Mythen & Fakten über Erdgas-Fahrzeuge!

Auch im Jahre 2018 greifen Auto-Käufer lieber zu Benzin- oder Diesel-angetrieben Fahrzeugen, als zu solchen mit Gas. Um dies zu ändern, räumt SEAT nun mit falschen Behauptungen auf.

Viele falsche Behauptungen zu Erdgas-Fahrzeugen!

Sie sind billiger im Unterhalt und ebenso sicher und leistungsstark wie Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Dennoch kursieren über Fahrzeuge, die mit komprimiertem Erdgas (CNG) betrieben werden, verschiedene Mythen, die entweder mangelnden Informationen oder der Neuartigkeit des Antriebs zuzuschreiben sind.

Der Leiter der Abteilung CNG-Produkte bei SEAT S.A., Andrew Shepherd, räumt mit falschen Behauptungen auf und erklärt, wie diese nachhaltigen Fahrzeuge funktionieren.

Die Mythen:

1. Ist das Gefühl am Lenkrad dasselbe?

Ja. Es ist ein Irrglaube, dass sich ein CNG-Fahrzeug anders als andere Fahrzeuge fahren lässt. „Das Fahrgefühl ist identisch, da Gasmotoren ebenso leistungsfähig wie Diesel- oder Benzinmotoren sind“, erklärt Shepherd.

2. Ist ein Gastank ebenso sicher?

„Absolut. Gastanks werden nach den höchsten Branchenstandards konstruiert, gefertigt und zertifiziert“, stellt Shepherd klar. Er fügt hinzu, dass diese Gastanks „mit einem Sicherheitsventil ausgestattet sind und im unwahrscheinlichen Fall eines Feuers das Gas auf kontrollierte Weise an die Außenluft abgegeben wird. Dadurch wird verhindert, dass das Fahrzeug Schaden nimmt.“ Darüber hinaus wurden alle Bauteile des Gastanks dahingehend getestet, ob sie extremen Bedingungen standhalten: „In dem Tank herrscht maximal ein Druck von etwa 200 bar, er ist jedoch auf mehr als das Doppelte ausgelegt.“ Der Experte weist außerdem darauf hin, dass der Irrglaube, dass Gas unter bestimmten Nutzungsbedingungen gefrieren könne, ein Mythos sei: „Die Außentemperatur müsste unter 160 Grad Minus betragen, damit sich Erdgas verflüssigt.“

3. Kann man bei kritischer Schadstoffbelastung fahren?

Ja. Die CNG-Fahrzeuge von SEAT sind mit dem ECO-Siegel zertifiziert, daher können sie auch gefahren werden, wenn die Zufahrt zu Innenstädten (in Deutschland) wegen zu hoher Schadstoffbelastung nur eingeschränkt möglich ist.

4. Kann man mit leerem Gastank weiterfahren?

Ja. Wenn das Gas im Tank aufgebraucht ist, schaltet das Fahrzeug automatisch auf Benzin um. „Der Fahrer kann seine Fahrt ohne Stopp fortsetzen. Eine Anzeige in der Armatur weist darauf hin, dass das Auto mit Benzin fährt“, erklärt Shepherd. Dank dieser bivalenten Antriebstechnologie haben die Fahrzeuge von SEAT eine Reichweite von bis zu 1.300 Kilometern, das entspricht der Entfernung von Wien nach Neapel, Italien. Das Tanken mit Erdgas ist in europäischen Ländern mit einem Gastankstellennetz möglich, weil das System Universal-Füllstutzen verwendet.

5. Kann man auch nur mit Gas fahren?

Ja. CNG-Fahrzeuge werden standardmäßig mit Erdgas betrieben und können ohne Umschalten auf den anderen Tank gefahren werden. Dennoch sollte für das Starten des Motors bei sehr kalten Temperaturen oder unmittelbar nach der Betankung mit Erdgas immer eine Mindestmenge Benzin verfügbar sein. Dieses Benzin sollte innerhalb von sechs Monaten verbraucht werden.

6. Kosten CNG-Fahrzeuge in der Anschaffung mehr?

Nein. CNG-Fahrzeuge werden in derselben Preiskategorie wie Diesel- und Benzinfahrzeuge verkauft, im direkten Vergleich zu Dieselmodellen sind sie in der Anschaffung sogar deutlich günstiger – ungeachtet ihrer langfristigen Vorteile. In diesem Zusammenhang weist Shepherd darauf hin, dass „eine Tankfüllung nur 13 Euro kostet“, daher können CNG-Fahrzeuge „Einsparungen von 30 Prozent im Vergleich zum Diesel und 55 Prozent im Vergleich zu Benzinern erzielen“.

In Österreich gibt es auf alle CNG-Fahrzeuge von SEAT einen Bonus in Höhe von 2.000 Euro. Damit kostet der 90 PS starke Ibiza TGI 15.990 Euro und ist mit dem 95 PS-igen Ibiza TSI preisgleich!

7. Erfordern die Fahrzeuge denselben Wartungsaufwand?

Ja. In ihrer mechanischen Funktion unterscheiden sich Gasfahrzeuge nicht von herkömmlichen Fahrzeugen. „Es stimmt nicht, dass Zündkerzen oder Filter häufiger ausgetauscht werden müssen“, weist der SEAT-Experte Behauptungen zurück, dass CNG-Motoren schnell überhitzen und teurer im Unterhalt seien. Der einzige Unterschied sei, dass „die Dichtheit der Gasanlage und der Zustand der Tanks geprüft werden muss“. Diese Prüfungen sind den hohen Sicherheitsstandards geschuldet, die für erdgasbetriebene Fahrzeuge gelten. In Österreich wird die komplette CNG-Kraftstoffanlage im Rahmen der „Pickerl“-Begutachtung (§57a, KFG) überprüft. Zudem müssen die Ganstanks spätestens alle drei Jahre visuell kontrolliert werden.

Die Fakten:

1. Was ist Erdgas?

Ein in der Natur vorkommendes, unsichtbares und geruchloses Gasgemisch, das leichter als Luft ist und vorwiegend aus Methan (CH4) besteht.

2. Gibt es Erdgas in Österreich?

Ja, Österreich kann etwa ein Fünftel seines Erdgasbedarfs aus heimischen Erdgasfeldern abdecken.

3. Kann man Erdgas auch herstellen?

Ja, Methan entsteht beispielsweise in der Biogas-Produktion aus Pflanzen und Abfällen, eine andere Technologie erzeugt Bio-SNG (Synthetic/Substitute Natural Gas) aus Holzresten, die neueste Methode erlaubt über Elektrolyse und chemische Reaktionen die Herstellung aus Ökostrom.

4. Ist das Gas nicht giftig und explosiv?

Erdgas ist prinzipiell nicht toxisch und geruchlos, daher wird ihm ein stark riechendes Odormittel beigemischt. Dieses wird bereits bei einer Konzentration von einem Prozent – und damit weit unter der Gefahrengrenze von 14 bis 16 Prozent – wahrgenommen. Benzin entzündet sich bei wesentlich geringeren Temperaturen als Erdgas.

5. Darf ich mit einem CNG-Fahrzeug in Garagen fahren?

Aus technischer Sicht spricht nichts dagegen, Einfahrtverbote für Gasfahrzeuge bezogen sich auf LPG (Liquefied Petroleum Gas), das sich bei Austritt nicht von selbst verflüchtigt. Wien, Steiermark, Nieder- und Oberösterreich haben ihre Landesgesetze entsprechend angepasst. Private Betreiber können in Einzelfällen die Einfahrt verbieten.

6. Kommt man mit der gleichen Menge Erdgas genauso weit wie mit Benzin?

Nein, sondern viel weiter. Die energetische Ausbeute von einem Kilogramm CNG kommt der von 1,3 Liter Diesel oder 1,5 Liter Benzin gleich.

7. Wie viel spare ich bei den Treibstoffkosten?

Je nach Fahrzeugmodell, der Kilometerleistung und Einsatzgebiet bis zu 50 Prozent gegenüber einem Benzin- und bis zu 30 Prozent gegenüber einem Diesel-PKW.

8. Welche Vorteile gibt es sonst?

Einige Versicherungen bieten spezielle Öko-Kraftfahrzeug-Tarife an. Damit sind bei Versicherungsprämien Einsparungen von bis zu 10 Prozent möglich.

9. Wie viele Erdgastankstellen gibt es in Österreich?

Derzeit rund 170, Tendenz steigend. Die Hauptverkehrsrouten und Ballungszentren sind bereits gut abgedeckt.

10. Wie kommt das Erdgas zu den Tankstellen?

Angeliefert wird der Kraftstoff zu den Tankstellen unterirdisch über das Erdgasleitungsnetz. Der Transport mittels Schwerverkehr entfällt – ein weiteres Plus für die Umwelt, da beim Transport keine weiteren CO2-Emmisionen durch LKW anfallen.

11. Warum ist Erdgas billiger?

Als besonders umweltfreundlicher Kraftstoff wird CNG steuerlich bevorzugt, das gilt auch für die NoVA beim Autokauf. Der Netto-Erdgaspreis orientiert sich zwar am Rohölpreis, war aber in der Vergangenheit deutlich stabiler als der Benzinpreis.

12. Wie schont Erdgas die Umwelt?

Der Ausstoß von Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid-, Ruß und anderen Partikelemissionen wird durch CNG nahezu vollständig vermieden. CO2-Emissionen sind bei Erdgasfahrzeugen um bis zu 25 Prozent geringer als bei Benzinern. Der Ausstoß von Stickoxiden ist im Vergleich zum Dieselfahrzeug rund 70 Prozent niedriger.

13. Gibt es verschiedene Qualitäten von Erdgas?

Ja, man unterscheidet grundsätzlich die beiden Qualitäten H(igh)- und L(ow)-Gas. Letzteres weißt einen geringeren Methangehalt auf. In Österreich wird nur CNG mit H-Gas-Qualität verkauft.

14. Kann ich für meinen Fuhrpark eine eigene Tankstelle bauen?

Ja. Einige Energieversorger in Österreich bieten sogar Contracting-Lösungen mit Wartung und Reparatur an. Dies ist jedoch in der Regel nur für Unternehmen interessant.

15. Gibt es auch in anderen Ländern CNG-Fahrzeuge und -Tankstellen?

Insgesamt kann man europaweit an rund 2.250 Tankstellen Erdgas tanken. Gut ist die Versorgung in Deutschland und der Schweiz, besonders gut in Norditalien. Weltweit gibt es derzeit rund 12,5 Millionen Erdgasfahrzeuge und über 16.300 CNG-Tankstellen.

16. Kann ich auch reines Bio-CNG tanken?

Die erste reine Bio-CNG-Tankstelle Österreichs wurde 2008 in Margarethen am Moos eröffnet. Da es sich um keine öffentliche Tankstelle handelt, muss man sich einmalig registrieren, um reines Bio-CNG tanken zu können.

17. Warum verbraucht ein optimierter Erdgasmotor weniger Treibstoff?

Das Erdgas-Luft-Gemisch lässt sich im Motor stärker verdichten als das Benzin-Luft-Gemisch eines herkömmlichen PKW. Das steigert die Leistung bei niedrigerem Verbrauch.

18. Warum ist ein Erdgasmotor leiser?

Erdgas entspricht Benzin mit einer Oktanzahl von 130, ist also klopffester. Dazu ist die Verbrennungsgeschwindigkeit des Erdgas-Luft-Gemisches geringer, ein Erdgasmotor ist also laufruhiger und damit leiser.

19. Gibt es spezielle zusätzliche Überprüfungen?

Die CNG-Tanks müssen – je nach Herstellerangaben – spätestens alle drei Jahre visuell gecheckt werden. Eine Dichtheitskontrolle, die früher üblich war, wird heute automatisch bei jedem Tankvorgang gemacht.

20. Was ist CNG?

„Compressed Natural Gas“ ist verdichtetes Erdgas, das Platz in den Fahrzeugtanks spart. Der Druck in den Behältern beträgt 200 bar und mehr, so kann eine ausreichende Menge Kraftstoff mitgeführt werden.

21. Was ist ein NGV?

„Natural Gas Vehicle“ – eine andere Bezeichnung für Erdgasfahrzeuge.

22. Was ist Bio-CNG?

Darunter versteht man verdichtetes Biomethan, das zuvor aus biogenen Rohstoffen erzeugt wurde. Es ist also nicht fossilen Ursprungs, kann aber problemlos in Fahrzeugen verwendet werden – und das beinahe klimaneutral.

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