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Der MINI Cooper SD All4 Countryman im Test

Der MINI Countryman ist der Angeber unter den kleinen SUVs. Aber mit 190 PS, Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe und individuellen Farbkombinationen kann er sich das auch irgendwie leisten.

Der MINI Cooper SD All4 Countryman: Mein Meinungsmacher

Jetzt ist es bereits 11 Jahre her, seit MINI den Countryman 2010 auf den Markt gebracht und damit den Einstieg in die (Mini)-SUV-Welt gewagt hat. Ein kühner Schritt für die damals puristische Kleinwagenmarke, der sich jedoch lohnen sollte. Mittlerweile ist mehr als jeder 4. zugelassene MINI in Österreich ein Countryman – passend zu etwa einem Drittel SUVs unter den Neuzulassungen insgesamt.

Bei den Testfahrzeugen von autofilou sind es sogar noch mehr. Als ich letztens unsere Startseite betrachtet habe, berichteten 10 von 12 Beiträgen über ein SUV. Gar nicht so einfach für mich, weil ich diese Fahrzeugform nicht so gern habe. Sie stehen im Verdacht mit ihren ausufernden Außenmaßen mehr Platz und Treibstoff zu verbrauchen als ihre flacheren Kollegen und versperren anderen Verkehrsteilnehmern eher die Sicht – und das manchmal sogar ohne einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Und der MINI Countryman? Irgendwie trifft das nicht auf ihn zu. Ist das dann überhaupt ein SUV?

Außen Country

Zumindest die schwarzen Kotflügel aus Kunststoff, die Front- und Seitenschürzen und auch die Dachreling verpassen dem kleinen Briten einen Look, zu dem der Name Countryman passt. Die immer noch kompakten Außenmaße von 4,3 Metern Länge und 1,56 Metern Höhe übertreffen die von einem VW Golf jedoch nur um wenige Zentimeter. Die Windschutzscheibe ist aber aufrechter und man sitzt auch erhöht. Okay, also doch ein bisschen SUV, aber in einem vertretbaren Ausmaß. Typisch MINI sind dagegen die serienmäßig verspielten Rücklichter in der Form des Union Jack oder die optionalen Racing Stripes auf der Motorhaube.

Innen MINI in Bestform

Der Innenraum ist MINI-typisch verspielt, die meisten Anzeigen sind rund und zusätzlich zu normalen Tasten verwendet man nach wie vor die metallisch glänzenden Kippschalter, die man sonst nur aus Oldtimern und Kampfjets kennt. Aber unter all der verspielten Optik bietet der Countryman eine beeindruckend solide Leistung: Beim JCW Trim enthaltene, ausgezeichnet geschnittene, manuell verstellbare Sitze mit ausziehbarer Sitzfläche. Ein vom Startknopf bis zur Navigation schnell ansprechendes Betriebssystem (außer wenn man Lieder über das HUD auswählt, das dauert ewig), das recht einfach zu bedienen ist und dazu gibt es noch – sonst nicht MINIs Kernkompetenz – einiges an Platz für Passagiere und Gepäck. Zwar kann man die Sitze der ersten Reihe nicht besonders weit nach hinten schieben, dafür die der  zweiten und dort auch noch halbwegs bequem sitzen. Im Kofferraum stehen dann bis zu 450 Liter Volumen zur Verfügung. Bei umgeklappter Rückbank sind es sogar 1.390 Liter. Der zwei Zentimeter kürzere Golf hat hier mit 380 bis 1.237 Litern das Nachsehen.

Der Countryman ist aber nicht nur praktisch, sondern sorgt auch für Wohlfühlambiente. Die ausgezeichnete harman/kardon®-Anlage beschert guten Sound (die hätte dem 218i auch gutgetan), Klimaautomatik und Sitzheizung sorgen für eine wohlige Temperatur und das dynamische Fahrverhalten erfreut schon ab dem Losfahren.

Kein Gokart-Feeling, aber sportlich

Apropos Fahren: Der Cooper SD Countryman liegt zwar nicht so satt auf der Straße wie sein kleiner Bruder, aber fühlt sich dennoch sehr sportlich an. Das liegt einerseits am optionalen adaptiven Fahrwerk (533 €) aber natürlich auch am 190 PS starken Vierzylinder-Turbodiesel, der über die 8-Gang-Steptronic maximal 400 Nm Drehmoment an alle vier Räder weiterleitet – genau genommen grundsätzlich an die Vorderräder und bei Bedarf über eine elektrohydraulische Kupplung auch an die Hinterräder.
Von 0 auf 100 km/h vergehen 7,6 Sekunden, wenn man das Pedal vollends durchtritt. Also etwa eine halbe Sekunde weniger als beim fünftürigen MINI Cooper mit 136 PS. Aber zwischen den beiden liegen auch fast 400 Kilo Unterschied. Auch über den in Österreich erlaubten 130 km/h hängt der Countryman gut am Gas, insbesondere im Sportmodus, und vermittelt stets den Eindruck noch ein paar Reserven zu haben. Bloß die Windgeräusche werden dann etwas laut. Maximal sind übrigens 224 km/h möglich.

Auch wenn bei MINI-FahrerInnen der Diesel deutlich seltener gewählt wird als der Benziner (für die kleineren Modelle ist der Diesel daher nicht mehr zu haben), hat der Selbstzünder seine Vorteile: Das oben bereits erwähnte, kräftige Drehmoment und gleichzeitig der gezügelte Verbrauch. Bei mir standen nach mehreren hundert Kilometern im Schnitt 6,5 Liter pro 100 km am Bordcomputer. Im Eco-Modus und bei gezügelter Fahrweise kommt man aber bestimmt unter 6 Liter. Und mit dem für 50 Euro optional erhältlichen 61 Liter Tank (statt 51) sind so über 1.000 Kilometer am Stück möglich. Das hat schon was.

Und der Preis?

Spätestens seit dem Rebranding in 2015 ist MINI eine Premium-Marke und zeigt das auch bei den Preisen. Den günstigsten Countryman bekommt man als One um 27.750 Euro mit einem 110 PS Benziner. Für unseren Cooper SD All4 muss man schon mindestens 41.200 Euro zahlen. Mit dem John Cooper Works Trim (5.658 Euro), 19-Zöllern, dem Navigation Plus Paket (2.095 Euro) und noch etlichen anderen größeren und kleineren Extras kostet unser Testwagen 61.069 Euro. Um beim Vergleich mit dem VW Golf zu bleiben: Beim 150 PS Diesel mit Vollausstattung bleibt man etwa 10.000 Euro darunter.

Fazit

Vielleicht muss ich meine Meinung gegenüber (manchen) kleinen SUVs nochmal überdenken. Der MINI Cooper SD Countryman macht einfach sehr vieles richtig. Wer will, kann sofort losfahren und muss sich um wenig kümmern. Man kann sich aber auch im großen Funktionsumfang verlieren, mit dem Allrad über Schnee- und Schotterstraßen fegen oder problemlos lange Distanzen abspulen. Das kann auf 4,3 Metern wahrlich nicht jeder.

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