GAC AION V & AION UT im Fahrbericht: Zwei Chinesen aus Österreich!
Ja, richtig gelesen: Zwei Chinesen AUS Österreich. Zusammengebaut werden die beiden Elektroautos GAC AION V und AION UT nämlich bei Magna Steyr in Graz. Was können das C-Segment-SUV und der Kompaktwagen? Ein erster Fahrbericht von autofilou.at!GAC AION V und AION UT: Chinesische Elektroautos zu Kampfpreisen!
Nach JAECOO und OMODA bringt die israelische Colmobil Group mit GAC die nächste Marke nach Österreich. Die Guangzhou Automobile Group ist in Österreich ein noch vollkommen unbeschriebenes Blatt. Mit dem AION V und dem AION UT soll sich das ab sofort ändern. Zwei Elektroautos, zwei Fahrzeugklassen, eine gemeinsame technische Basis – und vor allem Preise, bei denen so mancher etablierte Hersteller erst einmal schlucken muss. Der Kompaktwagen AION UT startet bei 26.990 Euro, das C-Segment-SUV AION V bei 35.990 Euro. Dazu kommen acht Jahre Fahrzeuggarantie und fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest. Klingt nach einem ziemlich guten Deal. Und tatsächlich können beide AION einiges richtig gut. Sie bieten viel Platz, ordentliche Reichweiten, umfangreiche Ausstattung und vernünftige Ladezeiten. Doch beim Fahren zeigt sich auch: Ganz ohne Kompromisse geht es dann doch nicht. Rund um den Neusiedlersee durfte ich mit dem GAC AION V und AION UT erste Runden drehen.
AION UT: Kompakter Stromer mit erstaunlich viel Platz
Der AION UT ist mit 4,27 Metern Länge ein klassischer Kompaktwagen. Sein Radstand fällt mit 2,75 Metern großzügig aus, was reichlich Platz im Innenraum schafft. Fünf Personen finden luftig Platz, hinten sitzt man durchaus ordentlich – auch mit 1,9 Meter Körpergröße. Der Kofferraum fasst laut GAC 321 Liter und die Rücksitzlehne lässt sich im Verhältnis 40:60 umlegen. Dazu kommen zahlreiche Ablagen und praktische Details. Der UT möchte also keineswegs nur ein urbaner Stromer sein, sondern auch als Alltagsauto und Pendlerfahrzeug funktionieren. Und genau hier liegt eine seiner großen Stärken: Für 26.990 Euro bekommt man erstaunlich viel Auto. Schon die Basisversion, die Premium heißt, bringt unter anderem LED-Licht, 17-Zoll-Räder, beheizbare und elektrisch verstellbare Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad, Wärmepumpe, 360-Grad-Kamera, umfangreiche Assistenzsysteme und den 14,6 Zoll großen Zentralbildschirm mit. Die darüber rangierende Luxury-Version – für ebenfalls erstaunlich günstige 28.990 Euro – legt unter anderem Panorama-Glasdach, elektrische Heckklappe, Sitzbelüftung und induktives Smartphone-Laden drauf.

60-kWh-LFP-Akku & 87 kW Ladeleistung
Apropos Laden bzw. Batterie: Die netto 60 kWh fassende LFP-Batterie ermöglicht bis zu 430 Kilometer Reichweite nach WLTP. Der offizielle Verbrauch liegt bei 16,4 kWh/100 km inklusive Ladeverlusten. Mein erster Testverbrauch lag mit 16,5 kWh/100 km praktisch exakt auf diesem Niveau. Ein durchaus erfreulicher Wert, denn daraus resultieren 360 Kilometer Praxisreichweite.
Beim Laden wird die Sache etwas weniger beeindruckend. Mit maximal 87 kW Gleichstrom ist der AION UT 2026 nicht gerade ein Schnelllade-König. GAC gibt 24 Minuten für den Bereich von 30 auf 80 Prozent an. Von 10 auf 80 Prozent sind es also ungefähr 30 Minuten. Das ist für ein Auto dieser Preisklasse durchaus brauchbar. Ein Vorzeigewert ist es 2026 aber definitiv nicht mehr. Erfreuliches Detail: Der Ladeanschluss befindet sich rechts vorne. An der Ladesäule muss man sich dadurch deutlich weniger Gedanken darüber machen, wie herum man das Auto hinstellt und auch beim Aufladen an der Straße ist das meist die praktische Seite.

Das Fahrwerk des GAC AION UT: eher asiatisch als europäisch
Angetrieben wird der AION UT von einem 150 kW beziehungsweise 204 PS starken Elektromotor an der Vorderachse. 210 Nm Drehmoment stellt die E-Maschine zur Verfügung, die den 1.700 Kilogramm leichten Kompaktwagen in 7,3 Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigt. Und das reißt zwar keine Bäume aus, reicht im Alltag aber locker. Nur oberhalb der 130 km/h merkt man, dass der Antrieb keine sportlichen Ambitionen verfolgt. Viel interessanter ist ohnehin das Fahrwerk. GAC spricht von einer auf Europa abgestimmten Auslegung. Mein Eindruck fällt allerdings etwas anders aus: Das Fahrverhalten des AION UT ist gar nicht europäisch. Das Auto ist komfortabel und filtert Unebenheiten ordentlich weg. Sobald es aber flotter durch Kurven geht, wird es unruhiger. Der UT wankt nämlich beim schnellen Kurvenfahren deutlich und vermittelt deshalb nicht gerade viel Vertrauen. Das Fahrwerk scheint eher auf gemütliches Dahingleiten als auf dynamische Landstraßenetappen ausgelegt zu sein. Dazu passt auch die Lenkung. Denn die ist zwar durchaus direkt abgestimmt, vermittelt aber praktisch null Rückmeldung bzw. Gefühl für die Fahrbahn. Das gilt übrigens auch für den größeren AION V. Dazu kommt ein synthetisches Bremsgefühl, das ebenfalls nicht gerade zum sportlichen Fahren einlädt. Schade ist außerdem, dass GAC auf Schaltwippen am Lenkrad verzichtet. Die Rekuperationsstärke lässt sich zwar einstellen, aber eben nicht spontan über die Finger. Selbst in der höchsten Stufe ist die Verzögerung nicht besonders kräftig. Ein echtes One-Pedal-Driving gibt es ebenfalls nicht.

Der 14,6-Zoll-Touchscreen kann mehr, als man zunächst denkt
Innen setzt GAC bei beiden Modellen stark auf Touchbedienung. Das klingt zunächst nach einer schlechten Idee. In der Praxis funktioniert es aber erstaunlich gut. Der Grund: Die Schaltflächen am jeweils 14,6 Zoll großen Infotainment-Bildschirm sind angenehm groß. Auch während der Fahrt lassen sich Symbole und virtuelle Tasten zuverlässig treffen. Gerade bei der Navigation ist das ein Vorteil, denn kleine Touchflächen werden im Auto schnell zur Geduldsprobe. Nicht alles funktioniert allerdings bereits so, wie es soll. Die Sprachbedienung funktionierte in meinem Testwagen nicht und war nur in englischer Sprache verfügbar, obwohl die übrigen Menüs auf Deutsch eingestellt waren. Überhaupt finden sich noch einige interessante Übersetzungen im System. Hier wird GAC mit kommenden Softwareupdates wohl noch etwas nachbessern. Immerhin: Die Fahrzeuge unterstützen Apple CarPlay und Android Auto, und Over-the-Air-Updates sind ebenfalls vorgesehen. Hoffentlich wird dann auch das Blinker-Geräusch verbessert. Es klingt erstens unangenehm künstlich und ist zweitens bei Landstraßen- bzw. spätestens Autobahntempo viel zu leise.

Autobahn? Dafür ist der AION V deutlich besser geeignet
Der GAC AION V spielt in einer anderen Liga – zumindest was die Dimensionen betrifft. 4,61 Meter Länge, 2,78 Meter Radstand und ein großzügiger Innenraum machen ihn zum klassischen C-Segment-SUV. Die Rückbank bietet viel Platz, die Rücksitzlehnen lassen sich weit und beim V sogar stufenlos verstellen. 427 Liter Gepäckraum stehen hinter der Rückbank zur Verfügung, bei umgelegten Sitzen sind es bis zu 978 Liter. Das ist ein durchaus ordentliches Gesamtpaket.

Noch besser gefällt der AION V auf der Autobahn. Hier macht sich die Akustikverglasung bemerkbar. Sie hält Windgeräusche vornehm zurück. Während es im UT bei höherem Tempo bereits deutlich stärker rauscht, bleibt der V auch bei Autobahntempo angenehm ruhig. Wer regelmäßig längere Strecken fährt, wird diesen Unterschied zu schätzen wissen. Das Fahrwerk des V ist ebenfalls klar auf Komfort ausgelegt. Geradeaus fährt er angenehm entspannt und bügelt Unebenheiten souverän weg. In schnell gefahrenen Kurven macht sich allerdings auch hier eine gewisse Wankneigung bemerkbar, aber immerhin weniger schlimm als im AION UT. Der AION V ist also kein SUV für die sportliche Landstraßenhatz. Er will komfortabel sein. Und das kann er.
GAC AION V: 75,26 kWh und 510 Kilometer WLTP-Reichweite
Technisch bekommt der AION V den gleichen 150-kW-Elektromotor wie der UT. Allerdings arbeitet er mit einer deutlich größeren 75,26-kWh-LFP-Batterie – obwohl sein Radstand eben nur drei Zentimeter länger ist. Das ergibt eine WLTP-Reichweite von bis zu 510 Kilometern. Hier lag mein erster Testverbrauch bei 18,8 kWh/100 km. Für ein gut 4,6 Meter langes Elektro-SUV in Kombination mit meiner ambitionierten Fahrweise ist das ein durchaus brauchbarer Wert.
Noch wichtiger ist die Ladeleistung: Bis zu 180 kW DC sind möglich. Von 10 auf 80 Prozent sollen laut GAC lediglich 24 Minuten vergehen. Das geht in Ordnung. Vor allem die Kombination aus 75,26 kWh Nettokapazität, 510 Kilometern WLT-Reichweite, wovon auf der Autobahn wohl so etwa 320–350 Kilometer über bleiben, und 24 Minuten Ladezeit macht den AION V zu einem durchaus langstreckentauglichen Elektroauto. Auch hier sitzt der Ladeanschluss vorne rechts. Im Alltag: Daumen hoch.
Viel Ausstattung für vergleichsweise wenig Geld
Preislich ist der AION V interessant positioniert. 35.990 Euro kostet die Premium-Version, für den AION V Luxury werden 37.990 Euro fällig. Und gerade die Luxury-Ausstattung bringt einige Dinge mit, die man in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwartet. Dazu zählt unter anderem eine gekühlte Mittelarmlehne beziehungsweise der integrierte Multi-Mode-Kühlschrank, der je nach Einstellung sogar kühlen, tiefkühlen oder warmhalten kann. Auch Massagefunktionen für Fahrer und Beifahrer, belüftete Sitze, Panorama-Glasdach, beheizbare Rücksitze und zahlreiche Komfortfeatures sind verfügbar. Das ist schon ziemlich viel Auto fürs Geld. Ein kleines Detail fehlt allerdings bei beiden AION: ein Frunk. Unter der vorderen Haube ist also kein zusätzlicher Stauraum für Ladekabel oder Ähnliches vorgesehen. Aber gut – irgendwo muss der Rotstift schließlich angesetzt werden.

8 Jahre Garantie und erfreulich niedrige laufende Kosten
Ein Argument, das GAC hierzulande ebenfalls in die Waagschale wirft, ist die 8-jährige Fahrzeuggarantie. Und auch bei den laufenden Kosten können die beiden AION punkten. Denn für den AION V fallen in Österreich lediglich 292,80 Euro motorbezogene Versicherungssteuer pro Jahr an und beim AION UT sind es sogar nur 228 Euro jährlich. Gerade bei einem Elektroauto mit mehr als 200 PS sind solche Summen erfreulich überschaubar – den geringen Fahrzeuggewichten sei Dank.
Beim Thema Sicherheit gibt es ebenfalls wenig zu meckern: Sowohl AION V als auch AION UT haben im Euro-NCAP-Test fünf Sterne erreicht. Und beide bringen bereits ab der Premium-Version sieben Airbags, 360-Grad-Kamera, adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalte- und Notbremsassistent sowie zahlreiche weitere Assistenzsysteme mit. Schön zu sehen, dass GAC hier also nicht versucht den günstigen Preis ausschließlich über eine abgespeckte Ausstattung zu realisieren.
Mein Fazit zum GAC AION V und AION UT
GAC AION V und AION UT sind trotz gemeinsamer technischer Basis ziemlich unterschiedlich. Beide Autos sind sauber gemacht, gut ausgestattet und preislich interessant. Sie bieten viel Platz, moderne Technik, ordentliche Reichweiten und fünf Sterne beim Euro-NCAP-Crashtest. Dazu kommen acht Jahre Fahrzeuggarantie und erfreulich niedrige laufende Kosten.
Der AION UT ist der preiswertere und kompaktere Einstieg. 26.990 Euro für 150 kW, 60-kWh-LFP-Akku, 430 Kilometer WLTP und eine umfangreiche Ausstattung sind eine Ansage. Dazu ist der 4,27 Meter lange Kompaktwagen günstiger als so mancher Konkurrent aus der Kleinwagenklasse – also aus einem Segment darunter. Seine Schwächen liegen vor allem beim Fahrverhalten und bei der Ladeleistung. Wer gerne dynamisch fährt, wird mit dem eher indifferenten Fahrwerk und der gefühllosen Lenkung nicht unbedingt glücklich.
Der AION V kostet mindestens 35.990 Euro und bietet dafür deutlich mehr Auto und ein europäischeres Fahrverhalten. Mehr Platz, mehr Batterie, mehr Reichweite, höhere Ladeleistung und vor allem einen höheren Reisekomfort. Mit 180 kW maximaler Ladeleistung und 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent ist der V für längere Strecken deutlich besser gerüstet. Die Akustikverglasung macht sich bei Autobahntempo ebenfalls positiv bemerkbar.
GAC AION UT – die wichtigsten Daten
- Preis: ab 26.990 Euro
- Motor: Elektromotor, 150 kW / 204 PS
- Drehmoment: 210 Nm
- Antrieb: Vorderrad
- 0–100 km/h: 7,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
- Batterie: 60 kWh netto, LFP
- WLTP-Reichweite: bis 430 km
- WLTP-Verbrauch: 16,4 kWh/100 km
- 1. Testverbrauch: 16,5 kWh/100 km
- DC-Ladeleistung: bis 87 kW
- DC-Ladezeit: 30–80 % in 24 Minuten
- Kofferraum: 321 Liter
- Länge: 4,27 Meter
- Garantie: 8 Jahre
- Motorbezogene Versicherungssteuer: 228 Euro/Jahr
GAC AION V – die wichtigsten Daten
- Preis: ab 35.990 Euro
- Motor: Elektromotor, 150 kW / 204 PS
- Drehmoment: 210 Nm
- Antrieb: Vorderrad
- 0–100 km/h: 7,9 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
- Batterie: 75,26 kWh netto, LFP
- WLTP-Reichweite: bis 510 km
- WLTP-Verbrauch: 16,7 kWh/100 km
- 1. Testverbrauch: 18,8 kWh/100 km
- DC-Ladeleistung: bis 180 kW
- DC-Ladezeit: 10–80 % in 24 Minuten
- Kofferraum: 427–978 Liter
- Länge: 4,61 Meter
- Garantie: 8 Jahre
- Motorbezogene Versicherungssteuer: 292,80 Euro/Jahr
