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Der Volvo S90 T8 Recharge AWD im Test!

Volvo will 2030 nur noch Elektroautos bauen. Bis dahin beglücken uns die Schweden mit elektronisch unterstützen Vierzylindern und massig Power. Wie etwa im Flaggschiff Volvo S90 T8 Recharge, dem sich Volvofan und Filou Tizian annahm.

Alte Liebe rostet nicht! Vor allem nicht Schwedenstahl.

Wann immer ich einen Volvo in die Fänge kriege, beginne ich meinen Testbericht mit dem Disclaimer, dass es darin an Objektivität ein wening mangelt. Zu groß ist die Liebe zu dem formschönen Schwedenstahl. Nun, auch dieser Artikel über den Volvo S90 T8 Recharge ist nicht ganz so objektiv, wie ihr euch das vielleicht wünschen würdet. Doch eines sei gesagt: Die rosarote Brille sitzt nicht mehr so gut und fest wie früher. Den Anfang machte vor über drei Jahren übrigens auch ein S90, damals mit D5 Diesel und 235 PS. Mein neuer S90 Testwagen fährt zwar als Plug-in-Hybrid Benziner und mit deutlich mehr Leistung vor, der Kern (also der Motorblock) ist jedoch (fast) derselbe: Ein 2,0 Liter (1.969 cm³) Reihenvierzylinder. Nur hat dieser Motor als Benziner in meinem S90 T8 303 PS. Dazu kommt der 87 PS starke E-Motor an der Hinterachse. Das ergibt nicht nur Allradantrieb, sondern auch eine Systemleistung von 390 PS. Damit geht es im 2,1 Tonnen schweren Dickschiff in 5,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und dann weiter bis maximal 180 km/h. Und an alle die jetzt immer noch motzen, es sei Bevormundung, wenn ein Autohersteller seine Autos auf maximal 180 km/h reguliert: In Österreich darf man nirgends schneller als 130 km/h fahren, warum also sich aufregen.

Zumal der Volvo S90 mit dieser Leistung verdammt gut schiebt und wirklich sehr, sehr, sehr gut am Gas hängt. Doch auch elegant dahingleiten ist kein Problem, da die Aufhängung und das optionale, adaptive Luftfahrwerk, wirklich jede kleinste Unebenheit im Asphalt wegbügeln. Dazu gesellt sich eine direkte Lenkung, die dem Fahrer ein sattes Lenkgefühl vermittelt. Das einzige, was das Fahrerlebnis ein bisschen trübt, ist das Motorgeräusch. Ich erwarte mir keinen blubbernden V8 oder einen schnurrenden Reihensechser-Sound, aber was da so raus aus Motorraum und verstecktem Endrohr kommt, klingt viel zu rau für so ein formidables Fahrzeug. Und den Verbrauch von 1,7 Litern habe ich natürlich auch nicht geschafft. Dafür hätte ich den Schweden viel häufiger an den Strom hängen müssen. Wenn wir gerade dabei sind: Die 10,4 (brutto) kWh Batterie ist theoretisch in 4 bis 5 Stunden an der Steckdose (2,3 kW) oder in 2 bis 3 an der Ladestation (3,7 kW) aufgeladen. Wenn man denn immer ansteckt. Im Test kam ich auf 7,8 Liter auf 100 Kilometer.

Der Innenraum ist ein Traum

Was soll ich zum Innenraum schreiben, was ich noch nicht geschrieben habe. Es ist und bleibt der schönste, wohnlichste, angenehmste Innenraum im ganzen Automobilbau derzeit. Die Sitze umarmen kuschelig, aber nicht zu sportlich. Die Materialien sind unglaublich gut verarbeitet und das Feinste vom Feinsten. Aber auch hier beginnt die Fassade zu bröckeln: Der 12 Zoll große Touchscreen mag zwar für ein übersichtliches Cockpit sorgen, doch würde ich mir mehr Drehregler und Knöpfe wünschen. Denn nicht immer ertasten die Finger auf dem Bildschirm das, was sie ertasten sollen. So weich die Federung auch sein mag.

Und noch einen wunden Punkt habe ich gefunden: Über das gewollt unrhythmische Blinken habe ich schon beim Test mit dem S60 T8 vor mehr als einem Jahr berichtet. Schön, dass es eigentlich der Sicherheit und Aufmerksamkeit des Fahrers dienen soll, doch der Musiker in mir wird damit leider zum Blinker-Faultier und vergisst ganz unabsichtlich das Blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs. Bitte liebe Jungs und Mädels bei Volvo: Lasst den Blinker wieder im Rhythmus blinken.

Die Platzverhältnisse sind angenehm. Mit meinen 1,95 Metern hab ich locker in alle Richtungen auf dem Fahrersitz Platz. Hinter mir wird es für andere Riesen schwer, das tut es aber auch in einer S-Klasse. Der Kofferraum fasst mit 500 Litern etwas weniger als der des 5er BMW (530 Liter) oder des Jaguar XF (540 Liter).

Das kostet der Volvo S90 T8 Recharge

Zu haben ist der Volvo S90 ab 49.839,- Euro. Dafür gibt es einen 197 PS starken Benziner. Für den starken T8 Recharge müssen mindestens 74.699,- hingeblättert werden. Wenn euch die Extras wie Schiebedach, Harman Kardon Anlage usw. wie bei meinem Testwagen gefallen, wird es am Ende teuer mit 87.539,- Euro.

Fazit

Ist die Liebe zum Schwedenstahl verblasst? Keineswegs. Doch beim Facelift des Volvo S90 T8 Recharge fallen mir die kleinen Fehler auf, die der große Schwede hat. Trotz allem ist der S90 mein Favorit unter den Limousinen der oberen Mittelklasse. Das elegante Styling, das feine Fahrverhalten und das fantastische Interieur verzaubern wie am ersten Tag. Und so rau der Motor auch klingen mag, so butterweich schiebt er die Karosse vorwärts.

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von Redaktion
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