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Der Mercedes-Benz EQC 400 4MATIC im Test!

Der erste vollelektrische Großserien-Mercedes zeigt im Test, was er kann: Lautlos fahren, schnell beschleunigen, mit seinem Innenraum überzeugen – aber auch viel verbrauchen.

Mercedes-Benz EQC 400: Energiereiche Kost

Mercedes-Benz hat sich bei der Elektromobilität wirklich Zeit gelassen. Zwar gibt es bereits die vollelektrischen smart-Modelle (und davor schon einige Versuche), aber das ist dann doch eine ganz andere Liga. Schließlich haben Premiumhersteller wie Audi, BMW und auch Jaguar ihre Luxus-E-Modelle schon länger auf der Straße. Ganz zu schweigen von Tesla, die ja in der Zulassungsstatistik der Elektroautos ohnehin vorne sind.

Aber jetzt ist der EQC ja endlich da.

Außen zeigt er sich stromlinienförmiger als die anderen SUV der Marke und hat mit den durchgehenden Lichtleisten vorne und hinten ein echtes Erkennungsmerkmal. Die optionale Trittleiste lässt den EQC bulliger aussehen, stört aber beim Aussteigen, da man sich daran leicht die Hose dreckig macht. Um den Stromer von seinem Plattformbruder GLC abzuheben, haben ihn die Ingenieure ein paar Zentimeter verlängert (4,76 statt 4,68 m) und die Dachlinie abgeflacht. Das Kofferraumvolumen kann sich mit 500–1.460 Litern dennoch sehen lassen.

Beim Innendesign gibt es leider wenig Überraschungen. Wieso leider? Weil ich mir beim ersten vollelektrischen SUV der Stuttgarter schon ein paar Innovationen wünschen würde. Das Cockpit des EQC könnte so nämlich auch in einer A-Klasse zu finden sein. Vielleicht ohne die Kontrastfarben bei den Lüftungsdüsen. Aber die Cockpit-Architektur von Mercedes-Benz sieht in allen Modellen zwischen A- und S-Klasse mittlerweile fast gleich aus. Das ist einerseits verständlich, schließlich werden immer mehr Displays verbaut und die Innovationen liegen mehr in Software und Elektronik als in neuen Materialien. Andererseits schadet es dem Überraschungseffekt, wenn das Auto, das ja quasi eine neue Ära einläutet, innen genauso aussieht, wie die anderen.

Die inneren Werte des Mercedes-Benz EQC

Immerhin besteht das Marken-Cockpit bei Mercedes-Benz aus edlen Materialien und bietet hohen Komfort. Jedes Detail ist schön gearbeitet, von den Lautsprecherverkleidungen über die Lüftungsdüsen bis zur Türverriegelung. Aber nichts anderes bin ich von Mercedes-Benz gewöhnt.
Die Bedienung des Infotainments (MBUX) ist zeitgemäß, aber nicht ohne Fehl. Mit dem Touchpad ist die Auswahl teilweise etwas langsamer bzw. fummeliger als sie es mit einem Drehregler wäre. Und auch über die Touchfelder am Lenkrad kann man zwar in alle Richtungen steuern, bleibt aber manchmal beim falschen Menüpunkt hängen.

Dafür verrichtet die Sprachsteuerung einen guten Dienst. Die Navigation wird zügig und mit wenig Nachfragen gestartet und auch einige Menüs (z.B. Ambientelicht) kann man direkt auswählen. Hin und wieder ist die Sprachsteuerung jedoch ein bisschen sensibler als sie sein sollte und fühlt sich mitten in einem Gespräch (auch ohne das Wort Mercedes) angesprochen. Man möge es ihr verzeihen. Immerhin spricht sie durch die optionale (im Premium Plus Paket enthaltene), sehr gut klingende Burmester®-Soundanlage.

Fahren und laden

Ist man mit dem EQC unterwegs, erkennt man schnell seine zwei Gesichter, Dr. Jekyll und Mr. Hyde quasi. Denn der Elektro-Benz rollt einerseits so weich und flüsterleise durch die Gegend, dass man sich auch bei Autobahntempo locker in Zimmerlautstärke unterhalten kann. Andererseits drückt er im Dynamik-Modus brutal an, lässt Köpfe an die Kopfstützen klatschen und beschleunigt mit seinen 408 PS und 760 Nm in 5,1 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis maximal 180 km/h. Auf trockener Straße verhindert der Allradantrieb allzu viel Schlupf. Doch spätestens, wenn der Boden ein bisschen feucht ist, reichen auch vier angetriebene Räder nicht aus, um ein Durchdrehen zu verhindern.
Das Fahrwerk ist sehr komfortabel abgestimmt. In schnellen Kurven spürt man die Neigung des 2,5 Tonnen schweren Fahrzeugs. Dafür schluckt die Federung die meisten Unebenheiten im Boden.

Was den Verbrauch angeht, ist der Mercedes-Benz EQC nicht besonders zimperlich. 22,1–24,9 kWh auf 100 km verbraucht er laut WLTP. Damit würde man im besten Fall 362 km weit kommen. Wer ohne Klimaanlage viel in der Stadt oder mit gemütlichem Tempo und Tempomat unterwegs ist, kann diesen Verbrauch leicht unterschreiten. Bei mir waren es laut Bordcomputer 19,8 kWh/100 km. Wer aber auf einer hügeligen Autobahn durchgehend 130 km/h nach GPS fährt, verbraucht schnell mal 28–30 kWh und verringert die maximale Reichweite des Fahrzeugs auf nicht mal 300 km. Während der Fahrt kann man über die Lenkrad-Paddles die Intensität der Rekuperation steuern und so ein paar Extra-Kilometer gewinnen.

Die Reichweitenangaben unterscheiden sich beim EQC deutlich. Je nach Temperatur und Bereifung sollte man irgendwo zwischen 370 und 414 km maximaler Reichweite landen.

Wie schon bei der Reichweite leistet sich der EQC auch beim Laden ein paar Schwächen. Beim Wechselstromladen schafft das Onboard-Ladegerät maximal 7,4 kW. Zum Vergleich: Der KIA e-Soul verträgt 11 kW und der Renault ZOE sogar 22 kW.

Beim Laden mit Gleichstrom könnte der EQC bei 400 Volt maximal 150 kW aufnehmen, riegelt aber bei 110 kW ab. Für Mercedes-Benz ist das ein guter Kompromiss aus Ladeleistung und Lebensdauer der Batterie und ein Aufladen von 10 auf 80 Prozent soll in 40 Minuten möglich sein.

Und der Preis?

75.620 Euro verlangen die Stuttgarter mindestens für den EQC. Mit ein paar Extras, wie zum Beispiel dem Fahrassistenz-Paket mit dem Abstandstempomat Distronic und Lenk-Assistent für 1.578 Euro oder dem Premium Paket Plus mit Schiebedach, Burmester® Surround-Soundsystem, Augmented Reality bei der Navigation und Head-up-Display für 6.252 Euro, kommt mein Test-EQC auf 94.088 Euro.

Fazit

Wer Komfort und Ruhe in einem Elektroauto sucht, wird beim Mercedes-Benz EQC 400 4MATIC fündig. So leise ist man sonst nirgends unterwegs. Mit der 650 kg schweren Batterie, dem hohen Verbrauch und der mittelmäßigen Ladeleistung verbaut sich der EQC aber einen Platz unter den Top-Elektrofahrzeugen. Noch dazu bei einem Preis von fast 100.000 Euro. Aber 2021 soll ja die elektrische S-Klasse (EQS) mit 700 km Reichweite kommen. Vielleicht stimmt dann das Paket.

Christoph Adamek
Christoph Adamek Auto, Motorrad, Fotografie und Technik - und nirgends volle Punktezahl
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