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Kleinwagen mit ernstem Problem: Der Audi A1 Sportback 30 TFSI S line

Die Schwiegermutter, der Schwiegerpapa, der Tankwart, die hübsche Blondine im Stau auf der Autobahn nebenan… allen gefiel der knallblaue Audi A1. Ein kleines und feines Auto, das die Massen begeistert. Doch wenn die wüssten, dass es ein Problem gibt... Wir klären auf!

Alle lieben den Audi A1

Audi baut fesche Autos, das muss man ihnen lassen. Auch der kleinste Spross aus Ingolstadt fällt in der neuen Generation mit modischem Singeleframe-Grill und drei kleinen Schlitzen unterhalb der Motorhaube auf. Genau wie der R8. Der kleinste Audi soll junge Leute ansprechen. Kategorie Fahranfänger mit dem nötigen Kleingeld, die Wert auf schönes Design und modernes Infotainment legen. Sparsam soll das Auto natürlich auch sein. Vielleicht hat sich der Kleinwagen genau so in das Herz der jungen Dame gefahren, die mir im Stau begegnete. Mit einem Daumen hoch signalisierte sie mir, dass ihr der kleine A1 gefällt.

Auch wegen der Farbe bekam ich viel Lob für den Audi A1. Turboblau nennt sich die Lackierung, die bei meiner Schwiegermama sehr gut ankam, bei mir eher für Naserümpfen sorgte. Ich bin ein Fan von unauffälligeren Farben. Dass ich damit wohl eher alleine dastehe, bestätigte auch mein Schwiegervater, der das Auto in dieser Farbe sehr ansprechend fand.

„Das ist der neue A1, oder?“

Die Bemerkungen zum A1 hörten kaum auf. Sogar an der Tankstelle fragte mich der Tankwart beim Bezahlen, ob das der neue A1 sei. Auf mein Bejahen hin meinte er: „Sieht gut aus, taugt ma!“ Meine Antwort: „Jo eh!“

Ihr merkt schon, so ganz konnte mich der A1 nicht überzeugen. Und das liegt natürlich nicht nur an der Farbe. Beginnen wir zunächst mit den Pros, die für den Kleinen sprechen.

Der Motor

116 PS leistet der Dreizylinder Turbobenziner, der an eine manuelle 6-Gang-Schaltung gekoppelt ist. Diese Kombi macht das 1,2 Tonnen schwere Wägelchen zum flotten Flitzer. In 9,5 Sekunden beschleunigt er von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei maximalen 203 km/h. Alles in allem nette Werte. Sowohl auf Papier, als auch auf der Straße. Wovon ich am meisten überrascht war, war die Langstreckentauglichkeit des A1. Das so ein Kleinwagen in der Stadt brillieren kann, no na. Aber er überzeugte auch auf dem Weg von Wien nach München . Dazu trägt entschieden die recht komfortable Aufhängung bei. Denn obwohl bei unserem Test-A1 in der Ausstattung S line exterieur ein Sportfahrwerk verbaut ist, ist selbiges auf der Autobahn ausgewogen und nicht zu hart. Auch der Verbrauch von knapp über sechs Litern ist vollkommen in Ordnung. Etwas wirklich Grobes gibt es im Motordepartment nicht auszusetzen.

Innenraum-Check

„Vorsprung durch Technik“ steckt auch im kleinsten Audi. USB-Schnittstellen, Bluetooth, Sitzheizung, Spurhaltewarner, Tempomat… das steckt auch in anderen Kleinwagen. Was die aber nicht (immer) haben: Einen 10,1 Zoll großen und dem Fahrer zugewandten Touchscreen, der auf der Mittelkonsole thront. Das Ding ist so gestochen scharf, dass ich es hiermit zum besten Display in der Kleinwagenklasse ernenne. Als wäre das nicht genug, gibt es noch einen weiteren, nicht weniger scharfen Bildschirm: Hinter dem Lenkrad erwartet den Fahrer, gegen einen Aufpreis von nur 177,32 Euro, ein digitales Cockpit. Da kann zum Beispiel das Navi angezeigt werden. Also, wenn man es sich vorher für schlappe 1.400 Euro beim nächsten Audi-Händler freischalten lässt. Und da kommen wir jetzt zu dem Punkt, an dem es happig wird.

Der Preis

Der Audi A1 steht auf derselben Plattform wie der Seat Ibiza (MQB-A0), deshalb nehmen wir den kompakten Spanier kurzerhand als Referenz und konfigurieren diesen in etwa so, wie unseren Test-A1. Diese Tabelle verdeutlicht recht anschaulich, wo der Haken beim Audi A1 ist.

Seat Ibiza Audi A1
Startpreis: 13.940 € 21.540 €
Austattungslinie: FR S line exterieur
Leistung: 115 PS 116 PS
Zwischensumme: 19.340 € 25.730 €
Lackierung: Metalliclackierung 476,13 € Uni-Lack-Turboblau 323,64 €
Felgen: 18 Zoll „Performance“ für 699,32 € 17-Zoll „5-Doppelspeichen-Design“ für 1.179,24 €
Sitze: 0 € (in FR-Paket enthalten) 400,52 € Sportsitze Stoff
Naviagtionssystem: 853,06 € 1.400 €
Finalpreis: 23.640 € 34.331,12 €

Vertextet bedeutet das, dass man einen Seat mit Navi, Beats-Soundsystem, Metalliclackierung und 18 Zöllern ordern kann und mehr als einen Zehner spart, weil man sich keinen netten Audi A1 kauft, der all das nicht hat. Die Unilackierung „Turboblau“ kostet bei unserem Tester „nur“ 150 Euro weniger als die Metalliclackierung beim Seat Ibiza. Metallic kostet beim A1 649,76 Euro. Unser Testwagen schlägt mit 34.331,12 Euro zu Buche. Was ich, und so ziemlich alle anderen Motorjournalisten, als zu viel empfinden. Da würde ich persönlich zum Ford Fiesta ST mit 200 PS greifen. Dort ist Fahrspaß garantiert und kostet „nur“ 28.177.43 Euro.

Kann Audi für den A1 so viel verlangen? Irgendwie ja. Denn was gibt es für Alternativen? Klar, BMW hat mit Konzerntochter MINI einen starken Kämpfer im Rennen. Ein Mini kostet nämlich auch gern 30.000 und mehr. KIA Rio, Citroën C3 oder Toyota Yaris sind bei weitem nicht so Premium wie der Ingolstädter. Kosten aber deutlich weniger. Mercedes-Benz bietet keinen Kleinwagen an, die A-Klasse hat A3-Größe.

Fazit

Nett sieht er aus, meint die Schwiegermama. Fährt sich gut, meint der Autotester in mir. Kostet viel zu viel schreit die Vernunft von so ziemlich jedem, der nicht bei Audi arbeitet oder sich den Audi A1 von Papa finanzieren lassen kann. Tolles Auto mit viel Technik und tollem Fahrverhalten und Motor. Aber leider zu teuer. Ich empfehle Kleinwagen von anderen Volkswagen-Marken. Tut mir leid Audi.