Neue elektrische Mercedes-Benz C-Klasse: Fahrbericht des C 400 4MATIC mit 753 km Reichweite!
Während die Produktion der Verbrenner-C-Klasse noch ein paar Jahre weiter läuft, geht parallel die vollelektrische Mercedes-Benz C-Klasse an den Start. So gut fährt sich das aktuell einzige Modell C 400 4MATIC elektrisch!Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch: C-Klasse neu definiert!
Die Limousine ist tot, es lebe die Limousine! So könnte man die neue, sechste Generation der C-Klasse (siebente, wenn man den 190er von 1982 dazu zählt) kurz umreißen. Offiziell wollte man sich, mit dem rein elektrischen Ableger des Stuttgarter Lieblings, nicht allzu weit vom typischen 3-Box-Design einer klassischen Limousine wegbewegen – was beim Anblick der Silhouette kaum zu glauben ist. Deshalb hat man sich intern gegen eine praktischere, oberhalb der Heckscheibe angeschlagene Heckklappe und für einen Heckdeckel entschieden, was ich sehr schade finde, denn so sind die 479 Liter Kofferraumvolumen (nach VDA) weniger leicht zu füllen. Rund um Sindelfingen durfte ich das aktuelle Topmodell, den C 400 4MATIC elektrisch, nun ausgiebig fahren.

Übrigens hat die E-Klasse von vor zehn Jahren 490 Liter Kofferraumvolumen geboten. Warum sage ich das? Weil die E-Klasse Limousine 2016 vier Millimeter kürzer war, als es die vollelektrische C-Klasse heute ist.
Im Gegensatz zur Verbrenner-C-Klasse (4,77 m lang; 455 l Kofferraumvolumen), die gerade eine Modellpflege erhalten hat und noch ein paar Jahre parallel weiterlaufen darf, verfügt die Mercedes-Benz C-Klasse elektrisch zusätzlich über einen 101 Liter großen vorderen Kofferraum. Sehr praktisch, und zwar nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Denn hier lässt sich der Frunk per Druck auf das MB-Logo an der Front öffnen und somit im Alltag wirklich wie ein zweiter Kofferraum nutzen. Die Entscheidung gegen die Heckklappe hat auch mit der Entkopplung von Antriebs- und Achsgeräuschen sowie der Kopffreiheit auf der Rücksitzbank zu tun, erklärt man mir im Mercedes-Benz Center of Excellence in Sindelfingen bei Stuttgart. Zwischen den Zeilen wird jedoch klar: Es wäre möglich gewesen, wie auch ein Blick Richtung EQS verrät.


Mercedes-Benz C-Klasse elektrisch: Platzangebot & Innenraum im Test
Im Fond zwickt es bei einer Körpergröße von 1,93 Metern nur am Haupt, für meine Knie ist ausreichend Platz. Menschen bis 1,85 Meter Größe dürften hingegen keinerlei Kontaktflächen außerhalb der Rücksitzbank haben. Deren Lehne ist dreigeteilt und erfreulicherweise vom Kofferraum aus umklappbar. Das bis über die Köpfe der Fondpassagiere reichende Panoramaglasdach gehört zur Serienausstattung, die beleuchteten Sterne sowie die 9-segmentige Beschattungsmöglichkeit auf Knopfdruck sind optional. Apropos: Optional – im Agility & Comfort Paket für 2.868 Euro extra – sind auch das herausragende Luftfahrwerk und die Hinterachslenkung (4,5°), die den Wendekreisdurchmesser von 12,1 Metern auf kompakte 11,2 Meter verkürzt.

Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch im Fahrtest
Auch wenn sich die C-Klasse mit Stahlfahrwerk keinesfalls schlecht fährt, so ist das Luftfahrwerk eine deutliche Bereicherung und ein Kreuzchen im Konfigurator wert. So komfortabel ist meiner Meinung nach kein Mitbewerber unterwegs. Das ist definitiv S-Klasse-Niveau! Das dicke Lenkrad liegt gut in der Hand, die Lenkung selbst ist wunderbar direkt und dank satter 300-kW-Rekuperationsleistung fällt die Masse des Fahrzeugs auch beim Verzögern nicht ins Gewicht. 99 Prozent aller Bremsvorgänge erfolgen über die Rekuperation, die sich via Schaltpaddels am Lenkrad verstellen lässt.

Vorerst gibt es, wie beim Start des GLC, nur den 400-4MATIC-Antriebsstrang mit zwei permanenterregten Synchronmaschinen samt „Disconnect Unit“ zum Entkoppeln der Vorderachse sowie einem Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. Dass die 489 PS und 800 Newtonmeter maximales Drehmoment ein leichtes Spiel mit den 2,4 Tonnen Leergewicht haben, lässt sich schon beim Blick auf die Beschleunigungszeit erahnen. Glatte vier Sekunden machen den C 400 4MATIC zur spurtstärksten C-Klasse aller Zeiten. Ein krasseres AMG-Modell folgt. Schneller als 210 km/h lassen die Stuttgarter die Mittelklasse-Limousine derzeit nicht laufen.
Verbrauch & Reichweite des Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch
Das 2-Gang-Getriebe sorgt in Kombination mit der hervorragenden Aerodynamik (cW: 0,22) dafür, dass der C 400 4MATIC elektrisch selbst bei hohen Geschwindigkeiten nicht allzu oft an die Ladesäule muss. Trotz mehrerer Beschleunigungen auf 210 km/h (213 laut Tacho) bekam ich den Durchschnittsverbrauch auf meiner zweiten, 158 Kilometer langen Testrunde nicht auf über 22,2 kWh/100 km. Daraus resultieren 420 Kilometer Autobahn-Reichweite. Gut, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag am Ende bei überschaubaren 100 km/h. Nach meiner ersten, kurvenreicheren Runde durch den Schwarzwald waren es 19,1 kWh/100 km. Die vier anderen anwesenden Medienvertreter erzielten Werte zwischen 15 und 17 kWh/100 km. Das ergibt unglaubliche Praxis-Reichweiten von 550 bis 620 Kilometer! An diese Effizienz und Reichweite kommen derzeit einfach keine anderen Elektro-Antriebsstränge heran, Punkt. Deshalb schafft es der C 400 4MATIC im WLTP-Zyklus auch auf satte 753 Kilometer Reichweite.
Die C-Klasse nutzt dabei dieselbe 550 Kilogramm schwere NMC-Batterie mit 94,5 kWh Nettokapazität (offiziell 94 kWh) wie das SUV-Geschwisterchen GLC. Nachgeladen wird diese mit bis zu 330 kW in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Eine Heckantriebsvariante mit mehr als 800 Kilometern sowie eine Variante (mutmaßlich C 200) mit 64,6 kWh (netto) LFP-Batterie stehen ebenfalls in den Startlöchern. Start-of-Production (SOP) war kürzlich im ungarischen Kecskemét. Die große Batterie kommt von Zulieferer CATL aus Debrecen, Teile des Antriebsstrangs aus dem rumänischen Sebeș (Mühlbach) von der 100-prozentigen Tochtergesellschaft Star Assembly S.R.L.
Mercedes-Benz: 1 Milliarde in ungarisches Werk investiert!
Angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks durch internationale Hersteller und der Herausforderungen der Transformation zur Elektromobilität richtet Mercedes-Benz seine Produktionsstrategie neu aus. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Werk in Kecskemét, Ungarn, das durch eine milliardenschwere Erweiterung zum größten Standort Europas ausgebaut wird.
Preis des Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch in Österreich
Der Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch startet in Österreich bei 68.550 Euro Brutto-Listenpreis. Mit erneutem Blick auf den 3.900 Euro teureren SUV-Bruder GLC ist baldige „Besserung“ in Sicht. Denn der kann bereits als GLC 250 – mit der 85 kWh (netto) Batterie aus den MMA-Modellen (CLA, GLA & GLB) – ab 63.810 Euro bestellt werden. Sollte diese Variante auch bei der C-Klasse angeboten werden, wovon auszugehen ist, dann sinkt deren Einstiegspreis schon mal auf knapp 60.000 Euro. Und weil’s nach wie vor den großzügigen Privatkundenvorteil gibt, liegt der Einstiegspreis dann wohl schon bei etwa 55.000 Euro. Noch günstiger dürfte der mutmaßliche C 200 werden. Das für Mitte 2027 geplante Einstiegsmodell bekommt eine 64,6 kWh (netto) LFP-Batterie und könnte den Listenpreis auf knapp über 50.000 Euro drücken.
Wichtig ist jedenfalls, dass die 30-minütige Leistung, die für die Berechnung der motorbezogenen Versicherungssteuer herangezogen wird, vonseiten Mercedes-Benz künftig deutlich nach unten homologiert wird. Denn für den C 400 4MATIC werden, aufgrund von 2.385 Kilogramm Leergewicht (DIN) und 265 kW Leistung, jährlich mindestens 1.569,90 Euro fällig. Sämtliche Konkurrenz ist in Sachen Dauerleistung erfreulicher aufgestellt. Und wenn ich schon beim Wünschen bin: Bitte einmal mehr Fahrzeuggarantie als zwei Jahre, Mercedes-Benz – so wie bei mittlerweile jedem nicht-europäischen Hersteller.
Fazit
Der Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch ist ein absolut gelungenes Fahrzeug. Am Fahrwerk und dem Antriebsstrang ist die deutsche Ingenieurskunst am deutlichsten spürbar. Sehen lassen kann sich auch das umfangreiche Infotainment (optional mit einmal quer übers Armaturenbrett verlaufendem Hyperscreen), das mit künstlicher Intelligenz auf Sprachbefehle bzw. Fragen aller Art wartet. Am Ende ist es eine Frage des Geschmacks bzw. Gebrauchs: Will man höher sitzen aber nicht auf Komfort verzichten, dann GLC. Braucht man sieben Sitze, dann GLB. Wer maximale Reichweite will, greift zum CLA oder, wenn das Börserl und der Platz in der Garage größer sind, künftig eben zur C-Klasse. Den nicht-geplanten Kombi-Ableger werde ich so oder so vermissen.
