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Erste Ausfahrt mit dem Renault Megane E-Tech Electric!

Einen Monat vor offiziellem Marktstart Mitte Juni 2022 durfte ich nun hinters Steuer des vollelektrischen Renault Megane E-Tech Electric. Beim ersten Test zeigt der schicke Franzose, dass sich Erfahrung immer bezahlt macht.

Renault Megane E-Tech Electric: Schick & quick!

Die mehr als zehn Jahre Elektroauto-Erfahrung von Renault merkt man dem Megane E-Tech Electric sofort an. Er ist quicklebendig, leise und geräumig. Außerdem setzen die Franzosen weiterhin auf eine fremderregte Synchronmaschine (in zwei Leistungen verfügbar) an der Vorderachse und kommen somit ohne Metalle der Seltenen Erden aus. Ein Allradantrieb, also zweiter Motor an der Hinterachse, wäre von der Plattform her möglich, ist aber nicht geplant. CMF-EV nennt sich die Basis, die auch der deutlich größere und optional Allrad-getriebene Nissan ARIYA nutzt.

40 od. 60 kWh (netto) Kapazität

Bei der Batterie „muss“ Renault des „Packagings“ wegen jedoch zur NMC-Technologie und somit zu den umstrittenen Materialien Nickel und Kobalt greifen. Die ebenfalls verfügbare LFP-Technologie (Lithium-Eisenphosphat) käme ohne diese kritischen Rohstoffe aus, wäre in der Produktion sogar günstiger und im Crashfall auch noch sicherer (weniger leicht entflammbar), doch sie baut größer. Ein vollelektrischer Kompaktwagen mit vom Publikum gewünschter Reichweite, wäre damit aktuell nicht umsetzbar.

Die Batterie des Megane E-Tech Electric ist, im vorderen Teil, lediglich elf Zentimeter hoch und wird in zwei Größen (40 & 60 kWh, jeweils netto) angeboten. Wobei Renault Österreich den Marktanteil bei 85 Prozent zugunsten der großen Batterie sieht. Das zeigt sich auch bei den bereits vorliegenden 300 Bestellungen – einen Monat vor der offiziellen Markteinführung Mitte Juni. Die Reichweiten nach WLTP liegen je nach Akku und Motor zwischen 300 und 470 km, die Verbräuche bei 15,5–16,1 kWh/100 km. Bei meiner ersten, durchaus flott angelegten Testfahrt im südlichen Wien (Helenental) kam ich auf Werte um die 14 kWh/100 km. Eine Vorkonditionierung der Batterie soll auch an Bord sein. Wann diese aktiv wird, konnte vor Ort leider nicht beantwortet werden. Eine Wärmepumpe findet sich in der Preisliste für 1.100 Euro extra.

Ladeleistung & Preise des Megane E-Tech Electric

Geladen wird serienmäßig mit bis zu 22 kW (!) Wechselstrom und, im Falle der 40 kWh großen Batterie, mit 85 kW Gleichstrom. Wer mit bis zu 130 kW an der Schnellladestation laden möchte, muss zur großen Batterie greifen. Die gibt es mit einer Ausstattungs-Ausnahme, allerdings nur mit dem stärkeren Motor (218 statt 131 PS & 300 statt 250 Nm). Kurzum: Für die 170 km mehr Reichweite und den etwa drei Sekunden schnelleren Sprint von 0–100 km/h, müssen 4.600 Euro extra auf den Tisch gelegt werden. Hier die Preise im Überblick:

Renault Megane E-Tech Electric Preis Reichweite Konkurrenz Grafik Vergleich
Der Kaufpreis im Verhältnis zur Reichweite | Picture © autofilou.at

So fährt sich der Kompakte!

So weit so gut, aber wie fährt sich der neue Renault Megane E-Tech Electric? In der getesteten Top-Version mit den aufgezogenen, riesigen 20-Zöllern von Bridgestone sehr sportlich. Nicht nur vom Antritt und Durchzug her, auch die superdirekte Lenkung mit ihrer knackigen Übersetzung von 12:1 überzeugt. Der 10,4 Meter kleine Wendekreis (VW ID.3: 10,2 m) und die tief und zentral montierte Batterie tun ihr übriges zum quicklebendigen Handling. Dazu kommt, dass die Ingenieure die Batterie isoliert haben. Das hilft nicht nur bei der Wärmeregulierung, sondern ist auch der Geräuschkulisse zuträglich. Reifenabrollgeräusche oder Getriebesurren? Fehlanzeige! Nur der Wind dringt ab etwa 80 km/h deutlich durch die Seitenscheiben. Mit dem Megane E-Tech Electric bringt Renault übrigens auch zum ersten Mal eine Mehrlenker-Hinterachse in das Kompaktsegment. Sie bringt viel Ruhe und somit Fahrstabilität in den 4,2 Meter langen Stromer. Mit rund 1,6 Tonnen Leergewicht (ID.3: ab 1,7 t) zählt er zu den Fliegengewichten unter den Elektroautos. Dennoch sind stets sieben Airbags und bis zu 26 Fahrassistenzsysteme mit an Bord. Zu letzterem zählt unter anderem ein „intelligenter“ Tempomat mit Abstandsradar, der auch auf Navigationsdaten zurückgreift und deshalb vorm Kreisverkehr automatisch abbremst.

Megane E-Tech Electric elektrisch Assistenzsysteme Tempomat Abstandsradar Intelligent
Photo © Raphael Gürth/autofilou.at

Google Navigation erhältlich!

Apropos Navigation: Renault setzt, nach Volvo und Polestar, jetzt als dritte Marke auf ein Android-basiertes Infotainmentsystem – zumindest in den höheren Ausstattungsvarianten mit 12-Zoll-Touchscreen. Vorteil: Es ist Google Maps als Navigationssystem integriert. Zudem kann der Megane E-Tech Electric „Over-the-Air“ upgedatet werden, um neue Software zu erhalten. Das volldigitale Fahrerinformationsdisplay ist stets 12,3 Zoll, der Infotainment-Touchscreen in den niedrigeren Ausstattungsvarianten neun Zoll groß. Dann kann dank kabelloser Smartphone Replikation (Apple CarPlay & Android Auto) dennoch mit Google Maps navigiert werden.

Fazit

Wie schon letzten Herbst bei seiner Weltpremiere (IAA in München), kann ich mir weiterhin gut vorstellen, dass neben vielen Elektro-Neulingen auch einige ZOE-Fahrer auf den Renault Megane E-Tech Electric umsteigen. Er ist nur 11 Zentimeter länger, hat fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest erhalten, fährt sich weit komfortabler und bietet nochmals mehr Reichweite und Platz (Kofferraumvolumen: 389 l nach VDA V210-2-Norm). Allerdings lässt sich Renault den gelungenen Kompakten auch gut bezahlen (siehe Preisliste oben). Den Leasingnehmern wird das so gut wie egal sein. Die fünf Jahre Fahrzeuggarantie möchte ich zudem nicht unerwähnt lassen.

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