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Der KIA e-Soul mit 64 kWh im Test

Man muss den KIA e-Soul nicht unbedingt schön finden. Doch unter dem Blechkleid arbeitet einer der besten Stromer außerhalb der Luxusklasse.

2020 KIA e-SoulKIA e-Soul: Eckig, aber g’schmeidig

Von außen sieht der KIA e-Soul etwas ungewohnt aus, auch wenn wir ihn schon aus unseren bisherigen Tests kennen. Vielleicht sogar ein bisschen so, als wäre er einer Zeichnung von Fritz Wotruba entsprungen. Aber was die koreanischen Ingenieure unter das kubische Blechkleid gepackt haben, ist bemerkenswert: 204 PS und 395 Nm in Kombination mit den 64 kWh fassenden Lithium-Akkus bringen nicht nur eine schöne Beschleunigung auf die Straße, sondern mit 452 km nach WLTP auch eine ordentliche Reichweite. Und Reichweite ist ja immer noch die Achillesferse in der Elektromobilität. Um zu testen, ob der e-Soul diese Distanzen auch wirklich bewältigen kann, sind wir mehrere Kurz- und Langstrecken gefahren.

Wie viel verbraucht der KIA e-Soul wirklich?

In der Stadt ist der Soul ein toller Begleiter. Sein Kastenwagen-artiger Aufbau bringt viel Platz bei kompakten Außenmaßen. Der Kofferraum fasst 315 Liter (max. Ladevolumen: 1.339 l) und mit einer Länge von 4,2 Metern, bekommt man leicht einen Parkplatz. Und auch beim Verbrauch kann der Koreaner brillieren. Statt der angegebenen durchschnittlichen 14,2 kWh benötigt der e-Soul bei passiver Fahrweise rund 12 kWh. Einzelne Etappen konnte ich ohne Klimaanlage sogar mit 10,5 kWh fahren. Da wären, rein rechnerisch, 600 km mit einer Ladung möglich.
Bei schnelleren Geschwindigkeiten kann der e-Soul diese Werte leider nicht beibehalten. Bei einer längeren Etappe mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h laut Tacho (116 km/h nach GPS) und drei Personen im Fahrzeug, kamen wir auf einen Verbrauch von 14–15 kWh pro 100 km. Hier kann der e-Soul etwa die Reichweite nach WLTP verwirklichen.

Fährt man jedoch schneller, wird dem e-Soul wohl seine hohe Bauform zum Verhängnis. Bei konstanten 130 km/h nach GPS (134 km/h nach Tacho) und ohne Klimaanlage steigt der Verbrauch auf etwa 19 kWh an und reduziert die Reichweite so auf etwa 330 km. Wer von Wien nach Graz und wieder retour fährt, muss also irgendwo aufladen. Im Winter werden wohl noch ein paar Kilometer für die Heizung draufgehen.

Immerhin zeigt der Soul bei einer Veränderung der Lüftungseinstellungen sofort die angepasste Restreichweite an.

Möchte man den KIA e-Soul wieder aufladen, dauert das an der Haushaltssteckdose maximal 31 Stunden (0-100%) und mit einer 7,2 kW Wallbox 9,5 Stunden. Von einer Gleichstromschnellladestatiion kann der e-Soul maximal 80 kW. Ein Ladevorgang (0-80%) dauert hier 54 Minuten.

Und was kostet er?

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ist das aber immer noch eine beachtliche Leistung. Besonders wenn man sich das Preis/Leistungs-Verhältnis ansieht. Während viele halbwegs leistbare, elektrische Kleinwagen speziell für die Stadt konstruiert werden und nur wenig Energiespeicher verbaut haben, lassen sich Tesla, Jaguar und Audi ihre großen Akkus und die höhere Reichweite teuer bezahlen. Mit dem e-Soul geht KIA einen Mittelweg. Mit seinem Einstiegspreis von 39.390 Euro bleibt er unter der 40.000 Euro-Grenze für eine Förderung und bietet abgesehen von Leistung und Reichweite auch noch einige Extras, wie beispielsweise eine Klimaautomatik oder Voll-LED-Scheinwerfer. Für weitere 7.500 und damit insgesamt 46.890 Euro bekommt man die Platin-Version des e-Soul, die schon beinahe alle Verfügbaren Extras beinhaltet. Unter anderem Ledersitze, ein Head-up-Display auf einer kleinen, ausfahrbaren Scheibe, ein sehr potentes Harman/Kardon Sound-System mit Subwoofer im Kofferraum, Klimaautomatik, diverse Fahrassistenten sowie Sitzheizung und -belüftung.
Für die Farbkombination Neptune Blue/Cherry Black werden noch einmal 900 Euro fällig und für einen Ladeanschluss für 3-phasiges Laden mit Wechselstrom nochmal 700 Euro. So kommt unser Testwagen auf einen Gesamtpreis von 48.490 Euro.

So fährt sich der KIA e-Soul

Beim Fahrverhalten ist der KIA e-Soul eher auf der straffen Seite. Querrillen und Unebenheiten sind deutlich spürbar, haben mich aber nicht weiter gestört. Wer dem Fahrzeug die Sporen gibt, wird trotz des hohen Gewichts von etwas über 1.700 Kilogramm mit 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h belohnt. Maximal sind 167 km/h drinnen.
Wem der e-Soul nicht gefällt, der kann auch zu einem anderen Model greifen. Vergangenes Jahr konnten wir uns von den dieser gelungenen Motor-Akku-Kombination schon beim e-Niro überzeugen.

Fazit

Auch wenn der KIA e-Soul mit seinem Äußeren manchmal aneckt, ist es doch ein sehr g’schmeidiges Auto. Ja sogar eines der komfortabelsten und kompromisslosesten Elektro-Fahrzeuge unterhalb des Luxussegments, die man derzeit bekommt. Für die Stadt würde ich ihn uneingeschränkt empfehlen. Und für längere Strecken muss man halt Ladestopps einplanen.

Christoph Adamek
Christoph Adamek Auto, Motorrad, Fotografie und Technik - und nirgends volle Punktezahl
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