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Der Volkswagen ID.4 Pro Performance im Test

Der VW ID.4 erweist sich im Test als praktisches Elektrofahrzeug mit solider Reichweite, viel Platz und Komfort. Ein paar Schnitzer erlaubt er sich jedoch bei der Bedienung.

Volkswagen ID.4: Gute Ideen (fast) zu Ende gedacht

Da ist er also, der ID.4. Volkswagens leicht verspätete Antwort auf die E-SUV aus den USA und Korea. In diesem Fall als Pro Performance mit 77 kWh (netto) fassender Lithium-Ionen-Batterie und 204 PS starker Permanenterregter Synchronmaschine an der Hinterachse.
Schon beim ersten Hinsehen erkennt man, dass Volkswagen hier etwas Neues auf die Beine gestellt hat. Die kurzen Überhänge des bauchigen Fahrzeugs wollen so gar nicht nach klassischem Verbrenner aussehen. Vermutlich, weil der ID.4 das auch gar nicht sein will.
Die Ingenieure aus Wolfsburg unterstreichen ihre Innovation außen mit futuristisch aussehender Lichtzeichnung aber noch viel mehr mit dem geräumigen Innenraum ohne Mitteltunnel. Anders als beim Hyundai IONIQ 5 lässt sich hier zwar die Mittelarmlehne nicht verschieben, dennoch scheint sie in der ersten Reihe zu schweben und stört am hinteren Mittelsitz nicht bei den Beinen.

Volkswagen ID.4 von schräg vorne

Neu ist (nicht) immer besser

Auch an der Bedienung wurde gefeilt. Die Funktionen im Cockpit werden zum größten Teil per Touch bedient. Um die Lautstärke der Musik oder die Temperatur im Fahrzeug zu ändern, wischt man unter dem Mitteldisplay nach links oder rechts. Die Veränderungen reichen sogar so weit, dass es nur noch zwei Fensterheber gibt und per Touch-Knopf zwischen der vorderen und hinteren Reihe umgeschaltet wird. Leider ist nicht alles, was neu ist, auch gut. Um einen Knopf, der glatt ist und kein haptisches Feedback gibt, zu finden, muss man mit hoher Wahrscheinlichkeit den Blick von der Straße abwenden. Das gleiche gilt für die nicht beleuchteten Slider unter dem Mitteldisplay. Man möchte schließlich auch bei Dunkelheit manchmal die Temperatur im Fahrzeug verändern.

Dafür gibt es bei der Navigation jetzt hilfreiche Augmented Reality Pfeile im Head-up-Display und eine LED-Leiste, die in die Abbiegerichtung wischt. Das sieht nicht nur super aus, sondern ist auch sehr aufmerksamkeitsstark, wie man hier im Video (leider mit einem ID.3) sieht:

Dieser Spagat zwischen Innovationen, die wirklich nützlich sind und solchen, die ein wenig nerven, zieht sich beim ID.4 durch das komplette Fahrzeug. Der Bedienung der Klimaanlage stehen intelligente Heiz-Modi gegenüber, die beispielsweise gezielt die Füße wärmen. Auch die elektronischen Helferlein sind davon betroffen. So leistet der Spurhalteassistent in Zusammenarbeit mit dem Abstandstempomat auf der Autobahn und sogar in der Stadt hervorragende Arbeit, schwimmt mit dem Verkehr und verzögert nur so viel wie notwendig. Beim Einparken in engen Lücken sorgte der Bremsassistent in Kombination mit Auto-Halt dagegen für einen mittelmäßigen Schweißausbruch bei mir. Jedes Mal, wenn ich mich im Kriechmodus dem anderen Auto genähert habe, hat der ID.4 eine Vollbremsung hingelegt. Auto-Halt hat daraufhin verhindert, dass das Fahrzeug einfach wieder anrollen kann. Ein intelligentes Fahrzeug sollte hier die Situation erkennen und die Systeme automatisch deaktivieren – oder mich zumindest fragen. So musste ich mich durch die nicht übermäßig intuitiven Menüs wühlen, bis ich problemlos einparken konnte.

Fahren und laden im Volkswagen ID.4

Beim Fahren zeigt sich der VW ID.4 Pro Performance wieder von seiner besten Seite. Seine maximalen 310 Nm Drehmoment lassen sich gut dosieren und beim Durchtreten des rechten Pedals beschleunigt das 2,2-Tonnen schwere SUV in 8,5 Sekunden auf 100 km/h. Schluss ist bei 160 km/h. Die Rekuperation lässt sich im ID.4 nur zweistufig über die Automatik-Modi D und B regeln. Auf B kommt beinahe ein One-Pedal-Feeling auf und die Rekuperation sorgt für eine ordentliche Verzögerung. Unebenheiten im Boden bügelt die Federung gut weg und die akustische Dämmung sorgt für einen leisen Innenraum beim Fahren.

Die „praxisnahe“ Reichweite des ID.4 Pro Performance gibt VW recht grob mit 360–520 km bzw. 517 km nach WLTP an. Bei 77 kWh Netto-Batteriekapazität und einem durchschnittlichen Verbrauch von 16,5 kWh auf 100 km liege ich mit theoretischen 466 km im Mittelfeld. Als ich bei niedrigen Temperaturen die Heizung aktivierte, lag der Verbrauch nach 2 Tagen in der Stadt bei etwa 20 kWh.

Um die Akkus wieder voll zu bekommen, stehen einem bei Wechselstrom bis zu 11 kW und bei Gleichstrom maximal 125 kW Ladeleistung zur Verfügung. Damit benötigt eine Ladung von 0 auf 100 % an der Wallbox etwa 7,5 Stunden und von 5 auf 80 % an der (min.) 125 kW starken Schnellladestation laut Datenblatt 38 Minuten. Von den 18 Minuten, die der Hyundai IONIQ 5 für die Ladung von 10 auf 80 % benötigt, ist der ID.4 damit doch deutlich entfernt.

Volkswagen ID.4 Cockpit

So viel kostet der ID.4 Pro Performance

Der einmotorige, 204 PS starke Volkswagen ID.4 Pro Performance kostet derzeit mindestens 48.890 Euro – damit ist er seit März 2021 schon um mehr als 5.000 Euro teurer geworden! LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, Wärmepumpe oder Abstandsradar sind hier schon inkludiert. Bei meinem Testwagen kamen unter anderem noch 21-Zoll Räder (+ 1.878 €), Metallic-Lackierung (+ 675 €), das Interieur-Paket in Florence-Braun (+ 1.400 €), das Design-Paket „Plus“ + Assistenz-Paket (+ 3.550 €), eine ausklappbare Anhängevorrichtung (+ 978 €) und noch ein paar weitere Positionen auf der Aufpreisliste dazu. Insgesamt ergibt sich so ein Testwagenpreis von 59.060 Euro. Der bereits erwähnte Hyundai IONIQ 5 aus unserem Test kostet um etwa 1.600 Euro mehr.

VW ID.4 Preis zu Reichweite Grafik Vergleich Price Range Comparison Konkurrenz
Der Kaufpreis im Verhältnis zur Reichweite | Picture © autofilou.at

Fazit

Ähnlich wie es Tesla vor ein paar Jahren gemacht hat, bringt auch der VW ID.4 viele Innovationen mit, was Bedienung oder intelligente Funktionen angeht. Manche davon fand ich überzeugend, andere weniger, aber insgesamt ist das Auto eben etwas Besonderes. Daher verstehe ich die Leute, die vom ID.4 angetan sind. Wobei er sich bei der Konkurrenz sowohl im eigenen Haus in Form des Skoda Enyaq, als auch bei Fahrzeugen wie dem KIA EV6, dem Hyundai IONIQ 5 oder dem Ford Mustang Mach-E warm anziehen muss.

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