Der 2025 KIA EV3 GT-line im Test!
Mit dem EV3 bringt KIA einen kompakten, aber multifunktionalen Stromer auf die Straße und räumt dabei im eigenen Produktportfolio auf. Geht die Rechnung auf?KIA EV3 GT-line: Einer für alle
Einst war der VW Golf das Auto für alle. Heute, im Elektrozeitalter, interpretiert KIA diese Rolle neu: mit dem EV3. Er ist nicht nur ein praktischer Kompaktwagen, sondern macht gleichzeitig e-Soul und e-Niro überflüssig. Ein Elektro-SUV, das für möglichst viele Bedürfnisse taugt – vom täglichen Stadtverkehr über Familienlogistik bis hin zu Wochenendtrips. Klingt ambitioniert? Ich habe mir angesehen, ob der EV3 wirklich „einer für alle“ sein kann.
In der GT-line und lackiert in Ivory Silver tritt der EV3 im typisch futuristischen KIA-Design auf. Die scharf gezeichneten Kanten, die markanten Tagfahrlichter und die klaren Proportionen lassen ihn deutlich erwachsener wirken, als die 4,3 Meter am Datenblatt vermuten lassen.
Die schwarzen 19-Zoll-Felgen der GT-line – Serienausstattung – geben dem Auto einen selbstbewussten Auftritt, sind aber nicht übertrieben groß. Alternativ kann man auch mit budgetschonenden 17-Zöllern unterwegs sein.
Der Innenraum des KIA EV3
BMW hat es vorgemacht, KIA macht es nach: Ein Cockpit für alle Klassen. Der Innenraum des EV3 sieht daher fast genauso aus wie beim viel größeren EV9 – mit allen Vor- und Nachteilen. Übersichtliche Darstellung, gute Reaktionszeiten und moderne Optik. Die harman/kardon®-Soundanlage liefert klaren, druckvollen Klang und wertet den Innenraum akustisch spürbar auf. Allerdings ist auch die Konsole mit den Touch-Tasten dabei, deren Sensitivität (zumindest bei meinen Fingern) zu wünschen lässt.
Vorne sitzt man etwas erhöht, aber solide eingebettet. Die zweifarbigen Kunstledersitze sehen modern aus, sind beheizbar und belüftet, und taugen auch für längere Etappen. Die Materialanmutung ist solide KIA-Kost: nichts Überkandideltes, aber funktional und sauber verarbeitet.
In der zweiten Reihe zeigt der EV3 dann eine weitere Stärke. Dank fehlendem Mitteltunnel gibt es reichlich Bein- und Fußraum, und die Kopffreiheit passt ebenfalls. Für ein kompaktes Elektroauto ist das erstaunlich viel Platz.
Der Kofferraum fasst immerhin 460 Liter – im Segment ist das ein hervorragender Wert. Der maximale Stauraum beläuft sich auf 1.251 Liter. Und dank der eckigen Form des EV3 kann man dieses Ladevolumen tatsächlich nutzen – auch für sperrige Gegenstände. Für das Ladekabel gibt es dann nochmal 25 Liter Nassvolumen unter der Motorhaube im sogenannten Frunk.
Ein kleines Rätsel bleibt mir die Mittelkonsole: Man kann nur den nicht gepolsterten Teil verschieben, was funktional kaum einen Vorteil bringt. Soll ich dort etwas abstellen können? Essen? Einen Laptop? Ich weiß es leider nicht. Aber irgendwas werden sich die Ingenieure bei KIA wohl dabei gedacht haben.
Motor & Fahren
Der KIA EV3 nutzt den bekannten 204-PS-Elektromotor mit Frontantrieb. Sportliche Wunder sollte man nicht erwarten, aber eine Beschleunigung von 7,7 Sekunden auf 100 km/h ist wirklich nicht übel. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 170 km/h begrenzt. Im Alltag fährt sich der EV3 unauffällig – und das ist positiv gemeint. Die Leistungsentfaltung ist linear, die Lenkung angenehm leichtgängig und die Federung überraschend erwachsen. Fahrbahnunebenheiten oder Temposchwellen werden anständig absorbiert.
In der Stadt wirkt der EV3 agil, auf der Stadtautobahn ausreichend kräftig, und selbst auf der Landstraße bleibt er gelassen. Kein sportliches Gerät wie ein EV6, aber ein äußerst entspannter Begleiter im Alltag. Das Fahrgefühl erinnert eher an die Klasse darüber – ruhig, leicht gleitend, souverän. Wenn da nicht das ständige Piepsen wäre.
Assistenzsysteme & Bedienung
KIA hat viele Assistenzsystemen verbaut – vielleicht zu viele. Der EV3 piepst sehr oft und sehr gerne. Geschwindigkeitswarnung, Abstandsüberwachung, Aufmerksamkeitsassistent – kennt ihr diese Kinder, die immer fragen, ob sie etwas fragen dürfen? Genau so fühlt es sich an. Dabei funktionieren die Systeme grundsätzlich gut und erfüllen ihren Zweck, aber sie melden sich zu häufig, was nach einer Weile wirklich an den Nerven sägt. Wo ist das vibrierende Lenkrad hin?
Das Abschalten der Systeme ist möglich, aber nur mühsam über das Menü oder etwas schneller mit der Favoritentaste und dann noch im Menü, also mit mehreren Klicks. Andere Hersteller lösen das deutlich direkter.
Positiv ist wiederum das Head-up-Display: klar, ausreichend groß, gut ablesbar und angenehm integriert.
Reichweite & Laden
Den KIA EV3 gibt es mit zwei verschiedenen Akkus: 58,3 und 81,4 kWh. Mein Testwagen hat den größeren Akku verbaut, für einen Kompakten eine sehr ordentliche Größe, die bei einem Testverbrauch von 17,5 kWh/100 km (eher Stadt-lastiger Mix von Stadt/Land/Autobahn) für eine maximale Reichweite von 460 km sorgt. Von den mehr als 600 km im Datenblatt ist man hier zwar ein Stück entfernt, aber ich hatte mit dem KIA EV3 nie das Gefühl, dass die Reichweite zu gering ist.
Lädt man nur von 10 auf 80 Prozent, sind immer noch 320 km möglich. Wer flotter unterwegs ist, wird weniger als 300 km fahren, bis er wieder laden muss – und genau hier konnte mich der EV3 leider nicht überzeugen. 31 Minuten von 10 auf 80 Prozent gehen im Jahr 2025 am Gleichstrom-Schnelllader nicht mehr als Glanzleistung durch. Die maximale Ladeleistung liegt bei überschaubaren 102 kW. Die hält er dafür immerhin über einen sehr langen Zeitraum bis etwa 70 Prozent. Vermutlich schont KIA hier die Batterie bewusst, um keine Garantiethemen aufzureißen, denn andere 400-Volt-Fahrzeuge laden hier deutlich schneller. Ein ähnlich großer MG MG4 beispielsweise in deutlich unter 26 Minuten, ein Volvo EX30 in 28 Minuten und ein smart #1 auch noch in unter 30 Minuten von 10–80 Prozent. An einer 11 kW-Wallbox dauert es, laut KIA, 7:15 Std von 10 bis 100 %.
Im Übrigen ist der KIA EV3 auch für bidirektionales Laden und für die Einspeisung von Energie ins Stromnetz ausgerüstet.
So viel kostet der KIA EV3
Den KIA EV3 gibt es mit kleiner Batterie in der Ausstattungslinie Air ab 37.090 Euro. Mein Testwagen mit großer Batterie in der höchsten Ausstattungslinie GT-line kostet mindestens 53.190 Euro und kommt mit sehr üppiger Serienausstattung wie 360°-Kamera, einer elektrischen Heckklappe, harman/kardon®-Premium Soundsystem, Head-up-Display, Remote Parking Assistent und zweifarbigen Premium Relaxation Sitzen aus Kunstleder mit Sitzheizung und -belüftung. Dazu kommen noch die Metallic-Lackierung Ivory Silver (+1.600 €) und das Glasdach-Paket (+600 €). Macht insgesamt 55.390 Euro. Absolut kein Schnäppchen für ein 4,3 Meter langes Auto. Vor allem wenn der etwas größere Bruder EV4 Hatchback mit großer Batterie in der Topausstattung nur 1.400 Euro mehr kostet.
Und die Konkurrenz? Das deutlich größere Tesla Model Y Standard mit Heckantrieb (534 km nach WLTP) bekommt man bereits um 38.570 Euro, mit größerer Batterie (622 km nach WLTP) ab 48.570 Euro – beide aus Berliner Produktion. Der Volvo EX30 Ultra Extended Range kostet ab 48.190 Euro – jedoch nur mit 475 km Reichweite nach WLTP. Und der BMW iX1 eDrive20 mit 64,8 kWh Batterie kostet mindestens 46.788 Euro (aber mit ein paar Optionen schnell deutlich mehr) – 473 km nach WLTP.
Fazit
Der KIA EV3 GT-line bietet für seine Größe viel Platz, fährt sich angenehm unauffällig, ist effizient und alltagstauglich. Dazu kommen clevere Stauraumlösungen, ein starkes Head-up-Display und ein guter Sound. Ist er also „einer für alle“? Leider nicht zu diesem Preis. Tesla mit dem Model Y und MG mit dem MGS5 bieten dasselbe oder mehr für deutlich weniger Geld. Das macht den EV3 aber nicht schlechter. Unterm Strich ist er ein kompaktes E-SUV, das vielen Menschen passen könnte.



