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Der FIAT 500e Hatchback Icon im Test!

Am Automarkt ist der FIAT 500 so etwas wie ein Wunderkind. Während die Zulassungszahlen bei anderen Modellen mit den Jahren abnehmen, hält sich der fesche Italiener tapfer auf den vorderen Rängen der österreichischen Zulassungsstatistik. Im Test die neue, rein elektrische dritte Generation.

FIAT 500e Hatchback Icon: Das Wunderkind

Der FIAT 500 schafft das, wovon andere nur träumen können. Während die Zulassungszahlen der Erstplatzierten der letzten Jahre – VW Golf und Škoda Octavia – nur so in den Keller rasseln, bleibt der kleine Italiener stabil auf Kurs. Macht im bisherigen Jahr 2021 gar einen auf „David gegen Goliath“ und ankert mit 5.578 Neuzulassungen derzeit auf Platz 1 der österreichischen Zulassungsstatistik.

Zulassungszahlen von FIAT 500, VW Golf & Škoda Octavia seit 2012 in Österreich
Zulassungszahlen von FIAT 500, VW Golf & Škoda Octavia seit 2012 in Österreich | Data: Statistik Austria | Illustration: autofilou.at

Den ersten Platz holen sich in Wahrheit jedoch gleich zwei Modelle: Der FIAT 500 der zweiten Generation mit Verbrennungsmotor, der in Polen produziert wird, und der FIAT 500e der dritten Generation, mit reinem Elektroantrieb. Der wird im FCA-Werk Mirafiori in Turin, Italien, gefertigt und kommt in den ersten zehn Monaten des Jahres 2021 hierzulande auf 1.278 Neuzulassungen. Unter den Elektroautos reicht es damit nur für Platz 6. Macht aber nichts, denn der FIAT 500e macht seine Sache großartig – wenngleich ich nachfolgend ein paar Kleinigkeiten anspreche, auf deren Überarbeitung ich hoffe.

150 km Autobahn-Reichweite

Ein Thema, das ich direkt ansprechen möchte, ist die Autobahn-Reichweite. Die liegt aufgrund des hohen Verbrauchs von 24,5 kWh/100 km bei maximal 150 Kilometern (100–0 % SoC).

Vielleicht denkt ihr euch jetzt, dass das egal ist, weil der FIAT 500 doch seit jeher als Stadtauto konzipiert ist. Hier haben sich meine Ansichten in den letzten Jahren deutlich geändert. Erstens: Wer wirklich in der Stadt lebt, soll sich bitte öffentlich oder mit dem Fahrrad fortbewegen und wenn dies die Stadt nicht ermöglicht, dann gehört hier vonseiten Politik etwas verändert – zumindest Car-Sharing ausgebaut. Zweitens: Leasing hin oder her, aber wenn ich 30.000 Euro oder mehr für ein 3,63 Meter kurzes Auto hinblättere, dann erwarte ich mir schon, dass es bei einer angegebenen WLTP-Reichweite von 321 Kilometer zumindest 200 Kilometer auf der Autobahn schafft. Vor allem, weil es für diesen Preis deutlich größere Elektroautos gibt, die das können.

Im Vergleich zur direkten Konkurrenz à la Twingo Electric, e-up!, Cooper SE oder Honda e, ist der FIAT 500e dennoch ganz klar die beste Option. Er fährt sich zwar nicht so sportlich wie der heckangetriebene Honda e mit Sportbereifung, sieht dafür aber eleganter aus als der Cooper SE und ist im Gegensatz zu diesem sogar als Cabrio (+3.000 €) erhältlich. Außerdem lädt er mit Abstand am schnellsten – mit bis 85 kW Gleichstrom und serienmäßig mit 11 kW Wechselstrom – zumindest sofern die Batterie auf Temperatur ist.

Schnell beim Nachladen

Denn ist die Batterie warm, dann braucht sich der FIAT 500e nicht einmal vor Fahrzeugen mit deutlich größerer Batterie, z. B. KONA Elektro oder LEAF, zu verstecken. Angefangen bei niedrigem (<10 %) Ladezustand, lädt er im Optimalfall in den ersten 17 Minuten fast 22 kWh der nutzbaren 37,3 kWh (42 kWh brutto), also beinahe 60 %, nach und bei Minute 27 sind es etwa 30 kWh. Die von FIAT angegebenen 35 Minuten auf 80 Prozent State-of-Charge habe ich nicht einmal bei kalter Batterie gebraucht, wie auch die Ladekurven zeigen.

Kurzum: Wer auf die Langstrecke geht, sollte alle 100 Kilometer einen Schnelllader parat haben und ist dann nach 25–30 Minuten für die nächsten 100 Kilometer gewappnet.

Das Fahrverhalten des FIAT 500e

Wer weniger auf der Autobahn, dafür aber mehr auf Landstraßen oder am Stadtrand unterwegs ist, erfreut sich am agilen Handling und der Spurtstärke – zumindest bis 50 km/h. Bis dahin braucht der 118 PS starke Flitzer nämlich nur 3,1 Sekunden – sofern genügend Reibung zwischen dem Untergrund und den 195er-Vorderreifen vorhanden ist. Die Lenkung ist für meinen Geschmack zu leichtgängig, was beim Rangieren vielleicht von Vorteil ist. Doch weil sie zudem angenehm direkt ausgelegt und der Wendekreisdurchmesser mit 9,7 Meter sehr klein ist, lässt sie den Kleinstwagen bei höheren Geschwindigkeiten bei minimalen Lenkradzuckern schnell schwänzeln. Daher wünsche ich mir für das Facelift eine geschwindigkeitsabhängige Lenkung. Gut, dass hier so viele Assistenten an Bord sind, dass der 500e als einziger seiner Klasse nach Level 2 teilautomatisiert fahren kann. Er hält also von selbst die Spur und den Abstand zum Vordermann. Und diese Systeme funktionieren tadellos. So auch die Rekuperation. Während im Normal-Modus bloß über das Bremspedal Energie zurückgewonnen wird, verzögert er in den beiden anderen Modi (Range & Sherpa) so vehement, dass man ihn ganz klar mit nur einem Pedal (One-Pedal-Driving) fahren kann.

Sitzposition & Platzangebot

Die Sitzposition ist für Leute mit mehr als 1,85 Meter Körpergröße wenig geeignet, schlichtweg weil der Innenspiegel zu tief hängt. Er versperrt, selbst bei niedrigster Sitzeinstellung, die Sicht nach rechts vorne. Spätestens die viel zu wenig weit ausziehbare Kopfstütze zeigt mir, dass ich hier mit meinen 1-Meter-93 fehl am Platz bin. Und über die Rücksitzbank möchte ich gar nicht erst sprechen. Denn es stehen zwar vier Sitzplätze im Zulassungsschein, doch mehr als 2+2 Sitze gehen sich bei 2,32 Meter Radstand schlichtweg nicht aus. ISOFIX-Befestigungen sind dennoch auf allen Sitzplätzen, mit Ausnahme des Fahrerplatzes, zu finden. Die Sitzbezüge sind, wie auch beim CUPRA e-Born, von SEQUAL®, also aus recyceltem, aus dem Meer gefischtem Plastik hergestellt. Beim Kofferraumvolumen schlägt der FIAT 500e mit 185 Liter nur den Honda e (171 l), die restliche Konkurrenz hat jeweils mehr als 200 Liter.

2021 FIAT 500e Icon Interieur
Photo © Tizian Ballweber/autofilou.at

Der Preis des FIAT 500e

Konkurrenzlos günstig ist der FIAT 500e Hatchback höchstens in der getesteten Icon-Ausführung. Das zeigt auch meine Preis-Reichweite-Grafik schonungslos. „Icon“ heißt aber auch, dass der Einstiegspreis auf 30.490 Euro klettert. Wem 23,8 kWh und eine WLTP-Reichweite von 190 Kilometer reichen, der bekommt den FIAT 500e als „Action“ bereits ab 25.390 Euro. Damit sind dann aber wirklich keine 100 Kilometer auf der Autobahn zurücklegbar.

FIAT 500e Preis zu Reichweite Konkurrenz Vergleich
Der Kaufpreis im Verhältnis zur Reichweite | Picture © autofilou.at

Fazit

Der FIAT 500e macht auch elektrifiziert einiges richtig. Er fährt sich spritzig, lädt schnell, kommt – abgesehen von der Autobahn – im Test 250 Kilometer weit, ist bei der Aktualität der Assistenzsysteme ganz vorne mit dabei und sein Infotainmentsystem mit 10,25 Zoll großem Touchscreen ist übersichtlich und bietet zudem kabellose Android Auto– sowie Apple Carplay-Anbindung. Ich persönlich würde mir einen niedriger montierten Fahrersitz oder höher platzierten Innenspiegel (die Zielgruppe wird wies wohl weniger stören), eine höhere Autobahn-Tauglichkeit sowie eine beleuchtete Mittelkonsole wünschen – und ein Geräusch beim Zusperren. Das gibt es aufgrund der elektrischen Schließer nämlich nicht mehr.

FIAT 500e in Rose Gold in den Weinbergen vor Wien.
Photo © Tizian Ballweber/autofilou.at
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