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2024 Hyundai IONIQ 6 Top Line Long Range 77,4 kWh 4WD im Test!

Mit dem IONIQ 6 startet Hyundai zwar keine Revolution, zeigt jedoch wie weit man mit durchdachter Evolution kommt. Und damit ist nicht nur die Reichweite gemeint.

Hyundai IONIQ 6 – Die Evolution schläft nicht

Im Mai dieses Jahres konnte mein Kollege Raphael den heckangetriebenen Hyundai IONIQ 6 bereits erstmals unter die Lupe nehmen und war von seinem geringen Verbrauch und der großen Reichweite positiv überrascht – und mir ging es diesen Herbst mit der Allradvariante nicht anders.
Die Automobilbranche erlebt mit dem Hyundai IONIQ 6 vielleicht keine elektrische Revolution, aber doch zumindest eine Evolution. War für uns vor ein paar Jahren noch neben dem Tesla Model S der Jaguar I-Pace mit 100 kW Ladeleistung und 25 kWh Verbrauch noch ein Vorzeigestromer, kann er heute mit diesen Leistungsdaten wohl niemanden mehr beeindrucken. Der Hyundai IONIQ 6 sorgt dagegen nicht nur mit seiner extravaganten Silhouette für verdrehte Köpfe, sondern auch mit seinem effizienten Antriebsstrang für freudige Überraschung. Sehen wir uns das Auto also mal genauer an.

Form, Design und Platz

Über die Form des Hyundai IONIQ 6 kann man streiten. Manche finden das Design futuristisch, während es von anderen als „nicht besonders schön“ empfunden wird. Das kontroverse Aussehen ist jedoch dem ausgezeichneten cW-Wert von nur 0,21 geschuldet. Raphael hat dazu eine eigene Tabelle mit den Werten der Konkurrenz gebaut:

 Länge in mcW-WertBrutto-kWhnetto-kWhWLTP-km
Tesla Model 34,720,219~79,0~74,0678
BMW i44,780,2483,980,7584
BYD Seal4,800,21982,5n/a570
Polestar Polestar 44,84n/a102,0n/a600
Hyundai IONIQ 64,860,2177,4n/a614
Mercedes-Benz EQE4,950,22n/a90,56675
VW ID.74,960,2391,086,0700
Porsche Taycan4,960,2293,483,7508
Audi e-tron GT4,990,2493,485,0492
BYD Han5,000,23385,44n/a521
Tesla Model S5,020,208100,0~90,0723
Mercedes-Benz EQS5,220,2n/a108,4739

Ob einem der IONIQ 6 nun gefällt oder nicht, er hat jedenfalls ein paar großartige Details, wie zum Beispiel den durchgehenden Lichtstreifen am Heck oder die (optionalen) Kameras statt Außenspiegel (zu denen komme ich später noch).

Im Innenraum bietet das 4,86 Meter lange Fahrzeug Platz für fünf Passagiere, einen 401 Liter fassenden Kofferraum – und zusätzlich noch einen 14,5 Liter großen Frunk. Die Rückbank kann im Verhältnis 2:1 umgelegt werden. Eine Ski-Durchreiche gibt es leider nicht und durch die starke Verjüngung hinter den Sitzen eignet sich der Platz nicht für sperrige Gegenstände.

Beim Blick in den Innenraum fallen gleich mal die 4 Bildschirme auf. Das Instrumentendisplay direkt hinter dem Lenkrad, das Infotainmentdisplay über der separaten Klimaanlage sowie die beiden Bildschirme in den vorderen Türen, die die Rückspiegel ersetzen. Die beheiz- und belüftbaren Ledersitze sind bequem, könnten aber etwas mehr Seitenhalt bieten. Die Fensterheber findet man in der Mittelkonsole, zwischen Armlehne und induktiver Ladeschale, was an günstigere Fahrzeuge erinnert. Insgesamt ist der Fahrgastraum aber hübsch und aufgeräumt, mit viel Platz für die Beine, aber für große Passagiere etwas zu niedrig.

Leistung und Reichweite

Den IONIQ 6 gibt es mit zwei verschiedenen Akku-Größen (53 und 77,4 kWh brutto) sowie mit Heck- und Allradantrieb. Kombiniert man die große Batterie mit dem Allradantrieb, erhält man die 325 PS starke Topversion mit je einem Motor pro Achse (vorne 100 PS & 255 Nm, hinten 225 PS & 350 Nm) und mit einer maximalen Reichweite nach WLTP von 583 Kilometern. Die 20-Zöller des Testfahrzeugs verringern die Reichweite jedoch gleich mal auf 519 km und der gemittelte Verbrauch (inklusive Ladeverlusten) beläuft sich auf 16,9 kWh je 100 km.

Wenn man nicht so sparsam fährt, beschleunigt der IONIQ 6 Top Line Long Range 77,4 kWh 4WD in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und zügig weiter bis er bei 185 km/h elektronisch abgeriegelt wird.

Ähnliche Daten findet man vielleicht auch bei anderen Fahrzeugen. Das Großartige beim IONIQ 6 ist, dass er etappenweise wirklich nur 15 kWh verbraucht und sich selbst nach einigen hundert Kilometern auf der Autobahn bei 19 kWh einpendelt, was echten 400 Kilometern Reichweite entspricht. Von 80–10 % SoC sind es immer noch 285 km. Mittels Eco- und Sportmodus kann man hier noch ein paar Kilometer mehr oder weniger rausholen.

Der Hyundai IONIQ 6 lädt richtig schnell

Ein weiterer Schritt in der Evolution der E-Autos ist auch die Ladeleistung des Koreaners. Maximal 221 kW nimmt er laut Datenblatt an der Schnellladesäule auf. Bei meinem Ladetest standen sogar 235 kW am Display – der Überschuss könnte jedoch auf Ladeverluste oder die Kühlung der Batterie zurückgehen. Hyundai gibt für eine Schnellladung von 10 auf 80 % eine Dauer von etwa 18 Minuten an. Im Test habe ich bei 6 % zu laden begonnen, jedoch nach 14 Minuten einen Abbruch bei 70 % gehabt. Nach einem neuerlichen Start hatten wir nach 3 weiteren Minuten, also nach 17 Minuten die 80 % erreicht. 90 % stand nach 25 Minuten auf dem Display, ab da lädt der IONIQ 6 mit 50 kW oder weniger. Das sind 14 Minuten für 285 oder 25 Minuten für 340 Kilometer. Ein hervorragender Wert. Am 1-phasigen AC-Lader braucht es für eine Ladung von 0–100 % knapp 33 Stunden, 3-phasig, mit 10,5 kW, etwa 7:20 Stunden.

Hier noch die Ladekurve des Testwagens im Vergleich mit dem IONIQ 6 2WD, den Raphael im Mai gefahren ist.

Hyundai IONIQ 6 Top Line Long Range 77,4 kWh 4WD Charging Curve Ladekurve Speed Ladeleistung
Ladeleistung über SoC | Image © Raphael Gürth/autofilou.at

Fahrerlebnis und Komfort

Der Hyundai IONIQ 6 überzeugt jedoch nicht nur mit seiner (Lade-)Leistung, sondern auch mit einem ausgezeichneten Fahrerlebnis. Die Lenkung ist angenehm direkt, das Fahrwerk bügelt viele Bodenunebenheiten einfach weg. Auch bei höheren Geschwindigkeiten ist es im Innenraum angenehm leise und man kann sich ganz auf den Klang des BOSE® Premium Sound Systems (ab Top Line inkludiert) konzentrieren.

Kritikpunkte

Aber nicht alles am Hyundai IONIQ 6 ist perfekt. Beginnen wir mit den Kameras, die die Rückspiegel ersetzen. 2.000 Euro kostet dieses futuristische Extra, das den cW-Wert wohl noch ein bisschen verbessert, aber der Rundumsicht nicht wirklich zuträglich ist. Einerseits lassen sich die Kameras nicht so stark verstellen wie reguläre Rückspiegel (Stichwort: Felgen und Randstein sehen), andererseits kann man durch Bewegen des Kopfes – anders als bei Spiegeln – das Sichtfeld nicht vergrößern. Mal ganz davon abgesehen, dass man anfangs auch immer auf die Kameras statt auf die Bildschirme schaut. Und bei Fahrten im Dunkeln fand ich sie gewöhnlichen Spiegeln auch unterlegen. Dieses Geld lässt sich besser investieren.

Nicht ganz so gravierend sind fehlende Tasten für Sitzheizung und -belüftung auf der Klimaanlage oder in den Türen. Diese Funktionen im Menü suchen zu müssen, ist dennoch lästig.

Ebenfalls lästig ist das gesetzlich vorgeschriebene Piepsen der Geschwindigkeitskontrolle, das bei jeder Überschreitung der Geschwindigkeit einsetzt, gerne auch mehrmals hintereinander, wenn man beispielsweise im Ortsgebiet die 30 km/h immer wieder knapp überschreitet. Immerhin kann diese Funktion im Menü deaktiviert werden – das ist allerdings bei jedem Mal Starten aufs Neue notwendig.

Schließlich möchte ich noch die Notbremsfunktion erwähnen, die der IONIQ 6 in engen Parklücken gerne mal von selbst tätigt. Mich hat sie mehr gestört als unterstützt. Gleichzeitig ist das Deaktivieren per starkem Druck auf die Bremse eine ausgezeichnete Lösung, um die Weiterfahrt zu starten.

So viel kostet der Hyundai IONIQ 6

Den IONIQ 6 mit kleiner Batterie und Heckantrieb bekommt man ab 55.490 Euro, mit großer Batterie ab 59.490. Für ein Fahrzeug mit Allradantrieb werden mindestens 66.490 Euro (Plus Line) berechnet und für unser Testfahrzeug in der Top Line sind es sogar 71.490 Euro. Technik- und Leder-Paket sind hier schon enthalten, ebenso eine Wärmepumpe. Nur für die 20-Zoll Felgen (+1.190 €), das Schiebedach (+990 €), den Vehicle-to-Load-Adapter (+490 €), die Kameras statt Rückspiegel (+2.000 €) und Ultimate Red Metallic (+650 €) muss man extra zahlen. Insgesamt kommt mein Testwagen auf 76.810 Euro und ist damit wahrlich kein Schnäppchen mehr. Mit einem kleineren Tesla Model 3 kann man auch deutlich günstiger elektrisch fahren, mit dem ein paar Zentimeter größeren Mercedes-Benz EQE 350 4MATIC mit 292 PS, ohne Ausstattung ab 76.080 € jedoch auch teurer.

Fazit

Mit dem Hyundai IONIQ 6 beweist der südkoreanische Autohersteller, dass Elektromobilität immer weniger Kompromisse erfordert. Die Kombination aus effizientem Antrieb, schnellem Laden und ausgezeichneten Fahreigenschaften zeigt die schnell fortschreitende Evolution bei E-Fahrzeugen. Wer sich mit dem Design anfreunden kann und nicht über 1,90 m groß ist, findet hier ein sehr gutes E-Auto.

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