Luxustest: Volvo XC90 Excellence

Wenn eines der schönsten SUVs auf dem Markt 407 PS unter der Haube hat, reicht das im Prinzip schon für Freudensprünge. Als ich es dann auch noch für zwei Wochen testen durfte, war ich einem Ohnmachtsanfall nahe – im positiven Sinn. Denn dieser Volvo XC90 ist was ganz Besonderes, aber man muss vielleicht mehr als nur einmal hinschauen um das zu sehen.

Bin umgezogen, neue Adresse: Volvo XC90 Excellence

Um es dem kritischen Leser gleich vorweg zu nehmen, dieser Test wird nicht objektiv. Ich bin seit Jahren Fan von Volvo. Seit Einführung der 90er Baureihen bei Volvo saß ich bereits in S90 und V90. Letzteren habe ich vor lauter Begeisterung sogar gegen die Konkurrenz aus München verteidigt. Und in dieses Prachtexemplar von einem Auto möchte ich am liebsten einziehen.

Denn dieser XC90 hier… der übertrifft seine Konzernbrüder nochmals deutlich. Das kleine Wörtchen „Excellence“ macht einen großen Unterschied. Wobei man ihm das von außen gar nicht ansieht. Da lassen nur ein kleiner Schriftzug an den Türen, ein kleines Emblem neben der Motorenbezeichnung am Heck und verchromte Fensterrahmen darauf schließen. Dem Laien wird der Unterschied zum „normalen“ Volvo XC90 nicht auffallen. Ein Auto also für all jene, die Wert auf Understatement legen. Typisch schwedisch halt.

Aufgeräumt!

Skandinavisch geht es auch im Inneren seiner Exzellenz zu. Das Cockpit ist schon aus den beiden anderen XC90 Tests bekannt (von Filou Christoph und Filou Raphael) und ist einfach fantastisch. Die schönsten Materialien wundervollst verarbeitet, man möchte das Auto zur Wohnung machen. Da die meisten Funktionen über den großen Touchscreen in der Mittelkonsole gesteuert werden, gibt es dementsprechend wenig Knöpfe. Ergo: alles wirkt aufgeräumter und klarer. Die Sitzposition scheint nicht nur erhaben, sie ist es auch. Man genießt einen wundervollen Überblick von hier oben. Doch der beste Platz in diesem Auto ist nicht vorne und deshalb …

… ab auf die Rückbank!

Gemeinsam mit meinem Bruder ging es von Wien aus mit dem Volvo XC90 Excellence in die alte Heimat – Vorarlberg. Nun ist es so, dass mein Bruderherz immer hinten sitzt. Es sind vermutlich unterdrückte Starallüren die ihn dazu bewegen. Doch im XC90 Excellence darf er diese endlich mal ausleben: Der ursprüngliche Siebensitzer fährt nun mit vier Sesseln vor, was für noch großzügigere Platzverhältnisse im Fond sorgt. Das ist aber erst der Anfang. Denn wer sich hinten chauffieren lässt, darf sich auch noch über eine Mittelkonsole aus der Luxusklasse erfreuen. Die beherbergt neben einem Kühlschrank und Getränkekühler bzw. -warmhalter auch ausziehbare Schreibtische. Schmuckstück ist aber das Touchdisplay. Sitzheizung und -Belüftung der hinteren beiden Sitze sowie die Steuerung des Beifahrersitzes – alles lässt sich über diesen ausfahrbaren Bildschirm steuern.

Die Schweden setzen aber noch eins drauf: Für die Fond-Passagiere gibt es eigens für den Excellence angefertigte Kristallgläser von Orrefors. Die können sowohl in der hinteren Mittelkonsole als auch im Kühlschrank untergebracht werden.

All diese Features hat mein Bro aber nicht ausgenützt, er hat die Hälfte der 650 Kilometer geschlafen. Das spricht wohl für den Fahrkomfort. Und bringt mich zu den…

… Fahreigenschaften

Zwei Herzen schlagen im Volvo XC90 Excellence. 320 PS kommen aus einem Zweiliter Vierzylinder-Benziner, 87 PS hinzu von einem Elektromotor. Mit 407 Pferdchen geht was weiter, auch bei den 2,3 Tonnen, die der große Schwede auf die Waage bringt. In nur 5,8 Sekunden geht es auf 100 km/h. Topspeed? 230 Stundenkilometer. Auf der deutschen Autobahn getestet (der Zeitpunkt an dem mein Bruder aus seinem Schönheitsschlaf erwachte). Denn so komfortabel und vorzüglich wie sich der XC90 Excellence auch fahren lässt, so richtig oberklassen-geschmeidig ist er nicht unterwegs. Die Federung könnte für meinen Geschmack ruhig etwas weniger straff und weicher sein. Vor allem sollte aber der Kompressor für die Luftfederung leiser werden. Die ab- und aufpump Geräusche sind für ein Auto von diesem Kaliber viel zu laut.

Der Elektromotor reicht bei voller Ladung übrigens für realistische 28 Kilometer. Ich hatte ihn eine Nacht lang an der kurzen Leine (ein wirklich extrem kurzes und unpraktisches Ladekabel) angesteckt.

Und wenn ich schon am raunzen bin…

Im Cockpit gibt es dank großem Touchscreen so gut wie keine Knöpfe. Warum müssen aber die wenigen die vorhanden sind so wackeln. Zum Beispiel die am Lenkrad. Die wirken nicht passgenau eingebaut. Da kann man sich gerne was bei der Konkurrenz aus Deutschland abschauen. Auch der Gangwahlhebel hat für Kopfschütteln gesorgt. Über den Orrefors-Kristall-Wahlhebel wird der Gang eingetippt. Von P auf D muss einmal nach unten getippt werden, von R auf D zweimal. Beim Einparken wird also 4²-mal nach oben und unten getippt. Außerdem schaltet die Automatik etwas träge, dasmerkt man vor allem beim Kickdown.

Fazit

Für 125.980 Euro bekommt man einen wirklich luxuriösen und feinen Volvo XC90, der keine Wünsche offenlässt. Fast schon spektakuläre Performance, die auf Luxus-Oberklasse trifft und in diesem Segment zu einer Seltenheit zählt. Die klitzekleinen Fehler liegen im Detail, wie etwa den wackeligen Knöpfen. Das trübt das Fahrgefühl ein wenig. Aber wer sich dieses Schmuckstück kauft, wird sich vermutlich fahren lassen.