Infiniti Q50S Sport Tech 3.5 Hybrid AWD AT im Test!

Wenn man in unseren Breiten von der gehobenen Mittelklasse spricht, denkt man unweigerlich an Audi A4, BMW 3er und Mercedes-Benz C-Klasse. Wer sich jedoch vom Einheitsbrei abheben will, sollte auf jeden Fall den Infiniti Q50 auf dem Schirm haben.

Infiniti Q50S Hybrid: Gehobene Mittelklasse mal anders!

Es ist schon länger her, seit ich das letzte Mal in einem Infiniti gesessen bin, damals im Q30, und auch auf der Straße trifft man diese Fahrzeuge nur selten an. Kein Wunder, denn die Nobeltochter von Nissan hat in Österreich nur einen einzigen Stützpunkt (im Süden von Wien) und dadurch halten sich auch die Absatzzahlen hierzulande sehr in Grenzen.

Der Infiniti Q50S hat viele Stärken …

Schade eigentlich, denn Infiniti hat mit dem Q50S ein Auto auf die Straße gestellt, dass sich wirklich sehen lassen kann. Unter der Motorhaube der 4,8 Meter langen Limousine werkt in meinem Fall ein 3,5-Liter V6-Benziner mit 306 PS. Und als ob das noch nicht genug wäre, hilft noch ein 68 PS starker Elektromotor mit.

Das Ergebnis ist eine Gesamtleistung von 364 PS mit 546 Nm Drehmoment und ein Sprint von 0 auf 100 in 5,4 Sekunden. Bei 250 km/h wird elektronisch abgeriegelt.

Wer gerne sportlich unterwegs ist, hat hier einen neuen besten Freund gefunden. Der Allradantrieb sorgt für perfekten Grip, und doch lässt der Fokus auf die Hinterräder das Heck in schnellen Kurven leicht kommen. Bloß die Lenkung könnte etwas mehr Feedback geben. Was der Steer-by-Wire-Übertragen geschuldet jedoch im Q50 nie der Fall sein wird.

Aber auch abseits solch sportlicher Eskapaden funktioniert die Zusammenarbeit der beiden Antriebsaggregate ausgezeichnet. Das Ab- oder Zuschalten des Verbrenners ist kaum wahrnehmbar und das selbst bei langsamen Geschwindigkeiten. Und wer jetzt denkt, dass so viel Power automatisch einen exorbitant hohen Verbrauch zur Folge haben, den kann ich beruhigen: 9 Liter auf 100 Kilometer kamen im Durchschnitt heraus und selbst bei sportlicher Fahrweise habe ich die Zehn-Liter-Grenze kaum überschritten. Laut Datenblatt ist der Q50S mit Heckantrieb nochmals um etwa 10 Prozent sparsamer.

Innen sitzt man bequem auf sportlichem Gestühl. Sitze und Lenkrad lassen sich elektrisch verstellen und fahren beim Abschalten des Motors in ihre Ausgangsstellung zurück, um das Aus- und Einsteigen zu erleichtern.

Das Infotainment wird im Infiniti Q50S auf zwei Bildschirmen angezeigt, wobei der obere als Navi dient und am unteren Klima, Musik und Fahrzeugeinstellungen bedient werden können. Das klappt per Touchscreen schnell und intuitiv. Ab der Ausstattung Sport gibt es im Q50 eine Bose Performance Soundanlage, die für basslastigen Klang sorgt.

… aber auch einige Schwächen

Konzeptbedingt hat der Infiniti Q50S Hybrid Akkus verbaut, die mich zwar beim Beschleunigen erfreuen, beim Gepäck einladen jedoch ordentlich nerven. Die Akkus sind zwischen Rückbank und Kofferraum verbaut. Dadurch sinkt einerseits das Kofferraumvolumen von 500 auf 400 Liter und andererseits kann man die Rückbank nicht umlegen oder etwas durchreichen. Wer ab und zu etwas Sperriges transportieren will, wird vom Hybriden enttäuscht.

Auch das „intelligente“ Gaspedal, Eco-Pedal genannt, steht bei mir auf der Nein-Danke-Liste. Die Idee ist ja nicht schlecht: Das Gaspedal drückt leicht gegen den Fuß, wenn man zwischendurch zu kräftig draufsteht und soll so beim Spritsparen helfen. Für mich fühlte sich dieses Helferlein aber äußerst unnatürlich an und wurde nach einem ersten Ausprobieren deaktiviert. Filou Raphael schwört seit 2012 auf dieses Pedal – damals im M35h!

Einen weiteren (kleinen) Minuspunkt vergebe ich für das Infotainment-System. Erstens fragt es bei jedem Motorstart nach einer Datenfreigabe, das ist zwar sehr freundlich, aber nervt.

Zweitens wird durch eine TA-Unterbrechung jedes Lied, das vom Handy abgespielt wird, neu gestartet. Besonders unpraktisch bei längeren Mixes oder Hörbüchern! Und drittens wird beim Abschalten des Motors auch die Freisprecheinrichtung eiskalt gekappt. Da könnte man mit einem kleinen Softwareupdate nachhelfen.

Was kostet der Infiniti Q50S Hybrid?

So viel Technik ist nicht ganz billig, aber kostet zumindest weniger als bei der Konkurrenz. Den günstigsten Q50 gibts mit 2,2-Liter-Diesel um 40.285 Euro. Für unseren kräftigen Hybriden mit Allradantrieb muss man mit mindestens 57.095 Euro rechnen. (4.150 € mehr als für den Hecktriebler. Das liegt auch an 3 % mehr NoVA). In der höchsten Ausstattung Sport Tech zahlt man dann 67.550 Euro für den Q50S. Dafür bleibt nur eine einzige aufpreispflichtige Option offen: Metallic-Lack; in unserem Fall das wunderschöne „Iridium Blue“ für 950 Euro Aufpreis. Nur mal so als Vergleich: Ein BMW 340i xDrive mit Automatik beginnt bei etwa 57.000 Euro, hat aber noch keine Extras drinnen.

Fazit

Der Infiniti Q50S Hybrid vereint individuelles Design, sportliches Fahrverhalten und moderne Technik in einem Fahrzeug. Diesem feinen Komplettpaket können auch die paar Schnitzer nicht viel anhaben – trotzdem wäre es schöner, wenn man sie beheben könnte. Das Ganze gibt es zum Kampfpreis von 67.550 Euro. In meinen Augen hätte der Q50 es wirklich verdient, öfter auf die Straße zu kommen.