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Das Tesla Model 3 Performance im Test!

Ein lang ersehnter Wunsch geht in Erfüllung: Endlich darf ich ein Tesla Model 3 im Fuhrpark von autofilou begrüßen.

Tesla Model 3 Performance: Die perfekte Art der Fortbewegung?

Wer Elektroautos auch im Jahr 2020 noch abschwört, der sollte schleunigst eines Probe fahren. Mich begeistern die E-Autos seit der ersten Generation des Nissan LEAF (2012). Wozu Stromer aber mittlerweile im Stande sind, zeigte mir vor einiger Zeit das Tesla Model S P100D: Sie schaffen es gut auszusehen, lange Distanzen zu überwinden und unfassbar beschleunigungsstark von dannen zu ziehen. Freilich zu einem Anschaffungspreis, der für viele eine unüberwindbare Hürde darstellt… und selbst wenn nicht, dann ist es halt kein „deutsches Qualitätsprodukt“. So zumindest immer die Vorurteile. Und die Kritiker haben Recht behalten – zumindest auf den ersten Blick. Denn im letzten Jahr (2019) wurden „lediglich“ 389 Model S in Österreich Neuzugelassen, vom noch teureren Model X gar nur 235 Einheiten. Auf den zweiten Blick jedoch, kam Elon Musks dritte Waffe zum Einsatz, das Model 3. Und boom, gleich im ersten (nicht einmal vollen) Verkaufsjahr schießt die Kompakt-Limousine mit 2.342 Neuzulassungen auf Platz 1 der Elektroauto-Liste. Deutlich vor BMW i3 (1.191 Stück) sowie Renault ZOE (944 Stück).

Das Tesla Model 3 will man haben, oder …

Nach den gut 500 Testwagen, die in den letzten 10 Jahren durch meine Hände gingen, kann ich keine anderen Fahrzeuge nennen, die – für mich – solch einen Will-haben-Faktor aufweisen, wie die Elektroautos von Tesla. Vor allem das eben gefahrene Tesla Model 3 Performance – zu erkennen unter anderem an der Carbon-Abrisskante, am Heckdeckel und den 20-Zöllern. Mit insgesamt maximal 487 PS ist die Leistung der beiden verbauten Elektromotoren angegeben. Wie das vorwärtsdrückt, ist immer noch erstaunlich. 3,4 Sekunden auf 100 km/h gibt Tesla für das 1,9 Tonnen leichte Model 3 an. Abgesehen von der Beschleunigung fährt sich das Model 3 Performance ohne Fehl und Tadel. Federung und Dämpfer sind ausgewogen, die Lenkung ist gefühlvoll und der Lenkwiderstand in drei Stufen (Komfort, Normal & Sport) einstellbar, und Seitenneigung scheint ein Fremdwort für das Model 3. Noch dazu ist die Sicht nach vorne, dank schmaler A-Säulen, als auch nach hinten, durch die weit nach oben gezogene Heckscheibe, sehr gut. Die Geräuschkulisse geht bis Autobahntempo in Ordnung und finde ich auch darüber, entgegen zahlreicher andere Berichte, vollkommen vertretbar.

… nicht?

Nach zwei Wochen, ist mein Fazit dennoch etwas getrübt. Denn bei 0 bis 12 Grad Außentemperatur hat das Model 3 Performance so seine Probleme hinsichtlich Reichweite. Bei 135 nach GPS gefahrenen km/h – der Tacho weißt hier eine Abweichung von lediglich zwei km/h nach oben auf! – sind maximal 320 Kilometer möglich. Einziger Trost: Glaubt man zahlreichen deutschen Model 3 Fahrern ist die Reichweite bzw. der Durchschnittsverbrauch stark von der Außentemperatur abhängig. Während ich mit 22 bis 23 kWh pro 100 Kilometer unterwegs war, berichten andere Model 3 Fahrer bei Außentemperaturen von 15 bis 25 Grad Celsius von 15 bis 18 kWh. Meine Werte sprechen somit keinesfalls Bände. Die nach WLTP angegebenen 530 Kilometer des Model 3 Performance dürften also unter besseren Umständen selbst bei höheren Geschwindigkeiten nahezu erreichbar sein. 75 kWh fasst übrigens die Lithium-Ionen-Batterie.

Lademöglichkeiten essenzieller als Reichweite!

Weil das Tesla-eigene Supercharger-Netz in weiten Teilen Europas dicht ausgebaut ist, waren aber auch meine 320 Kilometer kein Thema. Vor allem der Supercharger an der Westautobahn-Abfahrt Sankt Valentin überraschte mit guten Ladeleistungen von bis zu 123 kW beim Gleichstrom-Laden (Laut Tesla sind dank CCS-Stecker bis zu 150 kW DC möglich). Bei fast leerem Akku waren so in 45 Minuten Ladezeit 420 Kilometer Reichweitenzugewinn – zumindest laut Bordcomputer – möglich. Beim Wechselstrom-Laden (AC) „schwächelt“ das Model 3. Hier sind nur 11 kW möglich. Spitzenkandidat bleibt hier weiterhin der Renault ZOE mit 22 kW.

Während der Ladezeit erfreute die gute Spieleauswahl im grandiosen Infotainmentsystem. Die wird, dank over-the-air-Updates, also Software-Updates aus dem Internet, immer umfangreicher. Und neben Spielen, kann auch Karaoke gesungen, Netflix oder YouTube geschaut, Spotify gehört oder mit dem Furzkissen gespielt werden.

 

Andere OEMs sehen blass aus!

Das Model 3 zeigte mir auch, dass es nicht unbedingt ein vertikaler Monitor sein muss, wie in Model S und X. Der 15 Zoll (38 cm) große Monitor im Querformat funktionierte um nichts schlechter, als seine Hochformat-Brüder. Überhaupt ist der Model 3-Innenraum so arg aufgeräumt, dass alles andere altbacken wirkt. Selbst das gelungene, aktuelle Mercedes-Benz-Interieur kann hier nicht mithalten. Skandinavisch schlicht trifft es wohl am besten. Und ja, auch ich bin eigentlich ein Tasten-Fetischist, mag haptisches Zeug. Doch weil das Grundlegende (Fahrlicht, personalisierte Außenspiegel-Position, …) in Teslas nahezu zur Perfektion hin durchdacht ist, störte mich die überwiegende Touch-Bedienung zu keiner Zeit.

Beifahrer bemängelten das Öffnen des Handschuhfachs nur übers Display. Mich hingegen störte mehr, dass auf induktives Smartphone-Aufladen vergessen wurde. Zum Glück gibt’s hierfür für die Mittelkonsole Nachrüstoptionen von Drittanbietern. Es ist zwar auch eine Zweizonen-Klimaanlage verbaut, doch die Gebläse-Geschwindigkeit kann nur gesamtheitlich statt für Fahrer und Beifahrer separat verstellt werden.

Schlank und modern ist die Tesla-App fürs Smartphone. Die unzähligen Möglichkeiten würden schon für eine extra Story reichen. Hier ein kurzer Auszug: Der Fahrzeug-Standort lässt sich jederzeit einsehen, das Auto kann aus der Ferne entsperrt und die Freigabe zum Starten gewährt werden. Weiters kann der Ladezustand gecheckt, die Ladung gestartet und gestoppt sowie die Sitzheizungen einzeln und Klimaanlage aktiviert werden. Klar, Datenschützer ist das alles ein Dorn im Auge, mir jedenfalls nicht. Ich vertraue auf die Software-Entwickler aus Palo Alto. Datenschützern ist auch der „Sentry Mode“ (z. Dt. Wächtermodus) nicht so Recht. Hier zeichnet das Model 3 über vier der acht verbauten Außenkameras fortwährend auf einen in der Mittelkonsole platzierten USB-Stick Videos auf. So wird jeder Parkrempler oder jede andere Gefahrensituation festgehalten. Auf die bereits installierte Interieur-Kamera oberhalb des rahmenlosen Rückspiegels darf Tesla hierzulande noch nicht zurückgreifen.

Raumangebot ausreichend!

Das „skandinavisch schlichte“ wird in meinem Test-Model 3 zusätzlich durch die weiße Innenausstattung betont. Die polarisiert. Entweder wurde sie sofort in die Zuhälter-Ecke abgeschoben oder voll gehypt. Von mir letzteres, meine Freundin würde die schwarze Version bestellen. Abgesehen von dieser Oberflächlichkeit sitzt es sich äußerst komfortabel – auf allen Plätzen. Mit klassischem Sitzkomfort wie wir es aus deutschen Limousinen kennen, hat das nichts zu tun. Ich werde eher an einen großen Fauteuil erinnert. Das erstaunliche: Es bietet gleichzeitig guten Seitenhalt. Für mein Model 3 Performance würde ich mir dennoch etwas mehr seitliche Unterstützung wünschen. Die Rückbank der 4,7 Meter langen Limousine geht in Ordnung. Hier wird es eher bei der Kopffreiheit eng, bevor es die Beine trifft. Die Kofferraum-Öffnung ist leider klein ausgefallen – weil es sich hier um einen Heckdeckel und keine an der C-Säule angeschlagene Heckklappe handelt (wie beim Tesla Model S). Der Kofferraum hingegen erfreut mit 542 Liter Volumen. Die Angabe des Ladevolumens bei umgelegten Sitzen vorenthält mir das Handbuch leider.

2020 Tesla Model 3 Performance Test Review Fahrbericht weiß white

Fazit

Mehr Suchtfaktor löst derzeit kein anderes Fahrzeug dieses Segments in mir aus. Es fährt nicht schlechter als die Verbrenner-Konkurrenz, kostet (ab 46.700 €, Testwagen: ab 61.890 €) nicht mehr als ein vergleichbarer Premium-Mittelklassewagen und kommt mit brauchbaren Eckdaten daher. So umfangreich konnte ich lange nicht über ein Fahrzeug berichten. Die Freude liegt in den vielen Details, die einen Tesla einzigartig machen. Chapeau Elon, ich freu mich auf das Model Y und die Überarbeitungen von Model S und X!

2020 Tesla Model 3 Performance Test Review Fahrbericht weiß white