den neun Zoll großen Touchscreen lassen sich alle Funktionen des Fahrzeuges steuern. Die Steuerung hat seine Freunde und seine Feinde gefunden. Die einen finden es klar und übersichtlich, die anderen beschweren sich über eine komplizierte Bedienung. Ich persönlich finde die Bedienung recht gut. Wenn man sich ein wenig mit den verschiedenen Funktionen beschäftigt, hat man das System recht schnell erlernt. Allerdings muss ich zugeben, dass der iDrive-Regler im 3er BMW deutlich praktischer in der Handhabung ist.

Highlight im Innenraum ist auf jeden Fall die Bowers & Wilkins Anlage. Die macht nicht nur optisch was her, sondern – und das sollte nicht überraschen – auch klanglich. Ob es einem die 4.128 Euro Aufpreis wert sind, muss jeder für sich entscheiden. Die serienmäßig verbaute Anlage von Volvo, tut es in der Regel auch.

2020 Volvo S60 T8 Twin Engine Inscription AWD allrad hybrid test review

So fährt sich der Volvo S60 T8 Twin Engine

Aussehen allein ist nicht alles. Auch der Antrieb muss überzeugen. Und in unserem Fall sind es sogar zwei. Denn für ordentlich Vortrieb sorgen ein 2,0 Liter großer Vierzylinder Benziner (was Größeres gibt es bei Volvo seit einigen Jahren nicht mehr) mit 303 PS und ein Elektromotor mit 87 PS. Die Systemleistung liegt bei 390 PS und das reicht aus, um die zwei Tonnen Limousine in rasanten 4,6 Sekunden von 0 auf 100 zu katapultieren. Bei 250 km/h ist Schluss. Noch! Denn mit Modelljahr 2021, also ab Juni 2020, fahren Volvo ab Werk maximal (nur) noch 180 Stundenkilometer.

Obwohl der Volvo S60 T8 Twin Engine so viel Power hat, habe ich sie im Test nur selten voll ausgenutzt. Zum einen liegt das daran, dass ich den Akku des Plug-in-Hybriden nur zweimal voll aufgeladen habe und somit nur selten die ganzen 390 Pferdchen zur Verfügung standen. Zum anderen hatte ich nie das Bedürfnis mit der edlen Limousine sportlich fahren zu müssen oder zu wollen. Der S60 ist zum Gleiten gemacht und nicht fürs Heizen. Autobahnkilometer schluckt das adaptive Fahrwerk (936 Euro Aufpreis) so gut wie ein einsamer Cowboy ein Glas Wasser nach einem Ausritt durch die Wüste. Oder anders formuliert: Man gleitet über Bodenwellen und Unebenheiten nur so dahin.

Soll es dann doch mal schneller vorwärtsgehen, kann der Schwede auch anders. Die Kraft geht an alle vier Räder und das kommt der Traktion zu Gute. Serpentinen bespickte Bergstraßen laden dann zu ausgiebigen und flotten Spazierfahrten ein. Einzig der 3er BMW dürfte sich hier noch wohler fühlen und ein agileres Handling bieten. Das liegt natürlich auch daran, dass der Volvo S60 ein Zweitonner ist und dementsprechend träger rüberkommt.

Wo Licht ist, ist auch (ein kleiner) Schatten

Man kann also gemütlich mit dem S60 verreisen und gleichzeitig so manchen Sportwagen alt aussehen lassen. Dass das dann bei der Zapfsäule für mehr Durst sorgt, verwundert nicht. Volvo gibt den Verbrauch nach WLTP mit 1,5 Liter Super Benzin auf 100 Kilometer an. Das ein 303 PSiger Vierzylinder logischerweise mehr braucht, wenn der Elektromotor nicht immer aufgeladen ist und somit nicht mithelfen kann, sollte jedem klar sein. So verbrauchte ich im Test mit dem Volvo S60 T8 7,8 Liter. Für die Leistung recht okay. Mit aufgeladenem Akku schafft man übrigens rund 40 Kilometer rein elektrisch. Dann sinkt natürlich auch der Verbrauch. Um den aufzuladen, muss man ihn entweder über Nacht an einer handelsüblichen Haushaltssteckdose anstecken, oder für vier Stunden an eine Wallbox anschließen. Und wenn wir schon beim Akku sind: Kofferraumvolumen geht wegen dem keines verloren.

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Was mich im Test mit dem Volvo S60 störte, war der Blinker. Nennt mich jetzt kleinlich oder pedantisch, aber das habe ich kaum ausgehalten. Der Blinkersound scheint eine Audiodatei zu sein, die immer wieder in einer Schleife abläuft. So weit so gut. Doch tönt der Blinker leider nicht im Takt. Statt „tick-tack-tick-tack-tick“ höre ich „tick-tack — tick-tack-tick“. Und hört man das einmal, hört man es immer. Vielleicht sollte man deshalb ein Kreuzerl bei der 4.000 Scheinen teuren Bowers & Wilkins Anlage machen — um den Blinker zu übertönen? Weit gefehlt! Das ist gewollt! Ich schreibe Volvo Österreich und erhalte diese Antwort: „Am ehesten ist es wahrnehmbar, wenn die Lautstärke durch andere Audiosignale angepasst/verändert wird, wie zum Beispiel CTA Warnung. Danach hat man das Gefühl, dass das System den „Rhythmus“ verloren hat. Die Blinker Lampen erhalten ihre Taktfrequenz über ein eigenes Signal, Folge dessen ist der Rhythmus der Lampe nicht beeinflusst, da die hörbare Blinkkontrolle nur mehr ein Soundfile ist, aber dieselben Lautsprecher wie andere Systeme nutzt.“ Man lernt wirklich nie aus.

So viel kostet der Volvo S60

Leistung und Luxus wollen bezahlt werden. Der „normale“ Volvo S60 mit 162 PS starkem Benziner beginnt bei 40.994 Euro. Für den Plug-in-Hybriden werden mindestens 59.150 Euro fällig. Als Top of the Line „Inscription“ werden mit Extras wie Sitzheizung und Panoramaschiebedach 76.340 Euro ausgeschrieben. Um nochmal auf den Platzhirsch 3er BMW zu kommen: Der kostete als 190 PS Diesel etwa genauso viel. Da nimmt man dann lieber die fast 400 PS aus Schweden. Bei der Steuer sieht es natürlich ob der Leistung anders aus: 919 Euro Motorbezogene Versicherungssteuer bei jährlicher Zahlung für den BMW, 1.666 Euro für den Volvo.

Fazit

Der Volvo S60 war eines, wenn nicht sogar das beste Auto, dass ich in den letzten Monaten bewegen durfte. Ordentlich Power (weniger würde auch reichen) kombiniert mit schönem Design und wohnlichem Innenraum. Was braucht man mehr? Volvo ist definitiv in der Premium-Mittelklasse angekommen. Leider auch preislich.