Das Tesla Model S P100D im Test!

Was Steve Jobs mit dem allerersten iPhone gelungen ist, kann wohl auch auf Elon Musk und das Tesla Model S umgemünzt werden. Kein Elektrofahrzeug löste bislang solch einen Hype aus, wie das Model S. Mittlerweile ist die Großraum-Limousine in der zweiten Generation. Ich testete erneut die stärkste Version, diesmal den P100D.

Tesla Model S P100D: Volle Kraft voraus!

Sie sind nicht mehr wegzudenken von Wiens Straßen, die Teslas. Egal, ob als Firmenfahrzeug, Taxi oder in Privatbesitz. Sie bieten, wenn auch gegen eine ordentliche Stange Geld, die meiste Reichweite und den mit Abstand meisten Spaß aller Elektroautos – und am feschesten sind sie auch.

Aber was hindert eigentlich die anderen Hersteller daran, endlich mit reichweitenstarken Fahrzeugen nachzulegen? Der Absatzmarkt bzw. Bedarf scheint vorhanden. Und ich Rede hier nicht von den E-Auto-Pionieren wie Nissan oder Renault, sondern von den deutschen Marken. Egal, einer freut sich, und das ist Elon Musk. Zu Recht, auch wenn Tesla als Unternehmen scheinbar nicht aus den roten Zahlen findet.

Ein Modell nach dem anderen …

Wenn 2018 Nissan LEAF Gen.2 und Opel Ampera-E mit Reichweiten von bis zu 500 Kilometern auf den Markt kommen, schiebt der kalifornische Fahrzeug-Newcomer mit dem Model E bereits sein drittes E-Auto mit solch einer Reichweite auf den Markt. Nicht fertig „ausengineert“ sind sie deshalb noch lange nicht, wie jetzt mit dem Model S P100D erneut ein Tesla im Test bewiesen hat.

… und kaum Mankos.

Wirklich! Gleich vorweg: Das einzige Manko des Tesla Model S P100D sind die Bremsen. Die sehen gut dimensioniert aus, passen aber weder zur gestörten Leistung des Performance-100ers, noch zu dessen Leergewicht von fast 2,3 Tonnen.

Apropos Leistung: Blicke ich in den Zulassungsschein, kann ich die dort angegebene kW-Zahl kaum glauben – 87! Ja genau, 87 kW! Fehlt da vielleicht eine Null hintendran? Also umgerechnet 118,3 PS sollen das Schwergewicht laut Datenblatt in wahnwitzigen 2,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultieren?! Glaubt doch kein Mensch.

Tatsächlich handelt es sich bei der Angabe um die Dauerleistung der beiden verbauten Elektromotoren. Die Spitzenleistung gipfelt irgendwo bei 770 PS. Und weil Elektromotoren das volle Drehmoment schon aus dem Stillstand liefern, und das Model S P100D auch noch über Allradantrieb (1 Motor vorne, 2 hinten) sowie eine ausgeklügelte Regelsoftware verfügt, knallt es einen in konkurrenzlosen 2,7 Sekunden auf Landstraßentempo. In der Realität habe ich gut 3,4 Sekunden nachgemessen. Damit liegt der P100D zumindest bis 100 km/h auf dem Niveau des 570 PS starken Nissan GT-R.

Perfekter geht es kaum!

Dass sich das Model S neben der wahnwitzigen Beschleunigung auch noch richtig passabel fährt – weil unter anderem das verbaute Luftfahrwerk viel glattbügelt und der Schwerpunkt, dank der 100 kWh fassenden Batterie, sehr tief liegt – macht mir die Testwagen-Rückgabe nicht leichter. „Länge läuft“, könnte ich auch schreiben. Obwohl die 4,98 Meter lange Limousine im Test über 21-Zöller abrollt, dringen keine harten Schläge ins Rückenmark der Passagiere.

Leider ohne „Autopilot“!

Die autonomen Fahrfunktionen waren beim Testwagen diesmal leider wieder deaktiviert. Zu gerne hätte ich den erweiterten „Autopiloten“ ausprobiert. Mittlerweile verbaut Tesla ja serienmäßig acht Kameras, 12 Ultraschallsensoren und ein Frontradar in alle Modelle. Die Software-Aktivierung kostet dann – vor der Auslieferung, also bei Bestellung 9.200 Euro, bei nachträglicher Order 10.500 Euro. Im Test-Model S waren auch der aktive Spurhalteassistent sowie das Abstandsradar deaktiviert – was mich jedoch nicht weiter störte. Mit letzterem fange ich bis heute nicht wirklich etwas an.

Futuristisch und dennoch nutzbar!

Die wirklichen Highlights sind bei Tesla-Modellen aber die durchdachten Features. So zum Beispiel das Starten des Autos. Mit dem Schlüssel in der Tasche eingestiegen, braucht es nur einen Druck am Gangwahlhebel auf „Drive“ und schon kann losgefahren werden. Ein dezidierter Startknopf entfällt. Oder Lichtschalter, den gibt’s genauso wenig. Das Licht ist immer im Automatikmodus, außer man wählt es explizit über das riesige 19-Zoll-Display in der Mittelkonsole ab.

Das Model S gestaltet vieles so einfach, so selbstverständlich, dass ich mich ständig Frage, warum andere Hersteller das nicht umsetzen.

Und ja, das Display in der Mittelkonsole mag futuristisch aussehen, genauso wie das volldigitale Fahrerinformationsdisplay, aber beide machen ihren Job richtig gut. Nur die Fenster- und Lenkstock-Hebel von Mercedes-Benz passen nicht in das spacige Bild.

Fazit

Zwei Punkte möchte ich Euch mit diesem Testbericht mitgeben:

Erstens

Ja, die Beschleunigung ist absolut gestört, krank, irre oder was Euch sonst noch für Ausdrücke einfallen. Lautlos in gut drei Sekunden auf 100 km/h schnalzen, ist einfach böse. Und dennoch bei 140 km/h auf der Autobahn 400 Kilometer Reichweite zustande bringen. Respekt! Aber ja, Batterie rein, Gewicht rauf, Bremsen schwach. Und Preis eh bekannt. Das Einstiegs-Model S, der 75D, mit 490 Kilometern Reichweite ist bereits ab 85.200 Euro zu haben. Unser P100D mit allen Stückerln kommt auf 165.500 Euro.

Zweitens

Die Einfachheit, die solch ein Tesla mit sich bringt. Hingehen, Keyless die Türen entriegeln, Wahlhebel auf Drive und los geht’s. Keine Gedanken über Fahrlicht oder ähnliches machen. Ein Traum, oder für manche auch nicht. Ich kenne jemanden, der hat sein Tesla Model S nach einem halben Jahr wieder hergegeben, weil es ihm zu glatt, zu charakterlos war, einfach zu perfekt. Ich hingegen kriege nach zwei Wochen nicht genug und frage bereits nach dem nächsten Testwagen an [;-)].