fbpx

Jaguar F-Type Chequered Flag: 1 Auto, 2 Meinungen

Das Jaguar F-Type Cabrio ist ein echter Hingucker – und sehr polarisierend. Raphael und Christoph sind beide mit dem offenen Sportwagen gefahren und zu ganz unterschiedlichen Schlüssen gekommen.

Wie man den Jaguar F-Type am besten genießen kann

Sportwagen sind immer schon die Meisterklasse im Fahrzeugbau gewesen. Kraftvolle Motoren, edle Materialien und formschöne Silhouetten. Sie bieten immer ein bisschen mehr, als man eigentlich braucht: zum Beispiel brachiale Leistung oder einen Lederdachhimmel. Ein bisschen so, wie die Krone aus Schlagobers auf einem Bananensplit, die eigentlich auch nicht notwendig ist. Aber dennoch ist es genau dieser Überfluss, der die Personen am Nachbartisch neidvoll herübersehen lässt. Und in ähnlicher Manier wird man an Kreuzungen fotografiert oder beglückwünscht und findet an der Tankstelle leicht Gesprächspartner.

Gleichzeitig verwöhnen diese Fahrzeuge ihre Passagiere oftmals nicht. Sie haben eine sportlich-schwergängige Lenkung oder ein hartes Fahrwerk, Sitze, die sich nicht verstellen lassen und verzichten vielleicht sogar auf eine Klimaanlage. Und wenn es sich dann auch noch um ein Cabrio handelt, wird der ohnehin schon dürftige Kofferraum nochmals verkleinert.

Rote Akzente im F-Type Chequered Flag

Eines dieser Fahrzeuge ist der Jaguar F-Type in der chequered Flag Edition. Die Sonderedition kommt mit Performancesitzen in Windsor Leder und trägt die schwarz-weiß Karierte Flagge auf den Kopfstützen. Zusätzlich werden im gesamten Fahrzeug rote Akzente gesetzt. Unter anderem bei den Ziernähten, den Gurten, dem roten Lederband am Lenkrad und den Bremssätteln. Ebenfalls Teil der Sonderausstattung ist die Mittelkonsole aus gebürstetem Aluminium sowie die diamantgedrehten 20 Zoll Felgen in glänzendem Schwarz.

Und so fährt man dann nicht nur schön, sondern mit 300 PS und 400 Nm aus einem Vierzylinder-Turbobenziner auch kraftvoll, durch Stadt und Land und verwöhnt seine Mitbürger mit dem sonoren Klang des Motors sowie lauter Musik aus dem 380 Watt starken und 10 Lautsprecher zählenden Meridian Sound System, das ich bereits aus dem Range Rover Evoque kenne. Wie ich es bei Cabrios schon öfter festgestellt habe, schwächelt es etwas bei der Klarheit des Klangs, kann dafür auch bei offenem Verdeck und Landstraßen-Tempo noch ordentlich beschallen.
Aber wie schon gesagt, hat auch der Motor klanglich etwas zu bieten. Er röhrt und ploppt ganz nach Belieben. Wer es lieber dezent mag, ist hier vermutlich nicht perfekt bedient, kann das Getöse mit einem zahmen Gasfuß allerdings auf ein Mindestmaß reduzieren und wird dafür mit einem Verbrauch um die 8 Liter Super auf 100 Kilometer belohnt. Kollege Raphael kann das halt nicht – und wundert sich dann über verdrehte Köpfe und 12 Liter Verbrauch. Da kommt man auch mit einem 63 Liter Tank nicht allzu weit.

Nicht ganz ohne Komfort im Jaguar F-Type

Auch wenn der Jaguar F-Type in der Chequered Flag Edition reine Sportlichkeit versprühen will, mangelt es ihm nicht an komfortablen Extras. Die Sitze sind beheiz- und kühlbar (1.109 € extra) und auch Windschutzscheibe und Lenkrad sind von dünnen Heizdrähten durchzogen. Die Klimaanlage hat zwar nur einen sehr kleinen Raum zu bearbeiten, für 845 Euro extra passiert das dennoch in 2 Zonen. Und dann ist da natürlich noch das Dach. Es öffnet und schließt automatisch in 12 Sekunden bei Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h. Man muss also nicht mal mehr rechts ranfahren, wenn es zu regnen beginnt.

2018 Jaguar F-Type Chequered Flag

Fazit

Knapp 94.000 Euro Startpreis schrecken etwas ab. Ein neuer, gut ausgestatter BMW Z4 mit 340 PS ist fast 15.000 Euro billiger. Dennoch weiß der F-Type mit seinem schönen Äußeren, seinem tollen Sound und seinem adeligen Image zu begeistern.

 

Warum mich der F-Type nervt. Und nicht nur mich sondern auch Passanten.

Sind wir ehrlich, Cabriofahrer sind schon ein eigener Schlag Menschen. Sie genießen die Aufmerksamkeit. Solch Dinge wie gute Rundumsicht sind ihnen egal. Selbst Ampeln zu sehen, wird bei geschlossenem Verdeck zur Herausforderung. Und klar, jetzt werden sicher einige von euch sagen: „Ein Cabrio sollte auch offen gefahren werden.“ Denen sei gesagt: Die Tage an denen man das tut, sind doch sowieso limitiert. Mal ist es zu heiß, mal zu kalt. Und die Sonne blendet irgendwie auch immer. Immerhin funktioniert die Klimaanlage gut.

2018 Jaguar F-Type Chequered Flag

Sogar die Körpergröße kann ein Hindernis sein. Die Sitzergonomie lässt zu wünschen übrig. Ganz der Sportwagen liegt man im F-Type eigentlich im Auto, wie man es auch aus der Formel 1 kennt, doch für eine gute Sitzposition lässt sich das Lenkrad nicht nahe genug zum Körper ziehen. Also nehme ich mit meinen 1,93 Metern Länge eine Position zwischen Sitzen und Liegen ein.
Zusammen mit dem deutlich auf der harten Seite ausgelegten Fahrwerk ist das keine feine Kombination. Längere Strecken: Nur auf gut ausgebauten Autobahnen! Ist halt doch kein GT, der F-Type.

Außerdem ist die Soundanlage von Meridian schlichtweg zu vergessen. Radiodurchsagen sind selbst bei voll aufgedrehten Höhen dumpf. Ein Glück, dass der 300 PS starke Vierzylinder-Turbobenziner zumindest hintenraus feinste Musik spielt. Er rotzt und ploppt genau richtig. Nicht zu viel, sonst würde es den Gentleman-Flair zerstören. Sondern gerade genug, um auch als Cabrio Sinn zu machen. Herrlich!

Warum nervt der Jaguar F-Type dann die Passanten?

Schließlich ist der schwächste F-Type keinesfalls so unerhört laut wie seine V8-Kollegen.
Nun ja, er teilt sich zumindest denselben Auftritt. Und wenn plötzlich vorausfahrende Fahrzeuge auf der Autobahn anfangen Schlangenlinien zu fahren, weil sie statt nach vorne, hintenraus schauen und sich dabei fragen, was denn da Feines fährt. Dann nervt es mich, weil die Leute lieber einmal lernen sollten, rechts zu fahren. Und von mir per Lichthupe auf die rechte Spur geschickt zu werden, nervt wohl auch.

Und dann gibt’s auch noch die andere Fraktion. Die sich neben oder hinter dem F-Type einschleifen und mich zu einem Hatzerl überreden wollen. Es nervt. Mit 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h bin ich doch sowieso schneller als die halbstarken Herausforderer.
Aber nun ja so ist es wohl wenn man ein Auto fährt, dass nicht nur gut aussieht, sondern auch Leistung hat. Im BMW i8 bin ich nie zu Hatzerl aufgefordert worden… den fanden schlichtweg alle einfach nur spacig geil.

Fazit

Für die mindestens 93.599 Euro und mit ein paar Extras 96.372 Euro, die meine Chequered Flag Edition kostet, bekomme ich eine noch sportlicher zu fahrende Alpine A110 und, sollte mich doch noch die Lust nach einem Cabrio ergreifen, einen Mazda MX-5 obendrauf.