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Der Mercedes-Benz X 350 d 4MATIC im Test!

Ist der Mercedes-Benz X 350 d ein wahres Arbeitstier oder ein Schummler im Holzfällerhemd? Ich habe mir den Pickup aus Stuttgart genau angesehen!

Mercedes-Benz X 350 d 4MATIC: Der Benz fürs Grobe!

Auch wenn sich die Designer in Stuttgart sichtlich Mühe gegeben haben, der X-Klasse ein einzigartiges Aussehen zu verpassen, sieht man dem X seine Verwandtschaft zum Nissan Navara an – insbesondere von der Seite. Verglichen mit dem Renault Alaskan, der ebenfalls auf dem Navara aufbaut, ist dies den Deutschen Ingenieuren besser gelungen: Der Pickup sieht von vorne wie ein echter Mercedes aus und beim 350 d ist auch unter dem Blechkleid ist bis auf den Rahmen alles verändert worden.
Genau wie seinen Kollegen aus Frankreich gibt es den Benz ausschließlich als Double Cab mit viertüriger Passagierkabine. Wenn man sich die Abmessungen ansieht, wäre das aber ohnehin egal gewesen. Der Navara mit King Cab ist knappe 9 Zentimeter kürzer und macht eine urbane Parkplatzsuche auch nicht einfacher. Um konkrete Zahlen zu nennen: 5,34 Meter sind es in der Länge, 1,92 in der Breite und 1,82 Höhe. Parkhäuser und Garagen sollte man daher eher meiden. Auch der Wendekreis von 13,4 Metern macht den Mercedes-Benz nicht gerade agil – dafür hat er andere Qualitäten!

Die X-Klasse als Nutzfahrzeug

Der 2.285 Kilogramm schwere X 350 d bietet nämlich knapp 2,5 m² Ladefläche (1,56 x 1,58 m) und 890 Kilogramm Zuladung. Dazu noch eine maximale Anhängelast von 3,5 Tonnen. Da kann man schon mal seine drei Pferde oder Boot anhängen. Denn im 350 d arbeitet ein Dreiliter-V6-Diesel mit 258 PS und 550 Nm maximalem Drehmoment zwischen 1.400 und 3.200 Touren. In Kombination mit der 7G-TRONIC PLUS und permanentem Allradantrieb geht ordentlich was weiter. Unbeladen sprintet der Pickup in 7,9 Sekunden auf 100 km/h und macht erst bei 205 km/h Spitze Schluss. Dabei dreht er beim vehementen Losfahren gerne mal mit den Hinterreifen durch und hüpft auf der durch Schraubenfedern gefederten Hinterachse unruhig herum. Beladen fährt sich die X-Klasse deutlich gutmütiger, wenn auch nicht weniger kraftvoll.
Auf der Autobahn zeigt sich der X 350 komfortabel. Die Geräuschdämmung ist für einen Pickup hervorragend und auch bei höheren Geschwindigkeiten beginnt der Motor nicht gleich zu saufen. 11 Liter Diesel auf 100 Kilometer waren es im Testschnitt. Wer auf der Langstrecke den Gasfuß im Zaum hält kann jedoch unter 10 Litern bleiben. Bei einem Tankvolumen von 73 Litern, klappen da auch längere Strecken am Stück.
Im Gelände freut man sich über Untersetzungsgetriebe und ein sperrbares Zentraldifferenzial, das die Kraft im Verhältnis von 40 zu 60 Prozent zwischen hinten und vorne verteilt. Optional gibt es auch noch ein Sperrdifferential für die Hinterachse für 590 Euro netto. Für gutes Vorankommen in unwegsamem Terrain sorgen 60 Zentimeter Wattiefe (Toyota Hilux 70 cm, Mitsubishi L200 60 cm, VW Amarok 50 cm) und einen Böschungswinkel von 29° vorne und 24° hinten.

Im Innenraum elegant und etwas unpraktisch

Ob besonders viele Personen mit der X-Klasse über Stock und Stein fahren werden, weiß ich nicht. Der Innenraum sieht jedenfalls nicht wirklich danach aus. Die Sitze sind mit Leder überzogen, die Lüftungsdüsen prominent gesetzt und viele Kunststoffteile mit Kunstleder bezogen oder mit Aluminium bedampft. Der Automatikhebel ist recht plump geworden und die aus der S-Klasse bekannte Bedieneinheit für das Infotainment-System sitzt für meinen Geschmack recht weit hinten und unten. Insbesondere wenn man den Ellenbogen auf der Ablage hat. Wirklich unpraktisch ist aber nur die Abwesenheit von Ablagefächern. Mit Geldbörse und Handy ist der Becherhalter schnell voll. Arbeitshandschuhe müssen dann eben auf die Rückbank.

2019 Mercedes-Benz X 350 d 4MATIC Heck verkehrt
Wenn die X-Klasse Kopf steht, zeigt sie sich von einer ganz anderen Seite!

Lohnt sich der X 350 d?

Der Mercedes-Benz X 350 d 4MATIC ist kein günstiges Fahrzeug. Mittlerweile gibt es in Österreich nur noch das Topmodell X 350 d 4MATIC zu kaufen. Auch wenn der X 220 d mit 29.900 Euro das günstigste Fahrzeug auf der Mercedes-Website ist (noch vor der B-Klasse mit 30.990 Euro, allerdings ohne MwSt), muss man für den von mir getesteten 350 d in der Progressive-Ausstattung (darüber gibt es noch Power) mindestens 52.140 Euro (43.450 € exkl. MwSt) parat haben. Mit einigen Extras, wie COMAND online (+ 2.648 €), Park-Paket mit 360° Kamera (+ 1.092 €), Style-Paket (+ 1.605 €) oder Leder in Nussbraun (+ 1.063 €) kommt man auf stolze 55.642 € ohne und 66.770 € mit Steuer.

Fazit

Mercedes-Benz nennt den X 350 d den „Mercedes unter den Pickups“. Und irgendwie hat die Marke damit nicht unrecht. Besonders im Innenraum kann der Premium-Pickup seine Vorteile ausspielen. Wer preissensitiv ist, wird bei Alaskan oder Navara eher glücklich werden. Arbeiten kann der Gute jedenfalls, wenn es drauf ankommt. Aber es wär irgendwie schade um das schöne Leder!

Christoph Adamek
Christoph Adamek Auto, Motorrad, Fotografie und Technik - und nirgends volle Punktezahl
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