Der neue Polestar 2 im ersten Test!
In letzter Zeit präsentieren sich viele Fahrzeuge in der Schnittmenge von Design, Technik, Dynamik und Nachhaltigkeit. Dem neuen Polestar 2 glaubt man das auch.Polestar 2: A Polestar is born!
Polestar, die Tochterfirma von Volvo und Geely, will nicht nur schöne Autos bauen, sondern auch mit alten Konzepten in der Fahrzeugbranche brechen. Das beginnt schon bei der Nomenklatur der Fahrzeuge. Für jedes neue Modell wird der Counter weitergezählt. Den Polestar 2 gibt es also nur jetzt, danach die Nummer 3, dann 4 und so weiter. Neue Fahrzeuge werden nach den Trends am Markt entworfen und nie neu aufgelegt. So jedenfalls die Idee.
Auch der Kaufprozess soll bei Polestar anders ablaufen und zu einer „digital experience“ werden. Sowohl in den Showrooms (der erste öffnet in der Wiener Herrengasse), die eher wie Kunstgalerien aussehen und nicht an Händler gebunden sind, als auch zu Hause läuft der Kaufprozess vollkommen digital ab. Wie überall im E-Commerce gilt dann auch beim Polestar ein zweiwöchiges Rückgaberecht.
In einem zweiten Schritt werden die Fahrzeuge dann in einem Hand-Over-Center an die neuen Besitzer ausgefolgt. Der Kaufprozess soll dabei ganz simpel ablaufen, da es den Polestar 2 nur mit einer Handvoll Optionen gibt, darunter Lederbezüge, eine Anhängerkupplung und ein Sportpaket.
Da es derzeit in Österreich weder einen Showroom noch einen Hand-Over-Center gibt, finden die Probefahrten mit den Fahrzeugen im Hilton Waterfront in Wien statt. Ab September kann man den Polestar 2 dann kaufen und die Auslieferungen beginnen im Oktober. Bis dahin können sich Interessenten ja mal mit der Produktnachhaltigkeitsdeklaration von Polestar auseinandersetzen.
Der Polestar 2: Pure, Progressive, Performance
Nun aber mal zum Fahrzeug. Polestar konstruiert seine Fahrzeuge mit diesen 3 Worten im Kopf: Pure, Progressive, Performance. Der 4,61 Meter lange und 2.123 kg schwere Polestar 2 kommt vorerst ausschließlich in einer Motor- und Akkukonfiguration nach Österreich. Und zwar mit 408 PS, 660 Nm und Allradantrieb. Die Energie kommt aus einem 78 kWh (75 kWh netto) großen Lithium-Ionen-Akku, der in 27 Modulen im Fahrzeugboden verbaut ist. Nach WLTP sind damit 470 km am Stück möglich, in der Stadt sogar 560 km. Realistisch werden wohl je nach Temperatur und Fahrverhalten 300–400 km möglich sein.
Ist der Akku mal leer, kann er über das im 35 Liter großen Frunk gelagerte Kabel wieder aufgeladen werden. Am Drehstrom funktioniert das mit bis zu 11 kW, am Gleichstrom mit bis zu 155 kW. Der Ladevorgang von 10–80 % soll so in 35 Minuten möglich sein.
Ob das Laden so funktioniert, konnte ich bei der ersten Rundfahrt leider nicht testen. Dafür konnte ich mich von der fulminanten Beschleunigung (4,7 s/0–100 km/h) überzeugen. Auch wenn man mittlerweile öfter Beschleunigungswerte von unter 4 oder sogar 3 Sekunden liest, sind 4,7 Sekunden wirklich verdammt schnell. Der Polestar verbeißt sich geradezu im Asphalt und schiebt brutal nach vorne, bleibt dabei im Innenraum aber so leise als müsste er sich überhaupt nicht anstrengen. Nimmt man den Fuß vom Strompedal verzögert der Polestar 2 ordentlich, die optionale Brembo-Bremsanlage erledigt den Rest. Aber insgesamt fällt auf: Kein künstlicher Sound, keine qualmenden Reifen. Auch wenn der Polestar ordentlich Power hat, bleibt er stets ruhig und besonnen.
Google Maps als Navi: If you can’t beat them, join them
Diese Ruhe strahlt der Polestar 2 auch im Innenraum aus. Was Volvo mit dem XC90 begonnen hat, führt der Polestar in Perfektion aus: Wenig Knöpfe, glatte Flächen, klare Anzeigen. Der Startknopf ist Geschichte. Zum Losfahren schaltet man einfach auf D und steigt aufs Pedal – endlich hat noch jemand außer Tesla verstanden, dass das wirklich angenehm ist.
Die Inhalte der beiden Displays erinnern eher an für das Handy optimierte Landing Pages als an sportliche Instrumente, und lassen sich dank Google-Basis auch ebenso einfach und schnell bedienen. Latenzen, wie man sie zum Beispiel von Peugeot und Opel kennt, findet man hier nicht. Das Menü reagiert sofort auf jeden Klick, erkennt Multi-Touch beim Zoomen, findet mit Google Maps sofort die beste Route und jede Umfahrung und lässt sich alternativ auch über die Sprachsteuerung bedienen. „Hey Google! Spiel auf Spotify Mando Diao!“, und schon hört man die schwedische Band über die hervorragende harman/kardon®-Soundanlage, während man es sich in den elektrisch verstellbaren Stoffsitzen gemütlich macht und den Polestar teilautonom fahren lässt.
Ein kleiner Wermutstropfen wäre da noch: Da sich der Polestar 2 die Plattform mit dem Volvo XC40 teilt, gibt es auch bei ihm einen Mitteltunnel bei den Füßen in der 2. Reihe und er muss auf ein Head-up-Display verzichten.
So viel kostet der Polestar 2
Dass man all die Annehmlichkeiten nicht ganz billig bekommt, ist vermutlich klar. 55.900 Euro kostet der Polestar 2 im Online-Shop. Die Elektro-Förderung wird hier noch abgezogen, einen Händlerrabatt gibt es aber nicht mehr (wie auch, ohne Händler). Extra gibt es das Performance Paket mit goldenen Brembo Bremssätteln und Öhlins Stoßdämpfern um 6.000 Euro, eine Sonderlackierung oder 20-Zoll Felgen um je 1.000 Euro sowie die Ledersitze inklusive Holzdekor um 4.500 Euro.
Fazit
Polestar hat mit dem Polestar 2 ein schön unaufgeregtes und doch aufregendes Fahrzeug entwickelt. Für mich ist der Polestar 2 dem Tesla Model 3 sehr ähnlich. Beide Fahrzeuge richten sich an eine IT-affine Zielgruppe. Doch während Tesla Eastereggs für Technik-Nerds versteckt, übernimmt Polestar den Part des ernsten Puristen mit hoher Materialanmutung. Ich freue mich jedenfalls schon auf einen ausführlicheren Test.