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Das BMW 420d xDrive Gran Coupé im Test!

Beim neuen BMW 420d Gran Coupé treffen neue Designelemente auf bewährte Technik. Das polarisiert vielleicht, fährt sich aber hervorragend.

BMW 420d xDrive Gran Coupé: Keine Mätzchen

[UPDATE] Im März 2022 habe ich den BMW 420d xDrive Gran Coupé ein weiteres Mal für einige Tage zum Testen bekommen. Da die beiden Versionen sich sehr stark ähneln und sogar die Farbe gleich war, habe ich den bestehenden Artikel um ein paar Eindrücke erweitert.

Ich kann nicht behaupten, dass ich es nicht geahnt hätte. Erst der neue 7er, dann der X7, danach M3 und M4 und nun das 4er Gran Coupé. Die großen Nieren, die in Europa übertrieben wirken, sich in Asien und den USA aber großer Beliebtheit erfreuen, breiten sich bei BMW aus wie… (hier muss man zu Zeiten von Corona vorsichtig sein, also sagen wir) …Seerosenblätter auf einem kleinen Teich. Und sind das überhaupt noch Nieren? Oder sind es endlich wieder Nieren wie früher, weil sie in Richtung Hochformat gehen?
Dazu kommen auch die neuen, strömungsoptimierten Türgriffe, die sich der 4er mit seinem elektrischen Bruder i4 teilt. Ich hoffe, sie verbessern den cW-Wert messbar, denn bei der Bedienung waren die Henkelgriffe im Vorteil, die die Bayern mit dem E46 Ende der 90er Jahre wiedereingeführt haben, nachdem sie irgendwann in den 60ern damit aufgehört hatten.

Sobald man jedoch die Augen von diesen beiden Veränderungen lösen kann, erkennt man den neuen 4er als typischen BMW. Die Scheinwerfer wurden etwas schärfer gezeichnet als bisher, zeigen aber das bekannte Tagfahrlicht. Hinter den Radkästen sind die Luftauslässe sichtbar und der Hofmeister-Knick am hintersten Seitenfenster ist auch dabei. Für einen eleganten Auftritt sorgten bei meinem Testwagen auch die 20-Zoll-Felgen im Bicolor-Design.

Gut ausgestattet

Der Innenraum wurde sozusagen auf die aktuellste Version gehoben. Das Cockpit mit seinen zwei großen Displays für Instrumente und Infotainment und dem Kleinen für die Klimaanlage kennt man genauso aus dem aktuellen 3er BMW und mit zarten Veränderungen aus dem 1er. Man könnte den bayrischen Ingenieuren nun vielleicht Einfallslosigkeit vorwerfen, nicht aber mangelnden Perfektionismus. Das iDrive funktioniert schnell und einfach, lässt sich per iWheel, Touch, Gesten- oder Sprachsteuerung bedienen und jegliche Informationen lassen sich problemlos ablesen. Die Soundanlage klingt hervorragend, das Head-up-Display ist scharf und auch bei der Verarbeitung rundherum gibt es nichts zu beanstanden. Die Sitze sind nicht nur bequem, sondern auf Wunsch auch beheiz- und belüftbar, bloß eine verstellbare Lordosenstütze fehlt hier noch. Das finde ich bei einem BMW besonders schade, denn die vielfach verstellbaren Sportsitze der Bayern gehören für mich zu den Besten, die man kaufen kann. Und der Aufpreis von 317 Euro wäre hier jeden Cent wert.

Fehlt sonst noch etwas oder gibt es im Innenraum auch Negatives? Hin und wieder missversteht die Gestensteuerung eine Handbewegung. Zum Beispiel habe ich das Radio regelmäßig auf lautlos gestellt, wenn ich das Handy in die induktive Ladeschale gelegt oder es wieder herausgenommen habe. Die Gestensteuerung könnte man jedoch deaktivieren. Vielleicht noch die neuen Türöffner innen, die sich strenger öffnen lassen. Aber das ist wirklich jammern auf hohem Niveau.

Eine Funktion, die ich erst recht spät im Testzeitraum entdeckt habe, ist der BMW Drive Recorder. Mit ihm lassen sich, wie mit einer Dashcam, maximal 40 Sekunden lange Situationen im Straßenverkehr aufzeichnen. Genauer gesagt sind es 20 Sekunden vor und 20 Sekunden nach der Aktivierung. Zur Wahl steht außerdem, welche Kameras die Umgebung aufzeichnen sollen: nur vorne, nur hinten oder alles. In Österreich ist die Verwendung von Dashcams zu privaten Zwecken erlaubt. Wenn man damit etwas beweisen möchte, sollte man sich vorher aber informieren, was man darf und was nicht. Einen ersten Überblick dazu gibt zum Beispiel der ÖAMTC.

Der Mildhybrid-Diesel

Beim Motor hat sich dafür mehr getan. Der bekannte 2-Liter-Dieselmotor bekommt im 420d erstmals einen kleinen Elektroboost. 11 PS leistet der Startergenerator, der von einer 11 Ah fassenden 48-Volt-Batterie im Motorraum angetrieben wird. Ich kann nicht behaupten, dass ich die zusätzliche Leistung beim Fahren wirklich gespürt hätte, schließlich sorgt der Vierzylinder mit seinen 190 PS auch alleine schon für guten Vortrieb. Der durchschnittliche Verbrauch von 6,4 Litern bei nicht besonders sparsamer Fahrweise, könnte jedoch zum Teil der elektrischen Unterstützung zu verdanken sein. Oder das unheimlich schnelle Ansprechverhalten des Fahrzeugs. Um das festzustellen, bräuchte man aber einen direkten Vergleich. Bei etwas wärmeren Temperaturen im März konnte ich den Verbrauch nochmals reduzieren. Nach mehreren hundert gefahrenen Kilometern waren es diesmal nur 6,2 Liter Diesel je 100 km. Mit einigen Etappen, bei denen der Verbrauch sogar unter 6 Litern lag.

Wie bereits in früheren Tests, zeigt der Zweiliter-Diesel auch diesmal, dass er den Spagat zwischen gemütlichem Cruisen und sportlicher Fahrt gut beherrscht. Bei gleichmäßiger, gemütlicher Fahrt ist der Motor angenehm leise und sparsam. Tritt man ihn, beschleunigt er unter wahrnehmbarem Hochdrehen in 7,6 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis maximal 233 km/h. Dank dem optionalen adaptiven Fahrwerk (641 €) darf man sich dabei auch noch aussuchen, wie stark Fahrbahnunebenheiten ins Fahrzeuginnere übertragen werden – oder anders gesagt, wie stark sich das Gran Coupé in flotten Kurven neigt. Und damit es einem dabei nie an Traktion fehlt, verteilt xDrive das Drehmoment an alle vier Räder.

So viel kostet der 420d xDrive

Es ist das ewige Thema bei BMW: Viel kostet viel. In unserem Fall mindestens 55.862 Euro für das 420d xDrive Gran Coupé. Mit Extras wie dem M Sportpaket (3.937 €) oder dem Innovations-Paket (3.874 €), Glasdach (1.283 €), Standheizung (1.493 €), Sportbremse (749 €), harman/kardon®Surround Sound System (959 €), Sitzbelüftung (2.242 €) uvm. ergibt sich ein Gesamtpreis von 85.868 Euro. Was dann wiederum recht viel für einen 190 PS starken Diesel ist.

Fazit

Die optischen Änderungen am neuen 4er BMW polarisieren. Aber das gab es bei früheren Fahrzeugen von BMW auch schon (man erinnere sich nur an den Chris Bangle 7er). Was Infotainment, Fahrverhalten und Verbrauch angeht, befindet sich der 4er jedenfalls auf sehr hohem Niveau. Das erreichen die Bayern aber nicht nur beim neuen 4er, sondern bei ihrer gesamten Palette – und lassen es sich gut bezahlen.

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