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Die Alpine A110S im Test – ein echtes Fahrerauto!

Die Alpine A110S geht wenig Kompromisse ein: bretthartes Fahrwerk, kaum Stauraum, schlechte Rundumsicht. Aber selten hat Auto fahren so viel Spaß gemacht.

Alpine A110S: Hören und fühlen!

Es gibt sie noch, die Autos, die weder praktisch noch für den Alltag geeignet sind. Sie piepsen nicht beim Verlassen der Spur, haben keine gute Rundumsicht und keinen Kofferraum, vielleicht nicht einmal Ablagen im Innenraum. Außerdem tut einem nach kurzer Zeit schon der Rücken weh und den Kopf hat man sich beim Aussteigen, das eher einer Yoga-Übung gleichkam, auch noch gestoßen.
Und doch begeistern uns diese Fahrzeuge trotz oder gerade wegen ihrer Kompromisslosigkeit. Und wegen ihren scharf geschnittenen Linien und vielleicht auch dem röhrenden, bollernden oder sprotzenden Motorsound – wenn es nicht gerade ein E-Auto ist. So ein Auto ist die Alpine A110S – und sie ist wunderbar.

Alpine A110S sepia

Zierliche Rakete

Mit knapp 4,18 Metern Länge (so lang wie der Hyundai Bayon) und einer Höhe von nur 1,25 Meter wirkt die Alpine eher zierlich. Ein Porsche 718 Cayman ist gleich mal 20 Zentimeter länger und auch ein paar Fingerbreit höher als der französische Sportwagen. Doch lasst euch nicht von den Abmessungen täuschen, dieser Sportwagen hat es faustdick hinter den Ohren. Einen Hinweis darauf gibt bereits die 5.160 Euro (brutto) teure Lackierung in „Gris Tonnerre“ mit mattem Finish. Solche Farben kennt man sonst nur von Lamborghini oder Bentley – oder vielleicht auch von einem älteren Diesel aus Deutschland mit Heckspoiler und Doppel-Endrohr, der über die Triesterstraße fegt. Jedenfalls steht hier in ganz matt die höchste Eskalationsstufe der Alpine vor mir mit ihrem auffälligen 4-Scheinwerfer-Gesicht (von ZKW). Aus einem 1,8 Liter großen, zwischen den Achsen verbauten Vierzylinder-Turbobenziner werden hier 292 PS gepresst (und damit 40 PS mehr als bei der Standard-Alpine). Über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe geht die Kraft dann direkt an die Hinterräder. Maximal sind das 320 Nm Drehmoment, die bereits ab 2.000 und bis 6.400 Umdrehungen zur Verfügung stehen. Am Papier bedeutet das 4,4 Sekunden bis Tempo 100 und 260 km/h Spitze. Aber auf der Straße bedeutet das bei einem Kampfgewicht von 1.114 kg puren Fahrspaß. Der beginnt schon beim ersten freudigen Röhren nach dem Drücken des Start-Knopfes und steigert sich in jeder Kurve, die flott und ohne Wanken durchfahren wird. Und spätestens, wenn im Sport- oder Track-Modus die Auspuffklappen offen sind, kann man die Ausfahrt hier mit allen Sinnen auskosten – und das bei einem mehr als erwähnenswerten Durchschnittsverbrauch von 8 Litern!


Katapultartige Beschleunigung? Kein Problem! Ein kleiner Drift in der Kurve? Kommt sofort! Eine kleine Querfuge? Gut festhalten, jetzt wird es ungemütlich. Denn die Alpine A110S zeichnet sich nicht nur durch ihre brutal direkte Lenkung und ordentlich Power aus, sondern auch durch ein bretthartes Fahrwerk (der Jaguar F-Type Chequered Flag lässt grüßen). Wer auf der Rosenhügelstraße, der A4 zwischen Flughafen und Wien oder der Höhenstraße unterwegs ist, sollte sich schon mal einen Termin mit dem Rückenspezialisten ausmachen. Denn auch die manuell verstellbaren und schmal geschnittenen Sportsitze von Sabelt sind kaum gepolstert.

Wobei das mit dem Verstellen so eine Sache ist. Bei der Konstruktion der Alpine A110S hat man wohl überlegt, wie man dieses feine Auto möglichst unattraktiv für alle Personen außer den Besitzer machen kann und hat sich dazu entschieden, ausschließlich eine Verschiebung auf der Längs-Achse (also nach vorne und hinten) einfach möglich zu machen. Wer die Höhe verstellen will, braucht einen Schraubenschlüssel und viel Geduld – kein Witz. Ähnlich asketisch verhält es sich auch mit den Zulademöglichkeiten. Im Heck gibt es eine kleine, eng ausgeschnittene Luke, der Frunk ist breit und flach und bietet Platz für etwa zwei Rucksäcke.

Purismus und Funktionalität im Innenraum – aber mit Schwächen

Aber gehen wir einmal davon aus, dass man Glück hat, die Höhe passend voreingestellt ist und man es auf den Fahrersitz geschafft hat. Dann sieht man sich im Innenraum einem fahrerzentrierten, aufgeräumten Cockpit mit nur wenigen Knöpfen gegenüber. Die wichtigsten Bedienelemente sitzen auf dem Lenkrad und der Mittelkonsole: Start, Getriebe-Auswahl und Sport. Die Bedienung funktioniert kinderleicht und nach kurzer Zeit bereits ohne Hinsehen. Die anderen Funktionen und Instrumente können da leider nicht ganz mithalten. Die beiden Displays reagieren mit Verzögerung und die Handhabung des Infotainmentsystems ist alles andere als intuitiv. Lautstärke verstellen? Ist nur ein paar Klicks entfernt.

Alpine A110S Cockpit

Immerhin funktioniert die von Renault bekannte Fernsteuerung hinter dem Lenkrad einwandfrei. So kann man doch noch ohne große Umstände zum nächsten Lied weiterschalten und es auf der sauber klingenden Focal-Soundanlage genießen. Und auch die Klimaanlage macht einen guten Job, wenn sie auch etwas moderner aussehen könnte. Der Einsatz von Leder und Carbon entschädigt aber für die mäßige Elektronik – wir kennen das ja auch schon vom Aston Martin V8 Vantage.

Und der Preis der Alpine A110S?

Zum Glück hat die Alpine aber beim Preis keine Gemeinsamkeiten mit dem Aston. Mindestens 62.150 Euro kostet die schwächere Pure Version (und hat dabei sogar verstellbare Sitze). Die A110S beginnt bei 74.000 Euro. Mit der bereits erwähnten Sonderlackierung, den 18-Zöllern mit mattem Finish (1.083 €) und ein paar anderen Extras beläuft sich der Preis der Test-Alpine rund 81.000 Euro. Dafür bekommt man auch einen Toyota GR Supra oder einen Porsche Cayman.

Fazit

Die Alpine A110S ist das richtige Auto für alle, die puristischen Fahrspaß abseits des Mainstreams suchen. Ausgezeichnete Fahreigenschaften bei geringem Gewicht und moderatem Verbrauch. Das gibt es auch beim KTM X-Bow oder der der Lotus Elise und doch ist es ziemlich einzigartig. Genau wie die Alpine.


Alpine A110S Seite
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