Mercedes-Benz VLE: Elektro-Luxusliner mit Sitzballett & 700-km-Ansage!
Groß, luxuriös, elektrisch – und ein bissl größenwahnsinnig. Der neue Mercedes-Benz VLE will gleichzeitig Familienauto, Business-Shuttle und Premium-Langstreckenliner sein. Ob das funktioniert? Der erste Eindruck ist zumindest alles andere als langweilig!Mercedes-Benz VLE: Die Grand Limousine!
Mercedes-Benz macht Ernst mit seiner neuen Van-Zukunft. Der neue Mercedes-Benz VLE ist das erste Modell auf der frisch entwickelten, modularen Van-Architektur und soll gleich eine ganze Fahrzeugklasse neu erfinden. Die Stuttgarter sprechen von einer „Grand Limousine“ – ich meine: Das ist der Versuch, den Familienvan, das VIP-Shuttle und das elektrische Langstreckenauto in einen sehr edlen Mixer zu werfen.
Mercedes VLE: Mehr Limousine als Van?
Schon optisch ist klar: Der Mercedes-Benz VLE will weg vom biederen Bus-Image. Statt auf „praktisch, eckig, passt schon“ setzt er auf eine auf 5,31 Meter Länge gestreckte, flache Silhouette, glatte Flächen und einen cw-Wert (0,25), der zu hervorragenden Langstrecken-Reichweiten verhelfen soll. Kurzum: Das Ding schaut nicht aus, als würde es am Wochenende Waschmaschinen transportieren. Eher so, als hätte jemand einen Van mit einer S-Klasse und einem Designerloft gekreuzt. Dabei kommt der noch luxuriösere VLS, der nochmals um 17,5 Zentimeter länger ist, erst später.

Mercedes-Benz spricht vom Besten aus zwei Welten: Fahrkomfort und Dynamik einer Limousine, dazu Platz, Variabilität und Alltagstalent eines MPV. Klingt ein bisschen größenwahnsinnig. Aber wenn ich ehrlich bin: Der VLE erfüllt schon viele Anforderungen.
Bis zu 8 Sitze, Roll-&-Go und ein „Sitzballett“
Der VLE bietet Platz für bis zu acht Personen. Das allein ist noch keine Sensation. Interessant wird’s bei der Art, wie die Stuttgarter den Innenraum aufziehen. Da gibt’s zum einen manuelle Sitze – jeweils etwa 30 kg schwer – mit integrierten Rollen, die sich verschieben, arretieren oder komplett ausbauen lassen. Mercedes-Benz nennt das „Roll & Go“. Praktisch ist das tatsächlich, auch wenn’s ehrlicherweise ein „for-free“ Fitnessprogramm für Premiumkunden ist. Aber Vorsicht: Nicht aus dem Rücken heben, wie ich im Video oben. Immer schön aus den Beinen.

Zum anderen gibt’s elektrische Sitze, die sich per App oder über das Display verschieben lassen. Auch dafür haben sie in Stuttgart einen Marketingsprech geschaffen: „Sitzballett“. Und ja, das ist herrlich drüber und reichlich dekadent, aber auch irgendwie großartig. Statt Sitze mühsam herumzuwürgen – was bei den manuellen Sitzen ehrlicherweise gar nicht der Fall ist – drückst du herum und der Fond sortiert sich wie von Geisterhand neu. Es gibt dafür sogar Modi wie „Gepäck“, „Executive“, „Personen & Gepäck“ und „Standard“. Die einen machen Platz für Koffer, die anderen für VIP-Beine. Schon praktisch, und Familien freuen sich, Shuttlefahrer vermutlich auch, und Kinder finden’s wahrscheinlich einfach cool.
700 Kilometer Reichweite: Endlich ein Elektro-Raumschiff für lange Strecken
Jetzt zum Punkt, der bei einem elektrischen Großraumfahrzeug wirklich zählt: die Reichweite. Der Mercedes-Benz VLE 300 elektrisch – ja, statt „mit EQ Technologie“ heißt es jetzt salopp „elektrisch“ – soll im WLTP-Zyklus mehr als 700 Kilometer weit kommen. Und das ist nicht bloß okay, das ist in diesem Segment eine echte Ansage. Denn die Konkurrenz à la Hyundai Staria Electric (etwa gleich lang) oder VW ID. Buzz (deutlich kleiner) gibt’s mit maximal 84 bzw. 86 kWh fassender Batterie – möglicher Grund: Das Gewicht, aber dazu im nächsten Kapitel mehr. Die NMC-Batterie, mit der der VLE im Herbst 2026 an den Start geht, bietet hingegen 115 nutzbare kWh. 2027 folgt eine 80 kWh LFP-Batterie.
Geladen wird – an der entsprechenden Gleichstrom-Schnellladesäule – mit bis zu 315 kW. 25 Minuten soll’s von 10 auf 80 Prozent dauern, erfahre ich bei meinem Erstkontakt hinter vorgehaltener Hand. In der Pressemeldung selbst ist von 355 nachgeladenen Kilometern Reichweite innerhalb von 15 Minuten die Rede. Also ungefähr: Kaffee holen, aufs WC, einmal kurz auf die Uhr schauen – und weiter. Ich rechne mit etwa 450 Kilometern Autobahnreichweite (130 km/h nach GPS).

2 Modelle zum Marktstart – VLE 300 und VLE 400 4MATIC
Der Markteintritt im Herbst 2026 geschieht mit zwei Modellen: dem Mercedes-Benz VLE 300 elektrisch mit 203 kW aka 276 PS Leistung an der Vorderachse sowie dem VLE 400 4MATIC elektrisch mit 305 kW (415 PS), Allradantrieb und einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden. Und wir sprechen hier – im Falle des VLE 400 4MATIC – von einem Leergewicht nach DIN von ab 3,1 Tonnen. Nur ein ziemlich nackter VLE 300 wird nach DIN unter drei Tonnen auf die Waage bringen. Wie gut müssen hier bitte die Bremsen sein und wie geht sich das alles mit dem B-Führerschein mit maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht aus? Fragen, die ich leider erst bei einer ersten Testfahrt im Frühjahr klären kann, wenn auch die Bestellöffnung erfolgt ist. Und falls sich das alles irgendwie ausgeht, dann darf der VLE 400 4MATIC bis zu 2,5 Tonnen ziehen. Beim VLE 300 sind es bis zu 1.750 Kilogramm. Wohl wichtiger: Die Stützlast beträgt in beiden Fällen großzügige 100 Kilogramm.
AIRMATIC und Hinterachslenkung: Bus fahren war gestern
Damit sich das Dickschiff nicht wie ein Dickschiff fährt, spendiert Mercedes-Benz dem VLE ordentlich Technik. Die neue AIRMATIC-Luftfederung mit 4-cm-Niveauregulierung soll für maximalen Komfort sorgen. Oder, wie es die Stuttgarter selbst fast poetisch formulieren: Nur Schweben wäre noch sanfter. Dazu kommt die Hinterachslenkung mit sieben Grad Lenkwinkel – die ich Euch schon Mitte Februar vorstellen durfte – die den Wendekreis auf 10,9 Meter drückt. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das schon beachtlich und zwingend nötig, bevor sich der Innenraum in eine Kapelle des Schimpfens und Fluchens verwandelt oder die Außenhaut zerknittert.
Wie gut wird der Mercedes-Benz VLE?
Anfang März 2026 stellt Mercedes-Benz seinen neuen, vollelektrischen Van der Öffentlichkeit vor. Ich durfte ihn in Stuttgart bereits genauer inspizieren. Sprechen darf ich vorerst jedoch nur über seinen Wendekreis, seine vollautomatische Einparkfunktion sowie die Batteriegröße.
MB.OS, MBUX Superscreen und Kino im Fond
Auch digital fährt der Mercedes-Benz VLE die volle Sternenparade auf. Das neue Mercedes-Benz Operating System (MB.OS) vernetzt Assistenz, Infotainment und Fahrfunktionen und erlaubt Over-the-Air-Updates – so wie wir es schon aus CLA und Co. kennen. Vorne wartet optional der MBUX Superscreen mit drei Displays (1 × 10,25“ & 2 × 14“ Diagonale) unter einer Glasfläche. Apropos Glasfläche: Das Panoramaglasdach lässt sich nicht mehr öffnen, verfügt aber immerhin über ein mechanisches Rollo.


Hinten wird’s dann auf Wunsch endgültig dekadent: Im Dachhimmel versteckt sich ein ausfahrbarer 31,3-Zoll-Panorama-Screen mit 8K-Auflösung, Splitscreen-Funktion und integrierter Kamera, aber leider ohne Touchfunktionalität – es braucht Touch-Fernbedienungen zur Steuerung. Praktisch bleibt der neue Mercedes trotzdem. Zwei elektrische Schiebetüren, auf Wunsch mit „Hands-free access“, helfen im engen Alltag. Dazu gibt es eine separat zu öffnende Heckscheibe – praktisch, wenn hinter dem Auto mal wieder nur zwei Zentimeter Luft bleiben. Außerdem mindestens 795 Liter Kofferraum- bis maximal 4.078 Liter Ladevolumen.



Für wen ist der Mercedes-Benz VLE gedacht?
Genau hier wird’s spannend. Der Mercedes-Benz VLE will gleich mehrere Zielgruppen abholen:
- Familien, die viel Platz, hohe Flexibilität und elektrische Langstreckentauglichkeit wollen und gleichzeitig über das nötige Kleingeld verfügen.
- Freizeitaktive, die Sitze rauswerfen und Sportgeräte einladen möchten.
- Shuttle- und Business-Kunden – die wohl größte Zielgruppe – die ihre Passagiere lieber in eine rollende Lounge als in einen gewöhnlichen Van setzen.
Marktstart und Preise in Österreich
Für Österreich ist bereits klar: Zum Start werden aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen ausschließlich Varianten mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen angeboten. Deshalb steht leider auch noch nicht fest, ob es Optionen wie die Grand-Komfort-Sitze mit Massagefunktion, Wadenauflage und induktiver Ladeschale fürs Smartphone sowie den 8K-Monitor hierzulande überhaupt geben wird. Und deshalb stehen auch die Preise noch nicht endgültig fest. Mit etwa 80.000 Euro für den VLE 300 darf jedoch gerechnet werden. Der VLE 250, der 2027 nachgereicht wird, geht sich hoffentlich unter 70.000 Euro aus. Sonst bleibt der große Raumgleiter ein in erster Instanz für viele nie erreichbarerer Stern.
Mein erstes Fazit: Großes Kino auf Rädern
Der neue Mercedes-Benz VLE wirkt wie die Antwort auf eine Frage, die bisher keiner laut gestellt hat: Was passiert, wenn man einen elektrischen Luxus-Van baut, der alle Stückerl spielt? Die Antwort: viel Reichweite, viel Raum, viel Technik und ziemlich viel Selbstbewusstsein. Ob er das alles auf die Straße bringt oder am Papier aka dem Gesetz oder seinem Preis hängen bleibt, wird sich zeigen. Auf eine erste Ausfahrt freue ich mich so oder so.
